Diktat Mit Nominalisierten Verben Und Adjektiven

Ich saß neulich in einer Besprechung. Es ging, wie so oft, um Effizienzsteigerung. Und was kam dabei raus? Ein Monster von einem Satz, der klang wie ein schlecht geölter Roboter: "Die Optimierung der Prozessabläufe erfolgt unter Berücksichtigung der individuellen Leistungserbringung der Mitarbeiter." Ich schwöre, ich habe kurz überlegt, einen Fluchtplan zu entwickeln.
Kennt ihr das? Manchmal hat man das Gefühl, Deutsch wird absichtlich kompliziert gemacht. Und oft steckt dahinter ein Phänomen, das ich hier mal ganz salopp "Diktat mit nominalisierten Verben und Adjektiven" nennen möchte. Keine Sorge, klingt schlimmer als es ist. (Oder auch nicht? 😉)
Was heißt das konkret? Stell dir vor, du hast ein ganz normales Verb, wie zum Beispiel "handeln". Stattdessen sagst du aber "die Handlung". Oder "verantwortlich" wird zu "die Verantwortlichkeit". Und plötzlich klingt alles viel bürokratischer und distanzierter.
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Warum machen wir das überhaupt?
Gute Frage! Es gibt verschiedene Gründe. Einer davon ist der Wunsch nach Objektivität. Sätze wie "Wir optimieren" klingen subjektiver als "Die Optimierung erfolgt". Es wirkt, als ob es einfach eine Tatsache ist, die gar nicht zur Debatte steht.
Außerdem kann Nominalisierung Texte kompakter machen – zumindest vermeintlich. Statt "weil wir etwas verantworten müssen" heißt es dann "aufgrund unserer Verantwortlichkeit". Das spart Wörter, ja, aber macht es das verständlicher? Eher nicht, oder? (Seid ehrlich!)

Und dann ist da noch der Prestige-Faktor. Manche Leute glauben, dass komplizierte Sätze intelligenter klingen. Als ob man mit Fachjargon und Nominalstil beeindrucken könnte. Aber in Wirklichkeit verwirrt man meist nur die Zuhörer.
Die Folgen des Nominalstil-Diktats
Was passiert, wenn wir ständig so reden und schreiben? Eine ganze Menge! Zunächst einmal werden unsere Texte schwer verständlich. Leser und Zuhörer müssen sich durch einen Dschungel von Substantiven kämpfen, um überhaupt zu verstehen, was gemeint ist. Und wer hat schon Zeit dafür?

Außerdem wirkt die Sprache distanziert und unpersönlich. Wer will schon von "Optimierungsmaßnahmen" betroffen sein? Da klingt "Wir wollen etwas verbessern" doch viel freundlicher und menschlicher.
Und ganz ehrlich: Es macht unsere Sprache auch einfach langweilig. Wer will schon einen Text lesen, der nur aus Substantiven und Passivkonstruktionen besteht? Da schläft man ja fast ein!
Was können wir dagegen tun?

Ganz einfach: Wir müssen uns bewusst machen, wann wir Nominalstil verwenden. Und dann versuchen, ihn zu vermeiden. Statt "die Durchführung der Veranstaltung" sagen wir "wir führen die Veranstaltung durch". Statt "die Verbesserung der Kommunikation" sagen wir "wir kommunizieren besser".
Achtet auf Verben! Verben bringen Schwung in den Text. Und machen ihn lebendiger. (Und wer will keine lebendigen Texte?)
Schreibt aktiv! Vermeidet Passivkonstruktionen. Statt "Die Entscheidung wurde getroffen" sagt "Wir haben entschieden".

Und ganz wichtig: Denkt an eure Leser! Was wollen sie? Was brauchen sie? Wie können wir ihnen Informationen so verständlich wie möglich vermitteln? Das ist doch das Wichtigste, oder?
Ich weiß, es ist nicht immer einfach, sich von liebgewonnenen Gewohnheiten zu trennen. Aber es lohnt sich. Denn eine klare und verständliche Sprache macht das Leben leichter – für alle. Und wer weiß, vielleicht werden Besprechungen dann sogar ein bisschen weniger... sagen wir mal... herausfordernd. 😉
Also, lasst uns gemeinsam gegen das "Diktat mit nominalisierten Verben und Adjektiven" kämpfen! Für eine Sprache, die Spaß macht, die verständlich ist und die uns alle verbindet.
