Habt ihr euch jemals gefragt, woher unsere Ideen über Rasse eigentlich kommen? Woher wir lernen, wer „wir“ sind und wer „die Anderen“? Das Buch „Wie wir uns Rassismus beibringen“ versucht, genau das zu beantworten – und es ist überraschender, als man denkt.
Stellt euch vor: Ihr seid auf einem Spielplatz. Kinder toben herum, bauen Sandburgen, streiten sich vielleicht mal um eine Schaufel. Aber wann genau fangen sie an, Unterschiede zu bemerken, die über Haarfarbe oder Lieblingsessen hinausgehen? Wann beginnen sie, diese Unterschiede zu bewerten? Das Buch argumentiert, dass es oft subtiler und alltäglicher passiert, als wir glauben.
Die unsichtbaren Lektionen
Es geht nicht nur um offensichtliche Dinge wie rassistische Witze oder diskriminierende Äußerungen. Oft sind es die unsichtbaren Lektionen, die wir lernen: die Geschichten, die erzählt werden (oder eben nicht erzählt werden), die Bilder, die wir sehen, die Vorbilder, die wir haben (oder nicht haben). Stell dir vor, in deinem Geschichtsbuch kommen nur weiße Männer vor. Was vermittelt das den Kindern? Welche Botschaft sendet das?
Oder denkt an eure Lieblingsfilme. Wer sind die Helden? Wer sind die Schurken? Welche Hautfarbe haben sie? Werden bestimmte Gruppen immer wieder auf bestimmte Rollen reduziert? Das Buch regt an, Filme und Serien mal mit ganz anderen Augen zu sehen. Und plötzlich fallen einem Dinge auf, die man vorher nie hinterfragt hat.
„Rassismus ist nicht nur eine Frage der Überzeugung, sondern auch der Praxis.“
LESUNG MIT GILDA SAHEBI: WIE WIR UNS RASSISMUS BEIBRINGEN - Stiftung
Dieser Satz aus dem Buch hat mich besonders zum Nachdenken gebracht. Es geht nicht nur darum, was wir denken, sondern auch darum, wie wir handeln. Wer wird eingeladen? Wer wird befördert? Wer wird gehört? Wer wird ignoriert? Die kleinen, alltäglichen Entscheidungen, die wir treffen, können viel mehr ausmachen, als wir uns bewusst sind.
Das liebe Geld und andere komische Dinge
Ein Kapitel des Buches, das ich besonders witzig fand, beschäftigte sich mit dem Thema Geld. Warum ist Geld so oft mit bestimmten Vorstellungen von „Erfolg“ oder „Wert“ verbunden? Und wie hängen diese Vorstellungen mit unseren Vorurteilen zusammen? Es wurde argumentiert, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen immer wieder von der Teilhabe an wirtschaftlichem Erfolg ausgeschlossen werden, was wiederum Vorurteile verstärkt. Es ist ein bisschen wie bei einem Teufelskreis, nur dass der Teufel in diesem Fall… naja, Vorurteile sind.
LESUNG MIT GILDA SAHEBI: WIE WIR UNS RASSISMUS BEIBRINGEN - Stiftung
Ich musste lachen, als ich las, dass ein gängiges Argument zur Rechtfertigung von Ungleichheit darin besteht, dass bestimmte Gruppen einfach „nicht hart genug arbeiten“. Als ob Erfolg immer nur eine Frage von harter Arbeit wäre! Das Buch zerlegt dieses Argument genüsslich und zeigt, dass es unzählige Faktoren gibt, die eine Rolle spielen – von Bildungschancen bis hin zu sozialer Herkunft.
Die Hoffnung stirbt zuletzt (und lacht dabei!)
Trotz des ernsten Themas ist das Buch keineswegs deprimierend. Im Gegenteil! Es ist erfrischend ehrlich und humorvoll. Es zeigt, dass wir alle Fehler machen und dass wir alle Vorurteile haben. Aber es zeigt auch, dass wir etwas dagegen tun können. Indem wir uns unserer Vorurteile bewusst werden, indem wir kritisch hinterfragen, was wir lernen, und indem wir uns aktiv für Gleichberechtigung einsetzen.
Wie wir uns gegen Rassismus wehren können | Kubi Gesellschaft für
„Wie wir uns Rassismus beibringen“ ist kein Lehrbuch, sondern eher ein Gespräch mit einem guten Freund. Ein Freund, der einem unbequeme Fragen stellt, aber einem auch Mut macht, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Ein Freund, der einem hilft, die unsichtbaren Lektionen zu entlarven und neue, gerechtere Geschichten zu schreiben.
Und das Schönste daran? Es ist nie zu spät, um anzufangen. Wir können uns alle immer wieder neu erfinden, unsere Vorurteile hinterfragen und die Welt ein bisschen besser machen. Und das ist doch eine ziemlich schöne Vorstellung, oder?
Also, wenn ihr mal Lust habt, eure eigene Welt ein bisschen auf den Kopf zu stellen und dabei auch noch zu lachen, dann kann ich euch dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es ist eine Reise in die Tiefen unserer eigenen Vorurteile – und eine Reise, die sich lohnt.