Binge Eating Störung Icd 10

Fühlst du dich manchmal hilflos, wenn du die Kontrolle über dein Essverhalten verlierst und Unmengen an Essen in kurzer Zeit verschlingst? Du bist nicht allein. Die Binge-Eating-Störung (BES), auch bekannt als Essanfallstörung, ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die viele Menschen betrifft. Dieser Artikel soll dir einen umfassenden Überblick über die Binge-Eating-Störung im Kontext der ICD-10-Klassifikation geben und dir helfen, die Erkrankung besser zu verstehen. Er richtet sich an Betroffene, Angehörige und alle, die sich über Essstörungen informieren möchten.
Was ist die Binge-Eating-Störung?
Die Binge-Eating-Störung ist durch wiederholte Episoden von unkontrolliertem Essen gekennzeichnet, bei denen große Mengen an Nahrungsmitteln in kurzer Zeit konsumiert werden. Im Gegensatz zur Bulimie werden die übermäßigen Kalorien jedoch nicht durch kompensatorische Verhaltensweisen wie Erbrechen oder exzessives Sporttreiben ausgeglichen. Dies führt häufig zu Gewichtszunahme und den damit verbundenen gesundheitlichen Problemen.
Die Betroffenen erleben während eines Essanfalls typischerweise ein Gefühl des Kontrollverlusts und schämen sich danach oft für ihr Verhalten. Dies kann zu Depressionen, Angstzuständen und sozialer Isolation führen.
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Binge-Eating-Störung und ICD-10
Die ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision) ist ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenes Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen. Obwohl die Binge-Eating-Störung in der ICD-10 nicht explizit als eigenständige Diagnose aufgeführt ist, wird sie in der Regel unter dem Oberbegriff "F50.9: Nicht näher bezeichnete Essstörung" oder "F50.8: Andere Essstörungen" subsumiert, wenn die spezifischen Kriterien anderer Essstörungen (wie Anorexie oder Bulimie) nicht erfüllt werden.
Die aktuellere ICD-11, die bereits in einigen Ländern angewendet wird, führt die Binge-Eating-Störung explizit als eigenständige Diagnose (6B81) auf, was die Anerkennung und Behandlung dieser Erkrankung erleichtert.

Diagnostische Kriterien (basierend auf DSM-5, da ICD-10 weniger spezifisch)
Da die ICD-10 keine detaillierten Kriterien für die Binge-Eating-Störung enthält, orientiert man sich in der Praxis oft an den Kriterien des DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition). Diese Kriterien umfassen:
- Wiederholte Episoden von Essanfällen. Ein Essanfall ist definiert als:
- Essen einer Nahrungsmenge in einem bestimmten Zeitraum (z.B. innerhalb von 2 Stunden), die definitiv größer ist als das, was die meisten Menschen in einem ähnlichen Zeitraum unter ähnlichen Umständen essen würden.
- Ein Gefühl des Kontrollverlusts über das Essen während der Episode (z.B. das Gefühl, nicht aufhören zu können zu essen oder nicht kontrollieren zu können, was oder wie viel man isst).
- Die Essanfälle sind mit mindestens drei der folgenden Symptome verbunden:
- Deutlich schneller essen als normal.
- Essen bis zu dem Punkt, an dem man sich unangenehm voll fühlt.
- Essen großer Mengen an Nahrung, obwohl man sich nicht hungrig fühlt.
- Allein essen aus Scham über die Menge, die man isst.
- Sich nach dem Essen angewidert, deprimiert oder sehr schuldig fühlen.
- Deutlicher Leidensdruck aufgrund der Essanfälle.
- Die Essanfälle treten im Durchschnitt mindestens einmal pro Woche über 3 Monate auf.
- Die Essanfälle sind nicht mit wiederholtem unangemessenem kompensatorischem Verhalten verbunden, wie es bei Bulimie nervosa vorkommt, und treten nicht ausschließlich im Verlauf von Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa auf.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen der Binge-Eating-Störung sind komplex und multifaktoriell. Verschiedene Faktoren können eine Rolle spielen:

- Genetische Veranlagung: Studien deuten darauf hin, dass eine genetische Prädisposition das Risiko erhöhen kann.
- Psychische Faktoren: Depressionen, Angstzustände, Stress und geringes Selbstwertgefühl können Essanfälle auslösen.
- Soziale Faktoren: Traumata, Mobbing, Diäten und gesellschaftlicher Druck, dünn zu sein, können ebenfalls eine Rolle spielen.
- Biologische Faktoren: Ungleichgewichte von Neurotransmittern im Gehirn können das Essverhalten beeinflussen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Binge-Eating-Störung ist behandelbar. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Hilft, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern.
- Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Vermittelt Strategien zur Emotionsregulation und Stressbewältigung.
- Interpersonelle Therapie (IPT): Konzentriert sich auf die Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen.
- Medikamentöse Behandlung: Antidepressiva oder Appetitzügler können in einigen Fällen hilfreich sein, sollten aber immer in Absprache mit einem Arzt eingesetzt werden.
- Ernährungsberatung: Hilft, ein gesundes Essverhalten zu entwickeln und Heißhungerattacken vorzubeugen.
Es ist wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du unter der Binge-Eating-Störung leidest. Eine frühzeitige Behandlung kann helfen, langfristige gesundheitliche Probleme zu vermeiden und die Lebensqualität deutlich zu verbessern.
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"Es ist kein Zeichen von Schwäche, Hilfe zu suchen. Es ist ein Zeichen von Stärke."
Wo finde ich Hilfe?
Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, an die du dich wenden kannst:
- Dein Hausarzt
- Psychotherapeuten und Psychologen
- Beratungsstellen für Essstörungen
- Kliniken mit Schwerpunkt Essstörungen
- Selbsthilfegruppen
Scheue dich nicht, Hilfe zu suchen. Es gibt Menschen, die dich unterstützen möchten. Du bist nicht allein!
Indem du dich informierst und professionelle Hilfe in Anspruch nimmst, kannst du lernen, deine Essanfälle zu kontrollieren und ein erfülltes Leben zu führen.
