Bei Fragen Melden Sie Sich Gerne

Kennt ihr das? Diese vier Wörter, die entweder das Ende eines Vortrags oder der Beginn einer kleinen Panikattacke sind? "Bei Fragen melden Sie sich gerne."
Mal ehrlich, wer meldet sich denn gerne? Also, wirklich gerne? Außer vielleicht der eine Kollege, der immer eine Frage hat. Egal, worum es geht. Der muss einfach. Aber die meisten von uns? Eher nicht so.
Die Angst vor der Frage
Da sitzt man. Nett und aufmerksam (hoffentlich) zuhörend. Der Redner beendet seinen Vortrag. Und dann kommt's: "Bei Fragen melden Sie sich gerne." Und plötzlich ist der Raum voller unsichtbarer Laserstrahlen. Jeder vermeidet Augenkontakt. Als ob man beim Ansehen des Redners automatisch zum Fragenroboter wird.
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Warum diese Scheu? Vielleicht, weil man befürchtet, eine dumme Frage zu stellen. Oder noch schlimmer: Eine Frage zu stellen, die schon beantwortet wurde! Das wäre ja der Super-GAU.
Oder ist es einfach nur Faulheit? Der Vortrag war gut (oder auch nicht), man will einfach nach Hause. Oder zum Kaffee. Hauptsache weg von den potentiellen Fragen.
"Ich habe da mal eine Frage..." (innerlich schreit man: NEIN! NICHT DU!).
Und dann gibt es ja noch die Kategorie der "Ich will mich wichtig machen"-Frager. Die stellen keine Fragen, sondern halten kleine Monologe. Die Frage ist nur der Aufhänger. "Ich habe da mal eine Frage, die eigentlich keine Frage ist, sondern eher eine Anmerkung zu ihrer Präsentation, die, mit Verlaub, ja doch sehr interessante Aspekte beinhaltet, aber..." Genau. Aber.

Die Kunst des Nicht-Fragens
Ich behaupte mal ganz frech: Die meisten Fragen sind unnötig. Man hat entweder nicht richtig zugehört (selbst schuld!), oder die Antwort ist schon irgendwo in der Präsentation versteckt. Oder, ganz ehrlich, es ist einem eigentlich auch egal. Man nickt einfach freundlich und hofft, dass der Kelch der Frage an einem vorüberzieht.
Ich persönlich habe eine Taktik entwickelt: Ich suche mir eine Person aus, die intelligenter aussieht als ich (keine große Herausforderung) und warte, ob die eine Frage stellt. Wenn ja, kann ich mich immer noch anschließen. Wenn nein, Glück gehabt!
Und wenn ich wirklich mal eine Frage habe? Dann notiere ich sie mir. Und recherchiere sie später im Internet. Oder frage Google. Ist doch viel entspannter, als sich vor versammelter Mannschaft zu blamieren.

Ein Hoch auf die Fragen-Muffel!
Also, liebe Fragen-Muffel, ihr seid nicht allein! Wir sind viele. Und wir schweigen gemeinsam. Nicht, weil wir dumm sind. Sondern weil wir clever sind. Und weil wir lieber Google fragen.
Aber mal ehrlich, manchmal, ganz selten, gibt es diese eine Frage, die wirklich wichtig ist. Die den ganzen Vortrag in ein neues Licht rückt. Die eine neue Perspektive eröffnet. Und dann... ja, dann sollte man sich vielleicht doch gerne melden. Aber nur vielleicht.
Oder man schreibt dem Redner einfach eine E-Mail. Ist doch viel persönlicher. Und man muss nicht vor allen anderen reden. Win-win!

Und falls jetzt jemand eine Frage hat: Bitte nicht. (Scherz! ...oder auch nicht).
Vielleicht sollten Vorträge in Zukunft einfach mit "Bei Fragen... Googeln Sie!" enden. Das wäre doch mal was.
Ich plädiere für eine Welt, in der "Bei Fragen melden Sie sich gerne" durch "Bei Fragen... lasst es lieber!" ersetzt wird. Wer ist dabei?

Okay, okay, ich gebe zu. Fragen sind wichtig. Sie fördern den Diskurs. Sie helfen uns, Dinge besser zu verstehen. Aber trotzdem... dieses Gefühl, wenn diese vier Wörter fallen... brrr. Da kriege ich Gänsehaut.
Und jetzt? Stille. Oder die leise Hoffnung, dass jemand anderes den Anfang macht. Der Druck lastet auf allen Schultern.
Ach, dieses "Bei Fragen melden Sie sich gerne". Es ist Fluch und Segen zugleich. Vielleicht sollten wir einfach öfter mutiger sein. Oder einfach Google fragen.
In diesem Sinne: Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Und... Sie wissen schon.
