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Besuch Der Alten Dame Charakterisierung Alfred Ill


Besuch Der Alten Dame Charakterisierung Alfred Ill

Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie "Der Besuch der alten Dame" ist ein erschütterndes Lehrstück über Moral, Gerechtigkeit und die Macht des Geldes. Im Zentrum dieser Geschichte steht Alfred Ill, ein Mann, dessen Charakterentwicklung im Laufe des Stücks von einem angesehenen Bürger zu einem Gejagten reicht. Diese Charakterisierung ist von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der zentralen Thematik des Werkes.

Ein angesehener Bürger zu Beginn

Zu Beginn des Stücks wird Alfred Ill als ein integrierter und beliebter Bürger der heruntergekommenen Stadt Güllen dargestellt. Er ist ein angesehener Kaufmann, dessen Laden als zentraler Treffpunkt für die Bewohner dient. Ill genießt das Vertrauen seiner Mitbürger, ist verheiratet und hat Kinder. Er wird als angenehmer und freundlicher Mann wahrgenommen, der sich um das Wohl seiner Familie und seiner Stadt sorgt. Sein Verhalten zeugt von einem gewissen Optimismus, obwohl die wirtschaftliche Lage Güllens düster ist.

Die Verdrängung der Schuld

Ein zentraler Aspekt von Ills Charakter ist seine Verdrängung der Vergangenheit. Er hat Claire Zachanassian vor Jahrzehnten geschwängert und sie dann vor Gericht verleugnet, um die Vaterschaft zu leugnen. Durch Falschaussagen zweier Zeugen, die er bestochen hat, wurde Claire zur Prostitution getrieben und ihr Leben zerstört. Ill hat seine Schuld lange Zeit verdrängt und sich ein Leben aufgebaut, als wäre nichts geschehen. Dies ist ein entscheidender Punkt, der seine spätere Verurteilung durch die Gemeinschaft verständlich macht.

Die Veränderung durch Claires Angebot

Als Claire Zachanassian Güllen besucht und eine Milliarde für Ills Tod bietet, ändert sich alles. Zunächst glaubt Ill, er sei sicher. Er vertraut auf die Moral seiner Mitbürger und ihre Ablehnung von Mord. Doch mit der Zeit bemerkt er, wie sich die Stimmung in der Stadt wandelt. Die Menschen beginnen, auf Kredit einzukaufen, neue Schuhe zu tragen und sich Dinge zu leisten, die sie sich zuvor nicht leisten konnten. Diese schleichende Veränderung, die durch Claires Geld ermöglicht wird, führt zu einem wachsenden Unbehagen bei Ill.

Der Besuch der alten Dame – Friedrich Dürrenmatt (Sek II) – KuG
Der Besuch der alten Dame – Friedrich Dürrenmatt (Sek II) – KuG

Die Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit

Ill erkennt langsam, dass sein Leben in Gefahr ist. Er sucht den Bürgermeister, den Pfarrer und den Polizisten auf, um Hilfe zu bekommen, aber niemand ist bereit, ihm zu helfen. Alle scheinen von dem bevorstehenden Reichtum geblendet zu sein. Diese Isolation führt zu einer tiefgreifenden Veränderung in Ills Charakter. Er beginnt, sich seiner Schuld bewusst zu werden und sich mit seinem Schicksal abzufinden. Er erkennt, dass er für seine Taten in der Vergangenheit bezahlen muss.

Die Akzeptanz des Urteils

Im Laufe des Stücks entwickelt Ill eine Art Stoizismus. Er akzeptiert sein Schicksal und stellt sich der Verantwortung für seine Taten. Er versucht nicht mehr, sich zu verstecken oder zu fliehen. Stattdessen bereitet er sich auf seinen Tod vor. Diese Akzeptanz macht ihn zu einer tragischen Figur. Er ist nicht nur ein Opfer der Gier seiner Mitbürger, sondern auch ein Mensch, der seine Fehler einsieht und bereit ist, die Konsequenzen zu tragen. Diese Entwicklung von der Verdrängung zur Akzeptanz ist ein zentraler Aspekt seiner Charakterisierung.

Charakterisierung Alfred Ill aus Besuch der alten Dame
Charakterisierung Alfred Ill aus Besuch der alten Dame

Die Rolle des Opfers

Obwohl Ill schuldig ist, wird er im Laufe des Stücks auch zu einem Opfer. Er ist ein Opfer der Gier seiner Mitbürger, die bereit sind, ihn zu töten, um an das Geld von Claire Zachanassian zu gelangen. Er ist auch ein Opfer seiner eigenen Vergangenheit, die ihn einholt und ihn für seine Taten zur Rechenschaft zieht. Diese Doppelnatur von Schuld und Opfer macht Ill zu einer komplexen und faszinierenden Figur.

Fazit

Alfred Ills Charakterisierung in "Der Besuch der alten Dame" ist ein Spiegelbild der menschlichen Natur. Sie zeigt die Fähigkeit zur Verdrängung, die Macht des Geldes und die Bereitschaft, moralische Prinzipien für den eigenen Vorteil zu opfern. Ills Entwicklung von einem angesehenen Bürger zu einem gejagten Opfer ist ein erschütterndes Beispiel dafür, wie Schuld, Gier und Vergebung miteinander verwoben sein können. Die Figur Ill fordert uns auf, über unsere eigene Moral und die Konsequenzen unserer Handlungen nachzudenken. Sie erinnert uns daran, dass die Vergangenheit uns einholen kann und dass Gerechtigkeit, wenn auch auf grausame Weise, letztendlich geschehen kann. Dürrenmatt zwingt uns, uns selbst zu fragen: Wie würden wir in einer solchen Situation handeln?

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