Wie Reitet Man Ein Pferd Durchs Genick

Du sitzt auf dem Pferd, gibst gefühlvolle Hilfen, aber irgendwie... irgendwie klappt es nicht. Das Pferd zieht sich nach oben, ist fest im Rücken oder weicht den Zügelhilfen aus. Du bist frustriert, weil du dir wünschst, dass dein Pferd losgelassen und durchlässig ist, sich vertrauensvoll an deine Hand anlehnt und mit einem zufriedenen Schnauben durchs Genick geht. Du bist nicht allein. Viele Reiter kämpfen mit dieser Herausforderung.
Dieser Artikel soll dir helfen, die Hintergründe zu verstehen und dir praktische Lösungsansätze an die Hand geben, um deinem Ziel näher zu kommen: Ein Pferd, das gerne und entspannt durchs Genick geht.
Was bedeutet "Durchs Genick Reiten" eigentlich?
Es ist wichtig zu verstehen, dass "durchs Genick reiten" kein Selbstzweck ist. Es ist das Ergebnis einer korrekten Ausbildung und eines harmonischen Zusammenspiels zwischen Reiter und Pferd. Es bedeutet:
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- Das Pferd ist losgelassen und entspannt.
- Der Rücken schwingt mit.
- Die Hinterhand ist aktiv und trägt.
- Das Pferd nimmt eine feine Verbindung zum Zügel auf.
- Der Kopf des Pferdes befindet sich in einer korrekten Position (nicht zu tief, nicht zu hoch, nicht hinter der Senkrechten).
Wichtig: "Durchs Genick" bedeutet nicht, dass das Pferd mit der Nase auf der Brust läuft. Das ist eine schädliche Haltung, die der Gesundheit des Pferdes langfristig schadet!
Herausforderungen und mögliche Ursachen
Warum fällt es so vielen Pferden und Reitern schwer, diesen Zustand zu erreichen? Hier sind einige häufige Ursachen:

- Mangelnde Losgelassenheit: Ist das Pferd verspannt, kann es nicht korrekt durchs Genick gehen.
- Probleme mit der Ausrüstung: Ein schlecht sitzender Sattel oder eine unpassende Trense können Schmerzen verursachen und das Pferd blockieren.
- Fehlerhafte Zügelhilfen: Zu starke, ruckartige oder unklare Zügelhilfen führen zu Verspannungen im Pferdemaul und Nacken.
- Mangelnde Balance des Reiters: Ein unausbalancierter Sitz des Reiters überträgt sich auf das Pferd und stört dessen Balance.
- Physikalische Probleme: Blockaden oder Verspannungen im Körper des Pferdes (z.B. Rücken, Genick) können das korrekte Durchs-Genick-gehen verhindern.
- Falsche Erwartungshaltung: Wenn man versucht, das Pferd "durchs Genick zu zwingen", erreicht man genau das Gegenteil.
Lösungsansätze: So förderst du die Losgelassenheit und Durchlässigkeit
Der Weg zu einem losgelassenen und durchlässigen Pferd ist ein Prozess, der Geduld und Konsequenz erfordert. Hier sind einige Tipps, die dir dabei helfen können:
1. Losgelassenheit schaffen
Beginne jede Trainingseinheit mit einer ausgiebigen Lösungsphase. Nutze:

- Schrittarbeit am langen Zügel: Lasse das Pferd sich dehnen und den Hals fallen lassen.
- Seitengänge im Schritt: Fördern die Losgelassenheit und Koordination.
- Übergänge: Wechsel zwischen Schritt, Trab und Galopp, um die Aufmerksamkeit des Pferdes zu schulen.
- Dehnungsübungen: Dehne den Hals des Pferdes sanft nach unten und zur Seite.
Achte darauf, dass dein Pferd während der Lösungsphase aktiv mitarbeitet und nicht hinter der Senkrechten verschwindet.
2. Korrekte Hilfengebung
Deine Hilfen sollten fein, klar und konsequent sein. Achte auf:

- Einen ausbalancierten Sitz: Sitze zentriert und locker im Sattel.
- Eine feine Zügelführung: Nimm nur so viel Zügel an, wie nötig. Gib bei Bedarf nach.
- Aktive Schenkel: Treibe das Pferd von hinten nach vorne.
- Koordination deiner Hilfen: Stimme deine Hilfen aufeinander ab.
3. Gymnastizierung
Gymnastizierende Übungen helfen, die Muskulatur des Pferdes aufzubauen und die Durchlässigkeit zu fördern. Geeignete Übungen sind:
- Volten und Zirkel: Fördern die Biegung und Stellung.
- Schulterherein und Kruppeherein: Verbessern die Koordination und Losgelassenheit.
- Traversalen und Renversen: Schulen die Seitwärtsbewegung und stärken die Hinterhand.
4. Ausrüstung überprüfen
Stelle sicher, dass dein Sattel optimal passt und die Bewegungsfreiheit des Pferdes nicht einschränkt. Die Trense sollte ebenfalls gut sitzen und das Pferd nicht behindern. Ziehe bei Bedarf einen Sattler und/oder Trainer hinzu.

5. Geduld und Konsequenz
Hab Geduld und erwarte nicht zu viel auf einmal. Arbeite konsequent an den Grundlagen und lobe dein Pferd, wenn es Fortschritte macht. Denke daran: Der Weg ist das Ziel!
"Reiten ist die Kunst, ein Pferd dorthin zu bringen, wohin es von alleine gehen würde." - Alois Podhajsky
Zusätzliche Tipps
- Arbeite mit einem Trainer: Ein erfahrener Trainer kann dir wertvolle Tipps geben und dir helfen, Fehler zu erkennen und zu korrigieren.
- Beobachte dein Pferd: Achte auf die Körpersprache deines Pferdes und reagiere auf seine Bedürfnisse.
- Sei kreativ: Variiere deine Trainingseinheiten, um dein Pferd zu motivieren.
- Gönn deinem Pferd Pausen: Überfordere dein Pferd nicht und gönn ihm regelmäßige Pausen.
Das Reiten "durchs Genick" ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess, der ständige Aufmerksamkeit und Anpassung erfordert. Mit Geduld, Konsequenz und dem richtigen Verständnis für dein Pferd kannst du dieses Ziel erreichen und eine harmonische Partnerschaft aufbauen.
Welche Herausforderungen hast du beim "Durchs Genick Reiten" bereits erlebt und welche Lösungsansätze haben dir geholfen?
