Einem Geschenkten Gaul Schaut Man Nicht Ins Maul Englisch

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als mein Onkel Herbert mir seinen alten Golf schenkte. Ein Geschenk! Ich war 18, Führerschein frisch in der Tasche, und meine Mobilität beschränkte sich bis dahin auf das Mofa meiner Oma. Der Golf sah... nun ja, sagen wir mal "interessant" aus. Rostblasen wie kleine Vulkane, ein Auspuff, der mehr Lärm als Vortrieb produzierte, und ein Geruch im Innenraum, der eine Mischung aus feuchtem Hund und altem Aschenbecher vermuten ließ. Ich hätte eigentlich jubeln sollen, oder? Ein Auto! Endlich! Aber innerlich nagte da etwas. War es wirklich ein Geschenk, oder eher die Entsorgung eines Problems auf meine Kosten? (Kennt ihr das Gefühl, wenn man sich freuen sollte, aber irgendwie nicht kann?)
Ich grinste also breit, bedankte mich überschwänglich und fuhr mit dem Golf nach Hause. Schon auf der kurzen Strecke merkte ich, dass "fahren" eine sehr optimistische Beschreibung war. Eher ein Holpern und Quietschen in Richtung Ziel. Und da dämmerte es mir: "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul." Das Sprichwort. Aber was bedeutet das eigentlich wirklich? Und ist es immer richtig?
"Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul" – auf Englisch sagt man "Don't look a gift horse in the mouth." Direkt übersetzt heißt es ja, man soll nicht die Zähne eines geschenkten Pferdes begutachten. Früher war das Alter und die Gesundheit eines Pferdes (und damit sein Wert) anhand seiner Zähne erkennbar. Wenn man ein Pferd geschenkt bekommt, soll man also nicht kleinlich sein und nach Fehlern suchen, sondern sich über das Geschenk freuen. Punkt.
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Aber ist das wirklich so einfach? Ich meine, klar, Undank ist der Welten Lohn. Aber was, wenn das "Geschenk" in Wirklichkeit eine Belastung ist? Was, wenn die Reparaturkosten den Wert des Golfs um ein Vielfaches übersteigen würden? (Ja, ihr ahnt es, so kam es dann auch...). Oder, übertragen auf andere Situationen: Was, wenn dir jemand einen Job vermittelt, der total unterbezahlt ist und deine Fähigkeiten unterfordert? Oder eine "Freundin" schenkt dir einen unpassenden Pullover, den du garantiert nie tragen wirst? Soll man dann wirklich schweigen und lächeln?
Die Krux ist die Intention. Wenn jemand wirklich von Herzen etwas schenkt und sich Mühe gegeben hat, dann sollte man dankbar sein und nicht nach Fehlern suchen. Das ist einfach Anstand. Aber wenn das "Geschenk" eher ein Abladen von Verantwortung oder ein Versuch ist, sich Vorteile zu verschaffen, dann ist es vielleicht erlaubt, etwas genauer hinzuschauen. (Ich sage nicht, dass man unhöflich sein soll, aber ein gesundes Maß an Skepsis ist nie verkehrt, oder?)

Das Sprichwort ist also nicht in Stein gemeißelt. Es ist eher eine Richtlinie. Eine Erinnerung daran, dankbar zu sein und nicht zu kleinlich. Aber es ist auch wichtig, sich selbst zu schützen und nicht alles kritiklos anzunehmen. Es geht darum, die Balance zu finden zwischen Dankbarkeit und Selbstachtung.
Also, was habe ich mit Onkel Herberts Golf gemacht? Nun, ich habe ihn reparieren lassen. Viel zu teuer, natürlich. Aber ich habe ihn ein paar Monate gefahren, und er hat mir meine erste, wenn auch holprige, Freiheit ermöglicht. Und ja, ich war dankbar. Trotzdem habe ich Onkel Herbert beim nächsten Familienfest dezent auf die "kleinen Mängel" hingewiesen. Mit einem Augenzwinkern, versteht sich. (Denn ein bisschen Ironie muss sein, oder? 😉)

Was lernen wir daraus? Sei dankbar für Geschenke, aber behalte deinen gesunden Menschenverstand. Und vielleicht, nur vielleicht, solltest du Onkel Herbert das nächste Mal einen Gutschein für einen Gebrauchtwagenhändler schenken. Als "Dankeschön" für den Golf. 😉
Denn, ganz ehrlich, manchmal muss man einem geschenkten Gaul doch ins Maul schauen. Zumindest kurz. Um sicherzugehen, dass er nicht beißt. 😉
