Funny Games Haneke 1997

Also, Leute, stellt euch vor, ich sitze im Café, bestelle einen Latte Macchiato (mit extra Schaum, versteht sich!), und fange an, über Filme zu schwadronieren. Heute auf der Speisekarte: Funny Games, die 1997er Version von Michael Haneke. Ja, genau der Film, der selbst hartgesottene Horrorfans zum Weinen bringt!
Ich mein, wer braucht schon einen entspannten Filmabend mit Popcorn, wenn man sich stattdessen psychischen Terror in Reinkultur geben kann? Haneke, dieser Meisterregisseur des Unbehagens, dachte sich wohl: "Ach, lass uns doch mal zeigen, wie man Leute richtig quält. Und zwar ohne viel Blut, dafür aber mit umso mehr subtiler Boshaftigkeit."
Die Story? Naja, sagen wir mal so...
Also, eine gutsituierte Familie fährt in ihr Ferienhaus am See. Klischee, oder? Papa, Mama, Söhnchen – alles tutti. Dann klingeln zwei junge Männer, Paul und Peter, an der Tür. Und ab da geht alles den Bach runter. Ganz schnell. Die beiden Jungs, in ihren blütenweißen Tenniskleidern, benehmen sich zuerst nur seltsam. Aber hey, wer war nicht mal seltsam als Teenager? (Okay, vielleicht nicht so seltsam.)
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Was folgt, ist eine Eskalation der Gewalt, die so unglaublich realistisch und schonungslos dargestellt wird, dass man am liebsten den Fernseher ausschalten würde. Aber genau das will Haneke ja verhindern. Er will, dass wir zusehen. Dass wir uns unbehaglich fühlen. Mission erfüllt, würde ich sagen!
Die beiden Psychopathen foltern die Familie nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch. Sie spielen perfide Spiele, demütigen ihre Opfer und lassen sie an ihren eigenen Entscheidungen zweifeln. Und das Schlimmste: Sie brechen die vierte Wand! Ja, Peter zwinkert uns als Zuschauer zu! Als ob er sagen wollte: "Ihr seid doch auch nur Voyeure, oder?" Autsch! Das sitzt.

Warum ist der Film so verstörend?
Hier kommt der Clou: Funny Games zeigt uns keine spektakulären Gewaltszenen im eigentlichen Sinne. Vieles passiert außerhalb des Bildes. Wir hören Schüsse, Schreie… aber sehen selten das Ergebnis. Das macht den Film so effektiv. Unsere eigene Fantasie malt die grausamsten Bilder aus. Und das ist viel schlimmer, als wenn Haneke uns alles direkt vorsetzen würde.
Außerdem ist die Kälte und Berechnung der beiden Täter einfach nur beängstigend. Sie sind nicht einfach nur verrückt. Sie haben einen Plan. Sie genießen das Spiel. Und das macht sie so unberechenbar.
Ein witziger Fakt am Rande (naja, so witzig es bei diesem Film eben geht): Haneke hat Funny Games 2007 in den USA noch einmal neu gedreht – 1:1! Mit amerikanischen Schauspielern, aber ansonsten identisch. Warum? Weil er wollte, dass das amerikanische Publikum auch mal so richtig schön verstört wird! Ziemlich fies, oder?

Die Moral von der Geschicht?
Was will uns Haneke mit diesem Film eigentlich sagen? Das ist natürlich Interpretationssache. Aber viele sehen Funny Games als eine Kritik am Gewaltkonsum in den Medien. Wir sind es gewohnt, Gewalt im Fernsehen zu sehen, ohne darüber nachzudenken. Haneke zwingt uns, uns unserer eigenen Rolle als Zuschauer bewusst zu werden.
Er will uns aufrütteln. Er will uns zeigen, dass Gewalt nicht nur etwas ist, das auf der Leinwand passiert, sondern dass sie auch real ist und Konsequenzen hat. Und dass wir vielleicht alle ein bisschen schuldig sind, wenn wir uns an ihr ergötzen.

Und jetzt mal ehrlich: Nach dem Film habe ich erstmal eine Woche lang keine Thriller mehr angefasst. Stattdessen gab's Katzenvideos und Kochsendungen. Brauchte ich einfach! Funny Games ist kein Film, den man so einfach abschüttelt. Er bleibt im Kopf. Er quält einen. Aber vielleicht ist das ja auch genau das, was Haneke wollte.
Also, wenn ihr mal so richtig Lust auf einen Film habt, der euch den Schlaf raubt und euch über eure eigenen moralischen Grenzen nachdenken lässt… dann ist Funny Games genau das Richtige. Aber seid gewarnt: Danach braucht ihr wahrscheinlich erstmal ein paar Therapiesitzungen. Oder zumindest ganz viel Schokolade.
Und ich? Ich bestelle mir jetzt noch einen Latte Macchiato. Ohne Zucker. Und hoffe, dass heute niemand an meiner Tür klingelt, der Tenniskleidung trägt.
