Es Tut Mir Leid Für Die Umstände

Kennt ihr das? Man steht im Supermarkt an der Kasse, der Einkaufswagen voll mit dem Wochenbedarf an Nudeln und gefühlt einem halben Wald an Toilettenpapier. Endlich dran! Und dann… piept der Scanner nicht. Die Kassiererin probiert gefühlt 20 Mal, aber das verdammte Preisschild will einfach nicht gelesen werden. Sie seufzt tief, ruft ihren Kollegen und sagt, mit einem leicht gequälten Lächeln: "Es tut mir leid für die Umstände."
Dieser Satz, "Es tut mir leid für die Umstände", ist wie der kleine Bruder von "Entschuldigung", aber mit einer Extraportion Schulterzucken und dem unausgesprochenen Zusatz: "Ich kann da ja auch nix für!" Er ist allgegenwärtig, dieser Satz. Er lauert in Warteschleifen, an der Informationstheke und sogar in der Mailbox des freundlichen Handwerkers von nebenan.
Denkt mal drüber nach: Der DHL-Bote hat euer Paket beim Nachbarn abgegeben, obwohl ihr den ganzen Tag zu Hause wart und sehnsüchtig aus dem Fenster geschaut habt? "Es tut mir leid für die Umstände." Euer Lieblingscafé hat ausgerechnet heute keine Croissants mehr? "Es tut mir leid für die Umstände." Der Zug hat Verspätung, weil "unbefugte Personen im Gleisbereich" unterwegs waren (wer macht sowas bitte?!)? Ihr ahnt es schon: "Es tut mir leid für die Umstände."
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Manchmal frage ich mich, ob es eine geheime Akademie gibt, in der die perfekte Aussprache von "Es tut mir leid für die Umstände" gelehrt wird. Es ist nämlich nicht nur ein Satz, es ist ein ganzes Lebensgefühl. Es ist die Kunst, sich zu entschuldigen, ohne sich wirklich schuldig zu fühlen. Es ist die charmante Art zu sagen: "Ich hab's vermasselt, aber hey, was soll ich machen?"
Die verschiedenen Arten des "Es tut mir leid"
Es gibt natürlich verschiedene Abstufungen. Das aufrichtige "Es tut mir leid für die Umstände" hört man, wenn der Kellner versehentlich Rotwein über die weiße Bluse der Tante Gertrud gekippt hat. Da ist das schlechte Gewissen spürbar. Das routinierte "Es tut mir leid für die Umstände" ist eher die Standardantwort der Bahnangestellten, die gefühlt jeden Tag mit Zugverspätungen zu kämpfen hat. Und dann gibt es noch das leicht genervte "Es tut mir leid für die Umstände", wenn man zum fünften Mal fragt, ob das Essen denn bald kommt.

Ich persönlich versuche, das "Es tut mir leid für die Umstände" mit einem kleinen Augenzwinkern zu versehen. So nach dem Motto: "Ja, blöd gelaufen, aber wir machen das Beste draus!" Denn mal ehrlich, das Leben ist viel zu kurz, um sich über verpasste Croissants oder DHL-Boten aufzuregen.
Neulich wollte ich in einem Online-Shop etwas bestellen, und die Webseite war komplett im Wartungsmodus. Auf dem Bildschirm prangte in riesigen Buchstaben: "Es tut uns leid für die Umstände, wir sind bald wieder für Sie da!" Ich musste lachen. Sogar die Webseite entschuldigt sich schon für Unannehmlichkeiten! Wir leben wirklich in einer Welt des permanenten "Es tut mir leid".

Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht so schlecht. Vielleicht ist dieser kleine Satz, diese kleine Entschuldigung, ein Zeichen dafür, dass wir uns gegenseitig nicht alles krumm nehmen. Dass wir Fehler verzeihen und weitermachen. Dass wir eben einfach sagen: "Es tut mir leid für die Umstände" und dann gemeinsam lachen. Oder zumindest versuchen, nicht zu weinen, wenn der Zug schon wieder Verspätung hat.
Also, das nächste Mal, wenn euch jemand mit diesem Satz begegnet, denkt daran: Er ist wie ein kleiner, unbeholfener Friedensvertrag. Ein Zeichen dafür, dass wir alle nur Menschen sind und manchmal eben einfach Mist bauen. Und dass wir trotzdem versuchen, das Beste draus zu machen. Es tut uns ja auch leid für die Umstände, gell?
