Stell dir vor, du stehst auf dem Marktplatz deiner Heimatstadt. Ein ganz normaler Dienstag. Die Sonne scheint, die Leute kaufen Brötchen, und dann… BUMM! Ein Nashorn rast vorbei!
Klingt verrückt? Absolut! Aber genau das passiert in Eugene Ionescos genial-absurdem Theaterstück "Die Nashörner" ("Rhinocéros" im Original). Nur, dass es nicht bei einem Nashorn bleibt. Es werden immer mehr. Und das ist der Punkt: Es ist ansteckend, sich in ein Nashorn zu verwandeln!
Was zum Teufel geht da vor?
Ionesco wirft uns mitten in diese surreale Situation. Die Charaktere sind herrlich normal, fast schon langweilig. Da ist Bérenger, der Antiheld schlechthin: ein Trinker, ein Zuspätkommer, ein Zweifler, kurz: einer von uns! Und da ist Jean, sein Freund, ein Streber, ein Besserwisser, der immer alles richtig machen will.
Und dann fangen die Leute an, sich zu verwandeln. Erst hören sie nur das Getrampel, dann sehen sie die Nashörner, und schließlich… POOF! Sind sie selbst welche. Krass, oder?
Das Ganze ist natürlich eine riesige Metapher. Ionesco will uns nicht wirklich erzählen, dass Menschen zu Nashörnern werden können (obwohl, wer weiß?). Es geht um etwas viel Tiefergehendes: Konformität. Der Gruppenzwang. Die Angst, anders zu sein.
Die Nashörner by Eugène Ionesco | Goodreads
Stell dir vor, alle deine Freunde tragen plötzlich lila Hosen. Alle! Und du stehst da in deinen Jeans und fühlst dich total fehl am Platz. Irgendwann denkst du: "Ach, was soll's!" Und kaufst dir auch lila Hosen. Genau das ist die Nashorn-Krankheit!
Die Ansteckung
Das Perfide an der Nashorn-Verwandlung ist, dass sie so schleichend kommt. Am Anfang sind es nur Kleinigkeiten. Ein bisschen mehr Mitläufertum, ein bisschen weniger eigene Meinung. Aber dann, schwupps!, bist du ein Teil der Herde. Du denkst wie alle anderen, du redest wie alle anderen, und du brüllst wie ein Nashorn! (Im übertragenen Sinne natürlich.)
Die Nashörner - Eugène Ionesco - knihobot.cz
Und das Schlimmste: Die Leute, die sich verwandeln, finden das auch noch super! Sie sind überzeugt, dass es das Richtige ist. Dass die Nashorn-Existenz die einzig wahre ist. Sie sind glücklich und zufrieden mit ihrem neuen Gebrüll.
"Man muss sich der Zeit anpassen!", heißt es dann. "Man darf nicht gegen den Strom schwimmen!" Bullshit! (Entschuldigung, aber das musste raus.)
Die Nashörner : Eugene Ionesco : Free Download, Borrow, and Streaming
Bérengers Kampf
Bérenger ist der Einzige, der sich weigert, sich zu verwandeln. Er hadert, er zweifelt, er fühlt sich einsam und unverstanden. Aber er bleibt Mensch. Er hält an seiner Individualität fest. Er ist der Held der Geschichte, auch wenn er sich nicht so fühlt.
Und genau das ist die Botschaft von Ionesco: Sei du selbst! Hinterfrage! Denk nach! Lass dich nicht von der Masse mitreißen! Auch wenn es schwerfällt. Auch wenn du dich allein fühlst. Sei ein Mensch, kein Nashorn!
Die Nashörner - Eugène Ionesco | S. Fischer Verlage
Klar, es ist verlockend, einfach mit dem Strom zu schwimmen. Es ist einfacher, sich anzupassen, als Widerstand zu leisten. Aber was bleibt dann von dir übrig? Wo ist dein Charakter? Wo ist deine Persönlichkeit?
Also, das nächste Mal, wenn du merkst, dass alle um dich herum plötzlich die gleichen lila Hosen tragen, denk an die Nashörner! Und überlege dir gut, ob du wirklich mitbrüllen willst. Oder ob du nicht lieber deine eigenen Jeans anbehältst.
Denn eins ist sicher: Die Welt braucht mehr Bérengers und weniger Nashörner!