Okay, lasst uns ehrlich sein. Die neuen Leiden des jungen W.... Ein Klassiker, ja, bla bla bla. Aber mal unter uns: Hat irgendjemand das wirklich geliebt? Ich meine, so richtig, ehrlich, mit Herzchen in den Augen? Ich wage es zu bezweifeln. Ist vielleicht eine unpopuläre Meinung, aber ich sag's trotzdem: Ich fand's... naja... ein bisschen anstrengend.
Dieser Werther, heiliger Strohsack. Ständig am Jammern. "Oh, ich bin so unglücklich! Niemand versteht mich!" Und dann diese Briefe! Seitenlange Monologe über seine Gefühle. Junge, geh raus, spiel Fussball, mach irgendwas! Aber nein, lieber suhlt er sich in seinem Elend. Sorry, aber ich hab' da wenig Mitgefühl. Kennen wir nicht alle so jemanden?
Das mit der Liebe und so...
Dann ist da noch Lotte. Klar, sie ist nett, sie ist verlobt. Aber Werther benimmt sich, als hätte er die Liebe neu erfunden. "Oh, Lotte, du bist so unerreichbar! Mein Herz bricht!" Mal ehrlich, das ist doch Kindergarten! Ich meine, ich verstehe Liebeskummer. Jeder war schon mal verknallt. Aber das hier ist ja schon fast exhibitionistisch. So viel Selbstmitleid ist wirklich nicht sexy.
Und was ist mit Albert? Der arme Kerl. Verlobt mit Lotte und muss sich dann noch den jämmerlichen Werther ansehen, der ständig um sie herumschleicht. Er versucht ja, nett zu sein, aber ich würde irgendwann durchdrehen. Stell dir vor, du bringst deine neue Freundin deinen Eltern vor und dein bester Kumpel heult die ganze Zeit rum, wie toll sie ist und wie unglücklich er deswegen ist. Peinlich, oder?
Ich verstehe ja den historischen Kontext. Die Epoche des Sturm und Drang, all das. Aber trotzdem: Werther ist einfach ein bisschen... zu viel. Er ist das literarische Äquivalent zu einem depressiven Teenager, der Emo-Musik hört und seine Gefühle auf Instagram postet. Nur eben mit Tinte und Feder.
Literaturtest "Die neuen Leiden des jungen W." von Ulrich Plenzdorf
Und diese ganze Natur-Schwärmerei! "Oh, die Bäume, die Blumen, der Himmel! Sie spiegeln meine Seele wider!" Ja, ja, ist ja gut. Geh raus und pflanz einen Baum, anstatt ihn nur anzustarren und darüber zu heulen, wie unglücklich du bist.
Ich weiß, ich weiß. Das ist ein heiliger Text. Ein Eckpfeiler der deutschen Literatur. Aber ich kann einfach nicht anders. Ich finde, Werther ist ein bisschen... nervig.
Die neuen Leiden des jungen W. – Lehrerheft
Das Ende vom Lied...
Und dann das Ende! SPOILER ALERT (als ob das noch jemand nicht wüsste): Er bringt sich um! Weil er Lotte nicht haben kann. Ernsthaft? Das ist doch total übertrieben! Es gibt so viele andere Frauen auf der Welt! Und so viele andere Dinge, die man mit seinem Leben anfangen kann! Aber nein, lieber Drama, Baby! Lieber das große, tragische Finale. Ich finde, das ist einfach nur dumm. Sorry, not sorry.
Vielleicht bin ich einfach zu zynisch. Vielleicht habe ich das Buch zur falschen Zeit gelesen. Vielleicht brauche ich einfach eine Auszeit von all dem emotionalen Gepäck. Aber ich stehe dazu: Ich finde Die neuen Leiden des jungen W. überbewertet. Es ist ein bisschen langweilig. Und Werther ist ein Jammerlappen.
Die neuen Leiden des jungen W. von Ulrich Plenzdorf: Zusammenfassung
So, jetzt habe ich es gesagt. Steinigt mich ruhig. Aber ich bin froh, dass ich das mal loswerden konnte. Vielleicht geht es ja noch jemandem so wie mir. Oder vielleicht bin ich einfach nur ein Banause. Wer weiß?
Aber eins ist sicher: Ich werde das Buch nicht noch einmal lesen. Ich gehe jetzt lieber raus und spiele Fussball. Oder pflanze einen Baum. Oder mache irgendwas, das mich nicht deprimiert.