Carlos Ruiz Zafon Schatten Des Windes

Ein kleiner, frecher Blick auf Der Schatten des Windes
Okay, Leute. Seid ehrlich. Wer von euch hat Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón gelesen und war… naja… ein bisschen enttäuscht? Nicht enttäuscht im Sinne von "schlecht geschrieben", sondern eher im Sinne von "Himmel, warum finden das ALLE so unglaublich umwerfend?"
Ich meine, es ist ja nicht so, dass ich das Buch hasse. Absolut nicht! Die Atmosphäre in Barcelona ist fantastisch. Man fühlt sich fast, als würde man selbst durch die gotischen Gassen schlendern, den Duft von alten Büchern in der Nase. Zafón kann definitiv schreiben. Er kann Bilder mit Worten malen, das muss man ihm lassen.
Aber (und jetzt kommt der "unbeliebte Meinung"-Teil) ist es nicht ein bisschen… langatmig? Wir reden hier von einer Geschichte, die sich anfühlt, als würde sie sich in Zeitlupe abspielen. Daniel Sempere, unser Protagonist, stolpert von einem Rätsel zum nächsten, und jedes Mal, wenn man denkt, "Jetzt kommt die Auflösung!", taucht ein neues Hindernis auf. Es ist wie ein endloser Marathon in einem Labyrinth.
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Und die Charaktere? Fermín Romero de Torres ist natürlich ein absoluter Publikumsliebling. Wer könnte seinen schrägen Humor und seine Loyalität nicht lieben? Aber manchmal wirkt er auch wie ein wandelndes Klischee des liebenswerten Gauners. Und Daniel selbst? Er ist ein bisschen… blass. Er reagiert mehr, als dass er agiert. Er ist der Beobachter, der Zuschauer seines eigenen Lebens. Irgendwie schwer, mit ihm wirklich mitzufühlen.
Die Liebesgeschichte? Uff. Dramatisch! Geheimnisvoll! Und… ein bisschen unglaubwürdig? Ich meine, klar, Teenager verlieben sich Hals über Kopf. Aber die ganzen Hindernisse und Geheimnisse, die sich zwischen Daniel und… nun, sagen wir, ihr… auftürmen, sind schon fast lächerlich. Es ist wie eine Seifenoper, nur eben mit besseren Dialogen.

Versteht mich nicht falsch. Ich schätze die Komplexität der Handlung. Die Verflechtung der verschiedenen Handlungsstränge ist beeindruckend. Aber manchmal habe ich das Gefühl, Zafón wollte einfach zu viel auf einmal. Es ist wie ein Kuchen mit zu vielen Zutaten: Er schmeckt zwar gut, aber man kann die einzelnen Aromen kaum noch herausschmecken.
Und dann ist da noch dieses ganze "Buch im Buch"-Ding. Julián Carax, der mysteriöse Autor, dessen Bücher alle vernichtet werden. Das ist natürlich ein cleverer Schachzug. Es verleiht der Geschichte eine zusätzliche Ebene der Tiefe. Aber ist es auch notwendig? Ich bin mir da nicht so sicher.

Ich weiß, ich weiß. Viele werden jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und rufen: "Aber die Atmosphäre! Die Sprache! Die Metaphern!" Ja, das ist alles toll. Aber manchmal wünschte ich mir, Zafón hätte sich ein bisschen mehr auf die Handlung konzentriert und ein bisschen weniger auf die poetischen Beschreibungen.
Es ist wie mit einem guten Film: Wenn die Spezialeffekte überwältigend sind, aber die Geschichte langweilig, dann nützen auch die besten Effekte nichts. Der Schatten des Windes hat wunderschöne "Spezialeffekte" in Form von Sprache und Atmosphäre, aber die Geschichte selbst… ist eben etwas überladen.

Vielleicht bin ich einfach kein Fan von sehr langen Büchern. Vielleicht brauche ich mehr Action und weniger Melancholie. Vielleicht bin ich einfach ein Banause. Aber ich sage es trotzdem: Der Schatten des Windes ist ein gutes Buch, aber meiner Meinung nach nicht ganz so fantastisch, wie alle immer sagen.
So, jetzt steinigt mich. Aber vorher sagt mir, ob ich mit meiner Meinung vielleicht doch nicht ganz allein bin.
Und mal ehrlich, wer von euch hat das Ende wirklich verstanden? Zwinker, zwinker
