Wie Fühlt Sich Dissoziieren An

Kennst du das Gefühl, wenn du wie in einem Film sitzt und dich selbst beobachtest? Oder wenn deine Umgebung sich plötzlich unwirklich anfühlt, wie eine schlecht gerenderte Computerspielgrafik? Das könnte Dissoziation sein. Aber keine Panik, das ist kein Grund, sofort zum Arzt zu rennen. Lass uns mal eintauchen in die Welt des "Sich-Entfremdet-Fühlens".
Was genau ist Dissoziation überhaupt?
Dissoziation ist im Grunde eine Art mentaler Schutzmechanismus. Stell dir vor, dein Gehirn drückt auf einen "Pause"-Knopf, um dich vor überwältigenden Gefühlen oder Situationen zu schützen. Es trennt dich kurzzeitig von deinen Gedanken, Gefühlen, Erinnerungen oder sogar deinem Körper. Klingt dramatisch, ist aber oft harmloser als man denkt.
Es gibt verschiedene Formen der Dissoziation. Einige sind alltäglich und passieren uns fast allen mal. Zum Beispiel:
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- Tagträumen: Du bist in einem Meeting, aber gedanklich schon am Strand mit einem Cocktail.
- Autopilot: Du fährst Auto und plötzlich bist du da, ohne dich bewusst an die Strecke zu erinnern.
- Völlige Vertiefung: Du bist so in ein Buch oder einen Film vertieft, dass du alles um dich herum vergisst.
Diese leichten Formen sind völlig normal. Problematisch wird es, wenn die Dissoziation häufiger auftritt, intensiver ist und dein Leben beeinträchtigt.
Wie fühlt sich Dissoziation an?
Das ist die Millionen-Euro-Frage. Dissoziation kann sich für jeden anders anfühlen. Aber hier sind ein paar häufige Beschreibungen:

- Depersonalisation: Du fühlst dich von deinem Körper oder deinen Gefühlen getrennt. Es ist, als würdest du dich selbst von außen beobachten. "Ich fühlte mich wie ein Geist in meinem eigenen Leben."
- Derealisation: Deine Umgebung wirkt unwirklich, fremd oder verzerrt. Farben können blasser sein, Geräusche dumpfer. "Die Welt um mich herum fühlte sich an wie eine Kulisse."
- Gedächtnislücken: Du hast Schwierigkeiten, dich an bestimmte Ereignisse oder Zeiträume zu erinnern. Das kann von kurzen Blackouts bis hin zu längeren Amnesien reichen.
- Gefühl der emotionalen Taubheit: Du fühlst dich leer, emotionslos oder unfähig, Freude oder Trauer zu empfinden.
Es ist wichtig zu betonen, dass Dissoziation nicht gleichbedeutend mit einer psychischen Krankheit ist. Es ist ein Symptom, das bei verschiedenen psychischen Erkrankungen auftreten kann, wie z.B. Angststörungen, Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) oder dissoziativen Störungen. Aber auch Stress, Schlafmangel oder Drogenkonsum können Dissoziation auslösen.
Was tun, wenn ich mich dissoziiert fühle?
Hier ein paar Tipps, die dir helfen können, im Hier und Jetzt anzukommen:

- Erdungstechniken: Konzentriere dich auf deine Sinne. Was siehst du? Was hörst du? Was riechst du? Berühre etwas, das sich angenehm anfühlt, z.B. ein Kuscheltier oder ein Stück Stoff.
- Atemübungen: Atme tief ein und langsam wieder aus. Konzentriere dich auf deinen Atem. Das hilft, dein Nervensystem zu beruhigen.
- Bewegung: Ein kurzer Spaziergang, ein paar Dehnübungen oder sogar Tanzen können helfen, dich wieder mit deinem Körper zu verbinden.
- Achtsamkeit: Versuche, deine Gedanken und Gefühle wertfrei zu beobachten. Das hilft dir, sie nicht zu bewerten oder dich von ihnen überwältigen zu lassen.
- Kontakt zu anderen: Sprich mit einem Freund, Familienmitglied oder Therapeuten über deine Gefühle. "Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist halbes Leid."
Wichtig: Wenn du häufiger oder stark unter Dissoziation leidest, solltest du dir professionelle Hilfe suchen. Ein Therapeut kann dir helfen, die Ursachen deiner Dissoziation zu finden und Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen.
Dissoziation im Alltag
Dissoziation ist oft etwas, das im Verborgenen stattfindet. Viele Menschen schämen sich dafür oder wissen gar nicht, was mit ihnen los ist. Aber es ist wichtig zu wissen, dass du nicht allein bist. Viele Menschen erleben Dissoziation in irgendeiner Form. Und es gibt Wege, damit umzugehen.
Vielleicht fühlst du dich das nächste Mal, wenn du in einem langweiligen Meeting sitzt und gedanklich abschweifst, nicht mehr ganz so schlecht. Vielleicht erkennst du, dass es einfach eine natürliche Reaktion deines Gehirns ist, um mit der Situation fertig zu werden. Und vielleicht erinnerst du dich an die Erdungstechniken, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen. Denn letztendlich geht es darum, sich selbst besser zu verstehen und liebevoll mit sich umzugehen – auch wenn man sich mal kurzzeitig verliert.
