Fischer Und Seine Frau Märchen

Erinnert ihr euch an diese eine Deutschstunde, in der alle gekritzelt haben, außer der, die akribisch an ihren Hausaufgaben gesessen hat? Und die Lehrerin hat irgendwas von einem Märchen erzählt, das so tiefgründig ist, dass man Jahre später noch drüber nachdenkt? Ja, genau das meine ich. Es ging um Fischer und seine Frau. Ich muss gestehen, ich war auch eher beim Kritzeln... aber das Märchen ist hängen geblieben.
Dieses Märchen, Leute, ist mehr als nur eine nette Geschichte über einen Fischer und seine quengelnde Frau. Es ist eine Allegorie, ein Spiegelbild der menschlichen Natur, unserer Gier und unserer Unzufriedenheit. Und glaubt mir, nach dem Lesen schaut man sich selbst ein bisschen anders an.
Die Geschichte – Kurzfassung für Kritzelkünstler
Also, ganz kurz: Fischer fängt einen Butt, der sich als verwunschener Prinz entpuppt und ihn freilässt. Als Dank bietet der Butt ihm einen Wunsch an. Seine Frau Ilsebill schickt ihn dann los, Wunsch um Wunsch, bis sie am Ende... naja, lest selbst, sonst verrate ich alles! Aber soviel sei gesagt: Es eskaliert.
Must Read
(Kleiner Tipp: Achtet mal darauf, wie Ilsebill ihre Wünsche formuliert. Das ist nämlich auch ziemlich aufschlussreich!)
Gier, Gier, Gier! Oder: Warum wir nie genug haben
Das zentrale Thema ist natürlich die Gier. Ilsebill ist nie zufrieden. Haus? König? Kaiser? Papst? Reicht ihr alles nicht. Und das ist, wo das Märchen so unangenehm ehrlich wird. Wer von uns hat nicht schon mal gedacht: "Wenn ich DAS hätte, dann wäre ich wirklich glücklich"?

Und dann hat man's... und was passiert? Richtig, man will was Neues! (Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr euch das neueste Smartphone gekauft habt und zwei Wochen später kommt schon das nächste, noch bessere Modell raus? Genau das!) Das Märchen ist daungslangem Vorwurf. Nur, dass der Fisch bei den iPhones wenigstens nicht wieder ins Meer zurückschwimmt.
Der arme Fischer – Ein Waschlappen?
Klar, Ilsebill ist die Böse. Aber was ist mit dem Fischer? Ist er nicht auch ein bisschen mitschuldig? Er lässt sich von seiner Frau rumschubsen, führt jeden ihrer Wünsche aus. Warum? Ist er wirklich so liebevoll und nachgiebig, oder einfach nur zu schwach, um "Nein" zu sagen?

(Denkt mal drüber nach: Wie oft tun wir Dinge, die wir eigentlich nicht wollen, nur um jemandem zu gefallen?)
Das Ende vom Lied – Und was lernen wir daraus?
Das Ende ist bekanntlich bitter. Am Ende sind Fischer und Frau wieder in ihrer alten, armseligen Fischerhütte. Und was lernen wir daraus? Dass Gier bestraft wird? Ja, schon. Aber vielleicht auch, dass Zufriedenheit eine Tugend ist. Und dass es wichtig ist, Grenzen zu setzen – sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber.

Vielleicht sollten wir alle mal einen Butt fangen und uns ganz genau überlegen, was wir uns wünschen. Und vor allem, ob wir es wirklich brauchen. (Oder ob wir einfach nur wieder dem neuesten iPhone hinterherjagen...)
Mehr als nur ein Märchen für Kinder
Fischer und seine Frau ist definitiv kein Märchen, das man seinen Kindern einfach so vorlesen sollte, ohne es zu besprechen. Es ist ein Stoff zum Nachdenken, Diskutieren und Reflektieren. Und vielleicht hilft es uns ja, ein bisschen zufriedener mit dem zu sein, was wir haben. Oder zumindest, nicht den Butt zu verärgern.
Also, beim nächsten Mal, wenn ihr das Gefühl habt, ihr braucht unbedingt das neueste irgendwas... denkt an Ilsebill und den Fischer. Und atmet tief durch.
