Anna Pollinger Der Ewige Spießer

Hast du schon mal von jemandem gehört, der so richtig, richtig deutsch ist? Ich meine, so richtig mit Gartenzwerg, Sonntagsbraten und der heiligen Ordnung auf dem Schreibtisch? Dann lass mich dir von Anna Pollinger und ihrer unglaublichen Beziehung zu Der Ewige Spießer erzählen.
Klar, der Titel klingt erstmal nicht so super-aufregend, oder? "Der Ewige Spießer" – das riecht nach Staub, Mottenkugeln und vielleicht einer Prise Langeweile. Aber warte! Genau das ist ja das Geniale daran. Stell dir vor, du findest in diesem vermeintlich drögen Stück Literatur plötzlich den Schlüssel zu...ja, zu was eigentlich? Vielleicht zum deutschen Gemüt selbst?
Anna, die Rebellin mit Gartenzwerg
Anna, von der ich dir erzähle, ist nämlich gar nicht so spießig, wie man vielleicht denken könnte. Im Gegenteil! Sie hat eine irre Freude daran, in diesem Werk von Carl Sternheim, das so herrlich mit der deutschen Bourgeoisie abrechnet, immer wieder neue, urkomische Facetten zu entdecken. Sie ist so eine Art Rebellin, die sich den Gartenzwerg ins Regal stellt, aber ihn heimlich anmalt und ihm ein Punk-Irokesen verpasst.
Must Read
Ich weiß, ich weiß, du fragst dich jetzt: Was ist denn so toll an diesem "Ewigen Spießer"? Stell dir vor, es ist wie eine Art Spiegelkabinett für die deutsche Seele. Da werden die kleinen Macken, die großen Vorurteile und die tief verwurzelte Liebe zur Ordnung auf die Schippe genommen. Und zwar so liebevoll-zynisch, dass man sich gleichzeitig fremdschämt und totlacht.
Anna hat mir mal erzählt, dass sie "Der Ewige Spießer" liest, wenn sie schlechte Laune hat. Klingt komisch, ist aber so! Sie sagt, es ist wie ein Katharsis. Sie lacht über die Figuren, die so herrlich überzeichnet sind, und merkt dann: "Hey, so bin ich ja gar nicht!" Oder vielleicht doch ein bisschen? Und genau dieser Moment, dieses kleine Augenzwinkern, das ist es, was die Sache so interessant macht.

Ein Stück Deutschland zum Anfassen
Was Anna so fasziniert, ist die Tatsache, dass Sternheim in diesem Stück, das in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts spielt, eigentlich schon alles vorweggenommen hat, was die deutsche Seele bis heute ausmacht. Die Angst vor Veränderung, die Liebe zur Tradition, die manchmal etwas verkrampfte Art, mit Gefühlen umzugehen – alles da! Und das alles verpackt in einer herrlich überdrehten Geschichte rund um den Büstenhalter (ja, richtig gelesen!), der zum Sinnbild für bürgerliche Konventionen wird.
Stell dir vor, du sitzt im Theater und siehst, wie sich da jemand über all die Dinge lustig macht, die du eigentlich ganz normal findest. Aber dann denkst du: "Moment mal, vielleicht ist da ja doch was dran..." Und genau dieses Gefühl, zwischen Fremdscham und Erkenntnis, zwischen Lachen und Nachdenken, das ist es, was Der Ewige Spießer so zeitlos macht.

Anna hat sogar eine Art Fangemeinde gegründet. Sie veranstaltet Lesungen, in denen sie die absurdesten Stellen aus dem Stück zum Besten gibt. Und die Leute lieben es! Sie kommen, lachen, diskutieren und fühlen sich am Ende alle ein bisschen weniger spießig – oder zumindest ein bisschen wohler in ihrer Spießigkeit.
Mehr als nur ein verstaubtes Buch
Also, das nächste Mal, wenn du denkst, du bist der totale Rebell, der sich über all die braven Bürgerlichen lustig macht, denk an Anna und Der Ewige Spießer. Vielleicht entdeckst du ja auch in dir selbst ein kleines bisschen Spießertum, das darauf wartet, entdeckt und liebevoll verspottet zu werden.

Denn, ganz ehrlich, wer von uns hat nicht schon mal heimlich die Gardinen gerückt oder sich über den Nachbarn aufgeregt, der seinen Rasen nicht ordentlich gemäht hat? Und genau das macht uns doch alle so menschlich – und eben auch ein bisschen spießig. Und das ist auch okay, solange wir darüber lachen können.
Und Anna? Die lacht weiter, liest weiter und bringt uns alle dazu, ein bisschen genauer hinzuschauen. Denn manchmal, ganz unerwartet, versteckt sich hinter der vermeintlichen Langeweile die größte Wahrheit – und der größte Spaß!
"Der Ewige Spießer" ist wie ein guter Wein. Je älter er wird, desto besser schmeckt er." - Anna Pollinger
