Es Regnet Es Regnet Die Erde Wird Nass Ddr

Kennt ihr das? Dieses Gefühl, wenn der Himmel sich öffnet und die Welt plötzlich aussieht wie eine schlecht gezeichnete Aquarellmalerei? Ja, ich rede von Regen. Aber nicht irgendeinem Regen. Ich rede von DEM Regen. Dem "Es regnet, es regnet, die Erde wird nass" Regen. Der Regen, der uns Ostkindern eingeimpft wurde, bevor wir überhaupt "A" sagen konnten.
Dieser Reim ist mehr als nur ein Kinderlied. Er ist ein kollektives Gedächtnis, eine Art ostdeutscher Wettervorhersage. Brauchst du keinen Wetterbericht? Hör einfach, was die Kinder singen! Wenn sie "Es regnet, es regnet..." anstimmen, dann kannst du dir sicher sein: Vergiss den Regenschirm nicht, sonst siehst du aus wie ein begossener Pudel – nur nasser.
Erinnerungen an nasse Füße und knatschige Mütter
Ich erinnere mich noch gut an die Tage, an denen dieser Reim mein Soundtrack war. Manchmal war es ein sanftes Tröpfeln, ein leises Flüstern gegen die Fensterscheibe. Aber meistens war es ein ausgewachsener Platzregen, ein Trommelfeuer auf den grauen Betonplatten der Plattenbauten. Unvermeidlich endete jeder dieser Regentage mit nassen Füßen und einer knatschigen Mutter, die mich mit einem Handtuch traktierte und mahnte: "Warum läufst du auch in JEDE Pfütze?!"
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Als Kind war das natürlich ein Rätsel. Warum sollte man NICHT in Pfützen springen? Sie waren doch so verlockend! Sie glitzerten so schön! Sie boten eine willkommene Abwechslung zur grauen Tristesse des Alltags! Heute, mit etwas mehr Lebenserfahrung (und weniger nassen Füßen), verstehe ich die mütterliche Sorge. Aber ein bisschen Wehmut bleibt trotzdem. Irgendwie war das Pfützenhüpfen ein Akt des kleinen Widerstands gegen die Perfektion, die man uns damals abverlangte.
DDR-Regen: Mehr als nur Wasser von oben
Aber "Es regnet, es regnet, die Erde wird nass" war mehr als nur ein Regenlied. Es war ein Teil unserer Kindheit in der DDR. Es war ein Lied über Beständigkeit, über die Gewissheit, dass nach dem Regen auch wieder die Sonne scheinen würde. (Auch wenn das manchmal gefühlt Ewigkeiten dauerte.)

Denkt mal drüber nach: In einer Zeit, in der vieles knapp war, war der Regen immer da. Verlässlich, kostenlos und in Hülle und Fülle. Manchmal kam er ungelegen, klar. Aber er gehörte dazu. Wie die Warteschlangen vor dem HO, die karierten Einkaufsnetze und die unvermeidliche Stulle mit Wurst zum Abendbrot.
Vielleicht ist es das, was diesen Reim so besonders macht. Er erinnert uns an eine Zeit, die zwar nicht immer einfach war, aber doch irgendwie… echt. Eine Zeit, in der man sich über die kleinen Dinge freute, wie zum Beispiel einen Regenbogen nach einem besonders heftigen Schauer.

Ein Lied für die Ewigkeit (und gegen den Durst)
Und mal ehrlich, wer von uns hat diesen Reim nicht schon mal im Geheimen vor sich hergesummt, als er im Stau stand und der Himmel seine Schleusen öffnete? Oder wenn man sich fragt, ob man den Rasen nun wirklich sprengen muss, oder ob Mutter Natur das nicht von alleine regelt?
„Es regnet, es regnet, die Erde wird nass“ ist ein kleines, unscheinbares Lied, das eine große Bedeutung hat. Es ist ein Lied über Regen, ja. Aber es ist auch ein Lied über Kindheit, Erinnerung und ein bisschen ostdeutsche Nostalgie. Und wer weiß, vielleicht hilft es ja sogar, den Durst der Erde zu stillen. Hauptsache, meine Füße bleiben trocken.
Also, das nächste Mal, wenn es regnet: Lächelt. Denkt an eure Kindheit zurück. Und singt vielleicht sogar ein bisschen "Es regnet, es regnet..." – aber bitte nicht zu laut, sonst denken die Nachbarn, ihr habt den Verstand verloren. Und nehmt einen Regenschirm mit. Sicherheit geht vor, auch bei ostdeutscher Nostalgie.
