Georg Britting Brudermord Im Altwasser

Kennt ihr das Gefühl, wenn ein harmloser Familienausflug in ein regelrechtes Desaster ausartet? So, als ob das Universum sich verschworen hätte, um euch den Tag zu vermiesen? Ja? Dann seid ihr bei Georg Britting und seiner Kurzgeschichte "Brudermord im Altwasser" genau richtig! Nur, dass es bei Britting nicht um den verlorenen Eisbecher oder den platten Fahrradreifen geht, sondern… naja… um einen Brudermord.
Klingt erstmal nach ganz großem Kino, nach Shakespeare am Baggersee. Aber Britting wäre nicht Britting, wenn er das Ganze nicht mit einer Prise bayerischer Gemütlichkeit und einer ordentlichen Schippe schwarzem Humor servieren würde. Stellt euch das Ganze vor wie ein "Tatort" mit Dialekt und ohne Happy End (Spoiler Alert!).
Im Zentrum der Geschichte stehen zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine, nennen wir ihn mal Sepp, ist der bodenständige, fleißige Bauer, der seine Kartoffeln liebt und sein Bier noch mehr. Der andere, sagen wir Franz, ist eher der Lebemann, der lieber im Wirtshaus sitzt und dem Jodeln frönt. Kurz gesagt: Sepp ist der, der arbeitet, Franz der, der feiert. Und das führt, wie sollte es anders sein, zu Spannungen.
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Ein Altwasser voller Geheimnisse
Der Altwasser selbst, der Schauplatz des Geschehens, ist wie ein Spiegel der Seele. Ruhig, düster, und voller verborgener Geheimnisse. Ein bisschen wie der Keller bei Oma, wo man sich nie so richtig wohl fühlt. Man weiß nie, was da so rumliegt – oder rumschwimmt.
Stellt euch vor, die beiden Brüder sind am Fischen. Sepp, der fleißige, versucht mit aller Kraft, etwas an Land zu ziehen. Franz, der Lebemann, ist mehr mit dem Trinken beschäftigt als mit dem Fischen. Und dann, Peng! Der Streit bricht aus. Irgendwann geht es um Geld, um Frauen, um versäumte Chancen… eben all die Dinge, die in Familien gerne unter den Teppich gekehrt werden, bis der Teppich irgendwann platzt.

Der Clou ist aber, dass Britting das Ganze nicht als großes Drama inszeniert. Er erzählt die Geschichte mit einer unglaublichen Lakonie, einer fast schon teilnahmslosen Beobachtung. Das macht das Ganze erst so richtig verstörend. So, als würde er sagen: "Jo mei, passiert halt mal. Ist ja nur ein Brudermord."
Der bayerische Shakespeare
Britting ist ein Meister darin, die bayerische Mentalität einzufangen. Diese Mischung aus Sturheit, Gemütlichkeit und einer gewissen Weltabgeschiedenheit. Man könnte ihn fast als den bayerischen Shakespeare bezeichnen, nur dass seine Bühne nicht das Globe Theatre ist, sondern der Dorfwirtshaus und der Altwasser.

Und warum funktioniert die Geschichte so gut? Weil wir alle diese kleinen Spannungen in unseren Familien kennen. Diese unterschwelligen Konflikte, die immer mal wieder hochkochen. Klar, bei uns geht es (hoffentlich) nicht gleich um Mord und Totschlag, aber der Ärger über den schief hängenden Bilderrahmen, das vergessene Geburtstagsgeschenk oder die blöde Bemerkung beim Familienfest… das kennt jeder.
Also, wenn ihr das nächste Mal mit eurer Familie unterwegs seid und euch der Kragen platzt, denkt an Sepp und Franz am Altwasser. Und vielleicht, nur vielleicht, könnt ihr euch dann ein Lächeln abringen und sagen: "Ok, es ist vielleicht nicht perfekt, aber immerhin morden wir uns nicht gleich." Und wenn doch, dann bitte nicht im Altwasser. Das ist schlecht für die Fische.
Fazit: "Brudermord im Altwasser" ist ein kleines Meisterwerk, das uns aufzeigt, dass selbst hinter der bayerischen Idylle Abgründe lauern können. Und dass man manchmal besser ein Bier mehr trinken sollte, bevor man anfängt, sich mit den Geschwistern zu streiten.
