Der Existentialismus Ist Ein Humanismus

Okay, Leute, stellt euch vor: Ich sitze im Café, bestelle einen doppelten Espresso (weil, ihr wisst schon, Existenzkrise) und fange an, über Sartre zu schwafeln. Und dann fragt mich irgendwer: „Was zum Teufel ist eigentlich ‚Der Existentialismus ist ein Humanismus‘? Klingt wie ein Titel für einen besonders deprimierenden Superheldenfilm."
Gute Frage! Im Grunde ist es Sartres Versuch, den Existentialismus zu entstauben und ihn von dem Ruf zu befreien, ein Philosophie für gelangweilte Teenager in schwarzen Rollkragenpullovern zu sein. Also, klar, es ist auch ein bisschen Philosophie für gelangweilte Teenager in schwarzen Rollkragenpullovern. Aber es ist mehr als das!
Sartre hat diese Rede (die später zum Essay wurde) gehalten, nachdem der Existentialismus von allen Seiten kritisiert wurde. Die Kommunisten sagten, es sei eine bürgerliche Dekadenz. Die Katholiken sagten, es sei gottlos. Und Sartre dachte sich: „Moment mal! Ich bin doch gar kein Bösewicht! Ich will doch nur… dass die Leute Verantwortung für ihr Leben übernehmen!" (Und vielleicht ein bisschen berühmt werden, aber das ist ein anderes Thema.)
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Was bedeutet das überhaupt: Existentialismus?
Kurz gesagt: Existenz geht Essenz voraus. Klingt fancy, oder? Was das bedeutet: Wir werden erst geboren (wir existieren), und dann definieren wir uns selbst durch unsere Entscheidungen (wir kreieren unsere Essenz). Wir sind nicht von Natur aus gut oder böse oder Bäcker oder Astrophysiker. Wir werden das durch das, was wir tun.
Stellt euch vor, ihr seid ein unbeschriebenes Blatt. Ein leeres Word-Dokument. Was ihr reinschreibt, entscheidet ihr. Ihr könntet ein Liebesgedicht schreiben, einen Thriller, oder einfach nur „Ich mag Pizza“ tausend Mal wiederholen. Die Wahl liegt bei euch!

Das ist befreiend, aber auch verdammt beängstigend. Denn es gibt keine vorgefertigten Antworten, keine Gebrauchsanweisung für das Leben. Keine magische Fee, die einem sagt, was man tun soll. Nur wir selbst. Und das bedeutet: Wir sind vollkommen verantwortlich für alles, was wir tun und sind.
Humanismus: Die positive Kehrseite der Medaille
Jetzt kommt der Humanismus ins Spiel. Sartre argumentiert, dass diese radikale Freiheit uns eben nicht zu egoistischen, nihilistischen Monstern macht. Im Gegenteil! Wenn wir uns entscheiden, handeln wir immer auch für die ganze Menschheit. Autsch, großer Druck!
Das klingt erstmal total absurd. Wie soll meine Entscheidung, ob ich heute einen Latte Macchiato oder einen Cappuccino trinke, die Menschheit beeinflussen? Nun, Sartre würde sagen: Wenn du dich entscheidest, einen Latte Macchiato zu trinken, bestätigst du damit implizit, dass es okay ist, Latte Macchiatos zu trinken. Du stellst ein Beispiel auf. (Okay, vielleicht nicht das beste Beispiel, aber ihr versteht, was ich meine.)

Das ist der Punkt: Jede unserer Entscheidungen hat eine universelle Dimension. Wir schaffen Werte. Wir definieren, was wir für richtig und wichtig halten. Und damit beeinflussen wir, wie andere Leute die Welt sehen und wie sie handeln.
Sartre sagt nicht, dass wir alle Heilige sein müssen. Er sagt nur, dass wir uns bewusst sein müssen, dass unsere Entscheidungen Konsequenzen haben. Und dass wir diese Konsequenzen ernst nehmen sollten. (Außer, natürlich, die Konsequenz ist, dass wir einen doppelten Espresso brauchen.)

Also, was ist jetzt die Moral von der Geschichte?
Der Existentialismus (in Sartres Version) ist kein Aufruf zur Verzweiflung, sondern ein Aufruf zur Verantwortung. Er ist eine Einladung, unser Leben aktiv zu gestalten und unsere Werte bewusst zu wählen. Er ist ein bisschen wie ein DIY-Bausatz für die Seele. Manchmal frustrierend, manchmal überwältigend, aber am Ende unseres.
Und deshalb ist er auch ein Humanismus. Weil er uns in den Mittelpunkt stellt. Weil er uns die Macht gibt, die Welt zu verändern. Weil er uns daran erinnert, dass wir alle miteinander verbunden sind – ob wir nun Latte Macchiatos trinken oder die Welt retten (oder beides gleichzeitig!).
Vergesst nicht: Die Wahl liegt bei euch! Und jetzt entschuldigt mich, ich brauche noch einen Espresso. Die Existenz krallt.
