Ein Tag Deutsch In Der Pflege

Guten Morgen! Oder, wie wir in der Pflege sagen: "Ach du lieber Himmel, schon wieder Montag!"
Der Wecker klingelt. 5:30 Uhr. Die innere Schweinehund hat heute Großkampftag. Ich stehe auf, tappe ins Bad. Duschen. Anziehen. Kaffee. Viel Kaffee. Und dann? Ab in die Pflege!
Ankunft im Dienstzimmer. Begrüßung von Kolleginnen und Kollegen. "Na, gut geschlafen?" Meistens eine rhetorische Frage. Die Antwort kennen wir alle: Nein!
Must Read
Die Übergabe. Ein wahrer Sprachkurs für Fortgeschrittene. Frau Müller hat Blähungen, Herr Schmidt ist inkontinent, und Frau Lehmann will unbedingt mit ihrem Papagei telefonieren. (Ja, richtig gelesen. Papagei.)
Frühstückszeit! "Guten Appetit!" ruft man fröhlich. Innerlich denkt man: Hoffentlich fällt keiner vom Stuhl, bevor ich meinen Kaffee austrinken konnte.
Hilfe bei der Körperpflege. Waschen, anziehen, Zähne putzen. Es ist ein bisschen wie eine riesige Puppenstube für Erwachsene. Nur, dass die Puppen manchmal meckern.
Medikamente verteilen. Eine Wissenschaft für sich. Wer kriegt was, wann und warum? Und vor allem: Haben die Patienten die Tabletten auch wirklich geschluckt, oder sind sie unter der Zunge verschwunden?

Dann die Visite. Der Arzt kommt. Alles rennt! Schnell noch die Betten frisch machen, die Nachttische aufräumen und ein freundliches Gesicht aufsetzen.
Mittagessen. Die ewige Frage: Schmeckt es? Die Antwort: Meistens nicht. Aber Hauptsache, alle haben was im Bauch.
Nach dem Essen? Die Ruhe vor dem Sturm. Zeit für eine kurze Pause. Ein schneller Kaffee, ein Stück Kuchen und ein bisschen Lästerei über den Chef. Tut gut!
Nachmittags...
Besuchszeit! Die Angehörigen kommen. Manchmal bringen sie Blumen und Schokolade mit. Manchmal aber auch Sorgen und Kritik. "Warum liegt Mama nicht im neuen Kleid?" oder "Papa hat doch gar keinen Appetit!". Geduld ist gefragt.

Kaffeezeit! Wieder Kaffee. Und noch ein Stück Kuchen. Der Blutzuckerspiegel bedankt sich.
Dokumentation. Das Lieblingswort eines jeden Pflegers. Alles muss aufgeschrieben werden. Jeder Handgriff, jede Beobachtung, jedes Gespräch. Hauptsache, alles ist wasserdicht, falls mal jemand fragt.
Abendessen. Das gleiche Spiel wie beim Mittagessen. Nur mit anderem Essen. Und anderen Beschwerden.
Vorbereitung für die Nacht. Waschen, betten, Medikamente richten. Hoffentlich wird es eine ruhige Nacht.

Übergabe. Die nächste Schicht übernimmt. Wieder ein Sprachkurs für Fortgeschrittene. Aber diesmal mit anderen Patienten und anderen Problemen.
Feierabend! Endlich! Geschafft!
Auf dem Heimweg denke ich: Morgen wieder.
Aber wisst ihr was? Trotz allem liebe ich meinen Job. Die Dankbarkeit der Patienten, die kleinen Erfolge, das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Das ist es, was zählt.

Und jetzt kommt meine "unpopuläre Meinung": Ein bisschen schwarzer Humor hilft, den Pflegealltag zu überstehen. Ja, wir lachen auch mal über skurrile Situationen. Nicht, weil wir uns lustig machen wollen, sondern weil wir sonst verrückt werden würden.
Also, wenn ihr das nächste Mal einen Pfleger oder eine Pflegerin seht, schenkt ihnen ein Lächeln. Sie haben es verdient.
Und jetzt gehe ich schlafen. Morgen früh klingelt der Wecker wieder. 5:30 Uhr. Seufz.
Gute Nacht!
Ach ja, fast vergessen: Hat eigentlich jemand Frau Lehmanns Papagei gefunden?
