Film Miracle In Cell No 7

Hand aufs Herz: Wer hat bei Miracle in Cell No. 7 (dem türkischen Original, versteht sich!) nicht mindestens ein Tränchen vergossen? Wahrscheinlich niemand. Aber mal ehrlich... ist der Film wirklich sooooo gut, wie alle behaupten?
Das Taschentuch-Massaker
Klar, die Geschichte von Memo, dem geistig behinderten Vater, der unschuldig ins Gefängnis kommt, und seiner kleinen Tochter Ova ist herzzerreißend. Da bleibt kein Auge trocken. Aber wurde hier vielleicht ein bisschen zu dick aufgetragen? Die Musik, die Kameraeinstellungen, die Dialoge... alles ist darauf ausgelegt, uns zum Heulen zu bringen. Und ratet mal was? Es funktioniert! Aber ist das wirklich gute Filmemacherei, oder einfach nur effektive Tränendrüsen-Manipulation?
Ich behaupte ja, Letzteres. Ein bisschen wie bei diesen Clickbait-Artikeln im Internet, die mit süßen Tierbildern und herzergreifenden Geschichten Klicks generieren. Funktioniert jedes Mal, aber fühlt sich danach nicht auch ein bisschen... benutzt an?
Must Read
Die Unschuld vom Lande trifft auf Knast-Klischees
Die Charaktere sind auch so eine Sache. Memo ist der Inbegriff der Unschuld und Naivität. Ova ist das zuckersüße, kluge Kind, das alles für ihren Papa tun würde. Und die Knastbrüder? Tja, die sind anfangs natürlich furchteinflößend, aber haben alle ein weiches Herz. Na klar!
Die ganze Geschichte ist voll von Klischees. Der böse Gefängnisdirektor, der korrupte Polizist, die unschuldige Hauptfigur im falschen Moment am falschen Ort. Haben wir das nicht schon tausendmal gesehen? Und dann noch die Wandlung der Knastbrüder... Vom brutalen Schlägertypen zum liebevollen Ersatzvater. Ein bisschen unrealistisch, oder?

Ich weiß, ich weiß. Ich klinge wie ein gefühlskalter Zyniker. Aber ich kann nicht anders! Ich habe den Film gesehen und fand ihn berührend. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr stört mich die plumpe Art und Weise, wie hier auf die Tränendrüse gedrückt wird.
Unpopuläre Meinung incoming!
Und jetzt kommt meine unpopuläre Meinung: Ich fand die koreanische Version (Miracle in Cell No. 7 von 2013) besser! Ja, ich habe es gesagt! Das Original ist vielleicht emotionaler, aber die koreanische Version ist subtiler, witziger und hat meiner Meinung nach die besseren Schauspieler. Auch wenn es fast eine 1:1 Kopie ist.

Außerdem fand ich die emotionale Aufladung in der koreanischen Version etwas "realer". Es fühlte sich nicht so an, als würde man mir mit einem Vorschlaghammer die Traurigkeit einprügeln.
Vielleicht liegt es daran, dass ich einfach übersättigt bin von Filmen, die versuchen, mich mit aller Gewalt zum Weinen zu bringen. Ich will berührt werden, ja, aber bitte auf eine intelligente und subtile Art und Weise. Und nicht mit einer Keule.

Trotzdem sehenswert?
Aber hey, vielleicht bin ich auch einfach nur ein Herz aus Stein. Miracle in Cell No. 7 ist und bleibt ein Film, der viele Menschen bewegt. Und das ist ja auch etwas wert. Wenn ihr also Lust auf eine herzzerreißende Geschichte habt und ein paar Taschentücher im Anschlag habt, dann schaut ihn euch an. Aber seid gewarnt: Ihr werdet weinen!
Und wenn ihr ihn schon gesehen habt, dann schreibt mir doch mal: Wie fandet ihr den Film? Und bin ich wirklich der einzige Mensch auf der Welt, der ihn ein bisschen überbewertet findet?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen! Vielleicht kann ja jemand meinen zynischen Blickwinkel ändern. Oder vielleicht bestätigt ihr mich ja auch noch in meiner Meinung... man weiß es nicht!
Eine Sache ist aber sicher: Miracle in Cell No. 7 ist ein Film, über den man diskutieren kann. Und das ist doch auch schon mal was, oder?
