Die Ampel Zeigt Grün Sie Wollen Rechts Abbiegen

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie an einer Kreuzung stehen, die Ampel auf Grün schaltet und Sie rechts abbiegen wollen? Eigentlich ein ganz normaler Vorgang im Straßenverkehr, sollte man meinen. Doch was, wenn plötzlich ein Fahrradfahrer im toten Winkel auftaucht? Oder ein Fußgänger die Straße überquert, der durch eine ungünstige Sonneneinstrahlung schwer zu erkennen war? Die Situation kann schnell gefährlich werden.
Rechtsabbiegen bei Grün – es klingt so einfach, ist aber eine der häufigsten Ursachen für Unfälle im Straßenverkehr. Warum ist das so und was können wir tun, um diese Unfälle zu vermeiden?
Die Tücken des Rechtsabbiegens
Das Problem beginnt oft mit der Komplexität der Situation. Als Autofahrer sind wir gleichzeitig mit mehreren Aufgaben beschäftigt: Wir beobachten den fließenden Verkehr, achten auf Fußgänger und Radfahrer, überprüfen die Spiegel und planen unseren Abbiegevorgang. Diese Informationsflut kann dazu führen, dass wir wichtige Details übersehen.
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Ein weiterer Faktor ist der sogenannte "tote Winkel". Gerade Radfahrer, die sich neben oder leicht hinter dem Fahrzeug befinden, können leicht übersehen werden. Moderne Autos verfügen zwar über Assistenzsysteme, die vor Radfahrern im toten Winkel warnen, aber diese sind nicht immer zuverlässig und ersetzen nicht die Aufmerksamkeit des Fahrers.
Auch die Erwartungshaltung spielt eine Rolle. Viele Autofahrer gehen davon aus, dass Fußgänger und Radfahrer warten, bis sie abgebogen sind. Diese Annahme kann jedoch trügerisch sein, insbesondere wenn die Verkehrslage unübersichtlich ist oder die Ampelschaltung missverständlich ist. Oftmals verhalten sich Fußgänger und Radfahrer regelkonform, werden aber dennoch übersehen, weil der Fahrer von einem anderen Szenario ausgegangen ist.

Zusätzlich kann die Sichtbarkeit eine Herausforderung darstellen. Bei schlechtem Wetter, Dämmerung oder ungünstiger Sonneneinstrahlung sind Fußgänger und Radfahrer schwerer zu erkennen. Auch parkende Autos oder andere Hindernisse können die Sicht behindern.
Was sagt die Straßenverkehrsordnung (StVO)?
Die StVO ist in Bezug auf das Rechtsabbiegen eindeutig. § 9 Abs. 3 StVO besagt: "Wer abbiegen will, muss sich rechtzeitig einordnen und dabei auf den nachfolgenden Verkehr achten. Wer nach rechts abbiegen will, hat sein Fahrzeug möglichst weit rechts einzuordnen."

Weiter heißt es: "Wer abbiegen will, muss sich ferner so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Insbesondere muss er auf Fußgänger und Radfahrer achten, die die Fahrbahn überqueren wollen oder die auf oder neben der Fahrbahn fahren."
Kurz gesagt: Beim Rechtsabbiegen hat der abbiegende Verkehrsteilnehmer eine besondere Sorgfaltspflicht. Er muss sicherstellen, dass keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet werden.
Tipps für sicheres Rechtsabbiegen
Um Unfälle beim Rechtsabbiegen zu vermeiden, können Sie folgende Tipps beachten:

- Blinken Sie rechtzeitig: Zeigen Sie Ihre Absicht, abzubiegen, frühzeitig an.
- Verringern Sie die Geschwindigkeit: Fahren Sie langsam und bremsbereit auf die Kreuzung zu.
- Schauen Sie gründlich: Überprüfen Sie mehrmals den toten Winkel und achten Sie auf Fußgänger und Radfahrer.
- Achten Sie auf Ampeln und Beschilderung: Beachten Sie die Ampelsignale und eventuelle Zusatzzeichen (z.B. "Radfahrer kreuzen").
- Seien Sie besonders vorsichtig bei schlechten Sichtverhältnissen: Reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit und seien Sie noch aufmerksamer.
- Nutzen Sie Assistenzsysteme: Wenn Ihr Fahrzeug über Assistenzsysteme wie einen Totwinkel-Assistenten verfügt, nutzen Sie diese. Verlassen Sie sich aber nicht ausschließlich darauf.
- Geben Sie notfalls den Vortritt: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob die Situation sicher ist, geben Sie Fußgängern und Radfahrern den Vortritt.
Denken Sie daran: Lieber einmal zu viel gebremst als einen Unfall verursacht! Die paar Sekunden, die Sie eventuell verlieren, sind es wert, wenn Sie dadurch einen Zusammenstoß vermeiden.
Die Rolle der Infrastruktur
Auch die Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur kann einen Beitrag zur Sicherheit beim Rechtsabbiegen leisten. Gut sichtbare Radwege, getrennte Ampelphasen für Fußgänger und Radfahrer sowie eine klare Beschilderung können dazu beitragen, die Verkehrssituation übersichtlicher zu gestalten und das Risiko von Unfällen zu verringern.

In vielen Städten werden mittlerweile sogenannte "geschützte Radfahrstreifen" eingerichtet, die durch bauliche Maßnahmen vom Fahrbahnverkehr getrennt sind. Diese bieten Radfahrern einen erhöhten Schutz und reduzieren das Risiko von Kollisionen beim Rechtsabbiegen.
Auch die Installation von "Grünpfeil-Schildern" für Radfahrer kann die Sicherheit erhöhen, indem sie Radfahrern das Abbiegen auch bei Rot erlaubt, sofern keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert werden.
Fazit
Rechtsabbiegen bei Grün mag einfach erscheinen, erfordert aber höchste Aufmerksamkeit und Vorsicht. Die komplexe Verkehrssituation, tote Winkel und ungünstige Sichtverhältnisse können schnell zu gefährlichen Situationen führen. Indem wir uns der Risiken bewusst sind, die StVO beachten und unsere Fahrweise anpassen, können wir dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Investieren Sie in Ihre und die Sicherheit anderer! Eine kurze, achtsame Pause vor dem Abbiegen kann Leben retten.
