Beim Reden Nicht In Die Augen Schauen Können

Hand aufs Herz: Wer findet Augenkontakt wirklich angenehm? Ich meine, so richtig tief, intensiv, stundenlang? Wahrscheinlich nur Roboter und Leute, die was zu verbergen haben. (Denkt mal drüber nach!)
Ein Hoch auf den Blick ins Leere!
Ich oute mich jetzt: Ich bin ein Augenkontakt-Vermeider. Und wisst ihr was? Ich finde, das ist völlig okay! Warum sollte ich jemandem permanent in die Pupillen starren? Hab ich 'ne Hypnose-Ausbildung gebucht? Brauche ich dringend Informationen über die Beschaffenheit seiner Netzhaut?
Lasst uns ehrlich sein: Manchmal ist es einfach…komisch. Da steht jemand vor dir, erzählt dir was über seinen Hamster, und du sollst gebannt in seine Augen schauen? Das ist doch fast schon unanständig! Viel lieber schaue ich der Person über die Schulter, bewundere die Tapete oder beobachte unauffällig, ob der Kollege am Schreibtisch gegenüber gerade wieder Solitär spielt.
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Okay, okay, ich weiß was jetzt kommt. "Mangelndes Selbstbewusstsein!", "Unaufrichtigkeit!", "Du hast was zu verbergen!". Bla, bla, bla. Leute, ich bin einfach nur… multitaskingfähig! Während ich eure Hamster-Story aufnehme, kann ich gleichzeitig noch mein inneres Auge auf die Suche nach dem Sinn des Lebens schicken. Oder zumindest nach dem nächsten Kaffee.
Und mal ganz abgesehen davon: Augenkontakt ist verdammt anstrengend! Es erfordert Konzentration, Disziplin und die Fähigkeit, nicht zu niesen. Wer hat dafür bitte die Zeit? Ich konzentriere mich lieber auf den Inhalt des Gesprächs. Und wenn der Inhalt langweilig ist, dann eben auf die Fluchtpläne in meinem Kopf.

Die Kunst der gekonnten Ablenkung
Es gibt unzählige Techniken, um Augenkontakt zu vermeiden. Die Klassiker: Auf die Nasenspitze starren (sieht fast aus wie Augenkontakt, aber ist es nicht!), den Boden fixieren (Demut zeigen!), oder so tun, als ob man gerade etwas Interessantes am Fenster entdeckt hat (Achtung, Zug!).
Fortgeschrittene beherrschen die Kunst des "selektiven Augenkontakts". Das bedeutet: Kurze Blickkontakte, um Interesse zu signalisieren, gefolgt von längeren Phasen des Starrens ins Leere. Das vermittelt den Eindruck, dass man tiefgründig nachdenkt (auch wenn man eigentlich nur überlegt, was es heute zum Mittagessen gibt).

Besonders effektiv: Den Gesprächspartner ablenken! Eine interessante Frage stellen, die ihn dazu zwingt, wegzuschauen. Oder noch besser: Selbst eine Geschichte erzählen, bei der man wild gestikuliert und somit den Augenkontakt quasi "vergisst".
Ist das wirklich so schlimm?
Ich behaupte: Nein! Solange man nicht gerade beim Vorstellungsgespräch oder bei der Beichte mit dem Papst ständig wegschaut, ist alles im grünen Bereich. Und selbst dann… vielleicht ist der Papst ja auch nur froh, wenn er nicht angestarrt wird. Wer weiß, was der alles gesehen hat!

Natürlich gibt es Situationen, in denen Augenkontakt wichtig ist. Um Vertrauen aufzubauen, um Zuneigung zu zeigen, oder um zu signalisieren, dass man aufmerksam zuhört. Aber muss das wirklich permanent sein? Reicht nicht ein gelegentliches "Ich sehe dich, ich höre dich, ich bin hier…aber guck mich bitte nicht so an!"?
Vielleicht sollten wir alle ein bisschen lockerer werden, was Augenkontakt angeht. Vielleicht sollten wir aufhören, Leute zu verurteilen, die lieber die Wand anstarren. Vielleicht sollten wir einfach akzeptieren, dass manche Menschen eben lieber ihre Gedanken schweifen lassen, anstatt sich in den Tiefen fremder Augen zu verlieren.

Und wer weiß? Vielleicht ist Angela Merkel ja auch nur eine Meisterin der Augenkontakt-Vermeidung. Hat ihr ja auch nicht geschadet, oder?
In diesem Sinne: Erhebt eure Augen! (Aber nicht zu lange Richtung Gesprächspartner, bitte!)
Lasst uns
gemeinsamdafür einstehen, dass es okay ist, beim Reden nicht in die Augen schauen zu müssen.
