Hast Du Zeit Zum Telefonieren

Kennst du das? Du stehst gerade in der Schlange an der Kasse im Supermarkt, jonglierst mit deinem Handy, dem Einkaufszettel und dem nervigen Eurostück, das ständig aus deiner Hosentasche kullern will. Und genau in diesem Moment klingelt das Telefon. Auf dem Display steht: "Mama".
Sofort schießt dir durch den Kopf: "Oh nein, nicht jetzt!" Es ist, als hätte dein Handy einen eingebauten Sensor für die unpassendsten Momente. So wie der Toaster, der immer dann beschließt, dein Brot zu verbrennen, wenn du gerade duschen bist.
Die Frage, die dann im Raum steht (oder besser gesagt, in deiner überfüllten Gedankenblase): "Hast du Zeit zum Telefonieren?"
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Dieser Satz, so harmlos er klingt, ist in Wirklichkeit eine rhetorische Meisterleistung. Denn wer sagt schon ehrlich "Nein!" zu seiner Mutter, während die Kassiererin dir schon die Augenrollen beibringt? Es ist wie bei der Frage: "Siehst du dick aus in dieser Hose?". Die richtige Antwort ist immer die, die am wenigsten Ärger verursacht.
Die Krux mit der Zeit
Zeit. Dieses mysteriöse Gut, von dem wir alle chronisch zu wenig haben. Es ist wie mit den Socken in der Waschmaschine: Irgendwie verschwinden immer welche. Und wenn es ums Telefonieren geht, scheinen sich Minuten in gefühlte Ewigkeiten zu dehnen. Vor allem, wenn es um Themen geht wie: "Was die Nachbarin von der Cousine dritten Grades so alles erlebt hat..."

Manchmal denke ich, mein Handy hat eine geheime Vereinbarung mit allen Anrufern. Sie warten geduldig, bis ich gerade versuche, einen Parkplatz in der Innenstadt zu finden, oder bis ich endlich, endlich, nach einer langen Autofahrt, die Füße hochlegen will. Dann: Klingeling!
Und dann diese Variationen der Frage! "Passt es gerade?" oder "Stör ich?". Als ob es jemals "passt" oder "nicht stört". Es ist wie beim Arztbesuch: Es passt nie wirklich, aber man muss da durch.
Die Kunst des Ausweichens (oder: Wie ich lernte, Anrufe zu lieben und zu hassen)
Natürlich kann man den Anruf wegdrücken. Aber dann droht das schlechte Gewissen. Und die nachfolgende Textnachricht: "Warum gehst du nicht ran?!". Es ist ein Teufelskreis, schlimmer als jede Reality-TV-Sendung.
Deshalb habe ich gelernt, zu jonglieren. Ich kann jetzt gleichzeitig telefonieren, E-Mails beantworten und versuchen, den Katzenklo zu reinigen. Multitasking ist mein zweiter Vorname. (Der erste ist übrigens immer noch "Gestresst").

Aber ganz ehrlich? Manchmal, wenn ich wirklich Zeit habe (was selten genug vorkommt), freue ich mich über diese Anrufe. Über die Gelegenheit, einfach mal zuzuhören, zu lachen und sich auszutauschen. Denn am Ende des Tages sind es diese kleinen Momente, die zählen.
Also, das nächste Mal, wenn dein Handy klingelt und die Frage gestellt wird: "Hast du Zeit zum Telefonieren?", nimm dir einen Moment Zeit. Atme tief durch. Und entscheide dann, ob du gerade Held oder Held des Wegdrückens sein willst. Beides ist okay. Hauptsache, du bleibst du selbst – auch wenn das bedeutet, dass du während des Telefonats heimlich ein Stück Schokolade naschst. Pssst! Ich verrate dich nicht.
Und wer weiß? Vielleicht ist der Anruf ja auch der Start einer urkomischen Anekdote, über die du dann später, beim nächsten unpassenden Anruf, wieder lachen kannst.
