Wolfgang Borchert Das Brot

Mal ehrlich, war Das Brot von Wolfgang Borchert nicht ein bisschen... überschätzt?
Okay, okay, steinigt mich nicht gleich! Ich weiß, es ist ein Klassiker. Pflichtlektüre. Ein Stück deutsche Nachkriegsliteratur, das uns die Schrecken des Hungers und die Notwendigkeit des Zusammenhalts vor Augen führen soll. Aber... war es nicht auch ein bisschen langweilig?
Ich meine, es geht um ein Stück Brot. Ein einzelnes, verdammtes Stück Brot! Und darum, dass ein Mann es heimlich isst. Puh, die Spannung steigt ins Unermessliche, oder?
Ich weiß, ich weiß. Es ist symbolisch. Das Brot steht für mehr. Für die Entbehrungen der Zeit. Für das Misstrauen, das zwischen den Menschen, sogar zwischen Ehepartnern, herrschte. Für die psychologischen Narben des Krieges. Bla bla bla.
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Aber ganz ehrlich, wenn ich hungrig wäre, würde ich mir wahrscheinlich auch ein Stück Brot klauen. Ohne viel Federlesen. Und dann würde ich mich wahrscheinlich auch komisch fühlen, wenn ich erwischt würde. Und dann würde ich es leugnen. Vielleicht sogar streiten. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch?
Ich behaupte nicht, dass Borchert ein schlechter Autor war. Im Gegenteil. Seine Sprache ist klar und prägnant. Er konnte mit wenigen Worten eine Atmosphäre schaffen. Aber Das Brot? Ich finde, da ist die Idee besser als die Ausführung.

Es ist wie mit manchen berühmten Gemälden. Man steht davor und denkt: "Okay, es ist berühmt. Es ist wichtig. Aber... gefällt es mir?" Und meistens lautet die Antwort: "Nö."
Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit. Wir haben Das Brot in der Deutschstunde auseinandergenommen. Bis zum kleinsten Krümel. Jedes Wort wurde analysiert. Jede Zeile interpretiert. Am Ende wusste ich alles über die Symbolik des Brotes, aber ich hatte immer noch keine Ahnung, warum ich das alles wissen musste.

Vielleicht bin ich einfach zu pragmatisch. Zu wenig empfänglich für die subtilen Botschaften der Literatur. Oder vielleicht bin ich einfach nur ein Banause, der lieber einen Actionfilm guckt als ein Drama über ein Stück Brot zu lesen.
Ich will das Werk von Wolfgang Borchert keineswegs schlechtreden. Er war ein bedeutender Schriftsteller. Und er hat mit seinen Werken wichtige Themen angesprochen. Aber Das Brot... es ist einfach nicht mein Fall.

Und bevor jetzt alle Deutschlehrer Deutschlands nach mir suchen, um mich zu exmatrikulieren: Ja, ich weiß, dass Literatur subjektiv ist. Und dass jeder Mensch ein Werk anders interpretiert. Aber ich wollte einfach mal meine ehrliche Meinung sagen. Auch wenn sie unpopulär ist.
Vielleicht sollte ich Das Brot noch mal lesen. In ein paar Jahren. Vielleicht sehe ich es dann mit anderen Augen. Vielleicht entdecke ich dann doch noch die Genialität, die alle anderen darin sehen.

Aber bis dahin bleibe ich dabei: Es gibt spannendere Geschichten über Essen. Und über Eheprobleme. Und über die Nachkriegszeit. Entschuldigung, Herr Borchert!
Vielleicht sollte ich stattdessen mal Draußen vor der Tür lesen. Das soll ja besser sein, habe ich gehört. Obwohl... geht es da nicht auch um Leid und Elend? Ach, ich weiß auch nicht...
Vielleicht brauche ich einfach nur ein Sandwich. Mit viel Käse. Und Salami. Und vielleicht noch ein bisschen Senf. Ja, das klingt gut. Viel besser als Brot, das heimlich gegessen wird.
