Vis Absoluta Vis Compulsiva

Okay, stellt euch vor: Ich stehe beim Bäcker, will mir ein Croissant gönnen (weil, verdient!), und plötzlich rempelt mich jemand an. Nicht böswillig, einfach ungeschickt. Ergebnis: Mein Croissant landet auf dem Boden. Super. In dem Moment dachte ich nur: "Verdammt! Und jetzt?" Aber im Nachhinein fiel mir auf: Ich hätte ja sauer werden können, hätte mich beschweren können. Aber ich war es irgendwie nicht. Ich hab's einfach hingenommen. Und genau da sind wir beim Thema: Vis Absoluta Vis Compulsiva.
Was zum Teufel bedeutet das überhaupt?
Ja, klingt erstmal nach Latein-LK-Trauma, ich weiß. Aber keine Panik! Im Grunde geht's um Gewalt – und zwar in zwei verschiedenen Ausprägungen. Stell dir das wie zwei Seiten derselben Medaille vor. (Oder wie zwei Croissants, eins heil, eins auf dem Boden... seufz).
Vis Absoluta bedeutet so viel wie "absolute Gewalt" oder "unwiderstehliche Gewalt". Denk dabei an Naturgewalten: Ein Erdbeben, ein Tsunami. Da hast du keine Chance. Da kannst du nichts machen. Deine Willensfreiheit ist komplett ausgeschaltet. Du bist machtlos. Punkt. (Ganz anders als bei der Croissant-Situation, da hätte ich ja theoretisch was tun können, oder?)
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Vis Compulsiva hingegen ist "zwingende Gewalt" oder "beugende Gewalt". Hier wird's ein bisschen tricky. Denn: Deine Willensfreiheit ist eingeschränkt, aber nicht komplett ausgeschaltet. Du hast noch eine Wahl, aber die Konsequenzen, wenn du dich nicht beugst, sind so gravierend, dass du im Grunde keine echte Alternative hast.
Ein paar Beispiele gefällig?
Vis Absoluta: Jemand wird von einem Hurrikan weggespült. Keine Chance zu entkommen, keine Möglichkeit, sich zu wehren. Die Gewalt ist allumfassend und unabwendbar.

Vis Compulsiva: Jemand wird mit einer Waffe bedroht und gezwungen, Geld auszuhändigen. Er könnte sich wehren (theoretisch!), aber das Risiko, verletzt oder getötet zu werden, ist so hoch, dass er sich gezwungen sieht, zu kooperieren. Verstehst du den Unterschied? Die Willensfreiheit ist noch da, aber massiv unter Druck.
Merke: Bei Vis Absoluta bist du ein passives Opfer einer unaufhaltsamen Kraft. Bei Vis Compulsiva hast du noch eine (wenn auch sehr eingeschränkte) Handlungsoption.

Warum ist das überhaupt wichtig?
Gute Frage! Vor allem im Strafrecht spielen diese Unterscheidungen eine große Rolle. Wenn jemand eine Straftat unter dem Einfluss von Vis Absoluta begeht, kann das strafmildernd oder sogar strafausschließend wirken. Schließlich war er ja gar nicht in der Lage, anders zu handeln. (Denk an den Typen, der vom Hurrikan ins Juweliergeschäft geweht wird und dann "versehentlich" eine Halskette einsteckt... okay, schlechtes Beispiel.)
Bei Vis Compulsiva ist es komplizierter. Hier wird genau geprüft, wie stark der Zwang wirklich war. Hätte der Täter wirklich keine andere Wahl gehabt? Oder gab es vielleicht doch einen Ausweg? (Der mit der Waffe Bedrohte hätte vielleicht... äh... wegrennen können? Okay, ist situationsabhängig.)

Wichtig: Es geht immer darum, die Schuld des Täters zu bewerten. War er wirklich frei in seinen Entscheidungen oder wurde er zu etwas gezwungen, das er eigentlich gar nicht wollte?
Und was lernen wir daraus?
Erstens: Latein ist gar nicht so unnütz, wie man denkt. Zweitens: Gewalt ist nicht gleich Gewalt. Es gibt feine, aber wichtige Unterschiede. Und drittens: Auch wenn uns das Leben manchmal zwingt, Dinge zu tun, die wir nicht wollen (wie zum Beispiel ein Croissant auf dem Boden liegen zu lassen), haben wir trotzdem immer noch eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Auch wenn sie manchmal schwer zu finden ist.
Und jetzt entschuldige ich mich, ich muss mir ein neues Croissant kaufen. Hoffentlich ohne Zwischenfälle. 😉
