Werther, der Influencer von 1774: Mehr als nur Liebeskummer
Okay, mal ehrlich, wer hat nicht schon mal einen Roman gelesen, der einen so richtig runtergezogen hat? Einen, bei dem man am Ende denkt: "Puh, das war jetzt aber heavy!"? Bei GoethesDie Leiden des jungen Werther ist das definitiv der Fall. Aber bevor ihr jetzt denkt: "Oh nein, nicht schon wieder ein Klassiker, der im Deutschunterricht verstaubt", lasst mich euch versichern: Werther ist cooler, als ihr denkt. Und tragischerweise auch witziger.
Stellt euch Werther vor: Ein junger, sensibler Typ, der in die beschauliche Provinz flieht, um sich selbst zu finden. Klingt doch erstmal nach einem spirituellen Retreat, oder? Yoga, grüne Smoothies, Selbstfindung… Falsch! Werther findet vor allem: Charlotte. Und damit beginnt das ganze Dilemma.
Charlotte ist verlobt, und zwar mit Albert, einem vernünftigen, bodenständigen Mann. Werther weiß das, aber das hält ihn nicht davon ab, sich unsterblich in sie zu verlieben. Klingt dramatisch? Absolut. Aber auch ein bisschen… dämlich? Ja, auch das. Man möchte Werther am liebsten schütteln und sagen: "Junge, such dir doch eine andere!"
Aber genau das macht Werther so relatable. Wer hat sich nicht schon mal in jemanden verguckt, der unerreichbar war? In den süßen Barista, die vergebene Kollegin, den Star auf der Bühne? Werther übertreibt es vielleicht ein bisschen (oder auch viel), aber im Grunde genommen kennen wir alle dieses Gefühl der ungestillten Sehnsucht.
Und dann ist da noch Werthers Hang zur Dramatik. Er sieht in allem ein Zeichen, eine Metapher, eine tiefe Bedeutung. Ein Sonnenuntergang? Ein Spiegelbild seiner unendlichen Traurigkeit! Ein vorbeifliegender Vogel? Ein Symbol seiner verlorenen Freiheit! Manchmal möchte man ihm zurufen: "Entspann dich mal, Werther! Ist doch nur ein Vogel!"
Cizí jazyky | Die Leiden des jungen Werther + CD B1-B2 | Libri Latini
Aber genau diese übertriebene Sensibilität macht Werther auch so unterhaltsam. Er ist quasi der erste Emo der Literaturgeschichte. Und sein Leiden ist so intensiv und ehrlich, dass es einen trotz allem berührt. Man lacht über ihn, aber man fühlt auch mit ihm.
„Ich bin verloren, mein Albert! Charlotte ist mir heilig. Ich möchte mein Leben für sie hingeben! Alle meine Wünsche, alle meine Bedürfnisse sind in ihr erloschen! Ich sehe nichts, ich weiß nichts, ich habe nichts als sie!“
Die Leiden des jungen Werther (Johann Wolfgang von Goethe
Natürlich ist Werthers Ende kein Zuckerschlecken. Spoiler-Alarm: Er nimmt sich das Leben. Aber selbst in seinem Tod bleibt er ein tragischer Held. Er ist das Sinnbild des unglücklichen Liebhabers, der an seinen eigenen Gefühlen zugrunde geht. Und das ist, so traurig es ist, auch irgendwie romantisch.
Also, warum sollte man Die Leiden des jungen Werther lesen? Weil es ein Buch ist, das uns zeigt, dass Gefühle manchmal irrational und überwältigend sein können. Weil es uns daran erinnert, dass wir alle mal jung und dumm waren (oder immer noch sind). Und weil es uns zum Lachen und zum Weinen bringt – manchmal sogar gleichzeitig.
Die Leiden des jungen Werthers eBook : von Goethe, Johann Wolfgang
Vergesst also den verstaubten Deutschunterricht und lest Werther mit einem Augenzwinkern. Vielleicht findet ihr ja in seinem Leiden auch ein bisschen von euch selbst wieder. Und wer weiß, vielleicht inspiriert euch Werther ja sogar dazu, eure eigenen Gefühle ein bisschen weniger ernst zu nehmen.
Und hey, falls ihr euch mal so richtig schlecht fühlt, könnt ihr euch immer noch sagen: "Immerhin bin ich nicht so schlimm dran wie Werther." Das ist doch auch was wert, oder?
Und zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Lest Werther mit einer Packung Taschentücher und einer großen Tasse Tee. Denn auch wenn er zum Lachen anregt, ein paar Tränen werden vermutlich auch fließen. Aber das ist okay. Das gehört zum Werther-Erlebnis dazu.