Sturm Und Drang Motive

Okay, stellt euch vor: Ich sitze in einem Café in Berlin, draußen regnet es (wie fast immer gefühlt), und am Nachbartisch streiten sich zwei junge Leute so richtig heftig. Es geht um alles: Liebe, Leben, die Ungerechtigkeit der Welt, die blöden Eltern… Ein einziger Gefühlsausbruch! Und ich denke mir: Wow, das ist ja fast wie im Sturm und Drang. Nur ohne die komischen Perücken und das übertriebene Pathos. Oder vielleicht doch?
Denn genau darum geht es heute: Um die Motive, die den Sturm und Drang so… stürmisch und drängend gemacht haben. Was hat diese junge Generation im 18. Jahrhundert so auf die Barrikaden gebracht? Und warum klingt das Ganze manchmal so, als hätte jemand einen Vulkan mit einem Liebesbrief gekreuzt?
Das Leiden des jungen Werthers... und aller anderen
Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" ist natürlich das Paradebeispiel. Ein junger Mann, der an der Liebe, der Gesellschaft, am Leben überhaupt verzweifelt. Er ist ein Genie, das von der Welt nicht verstanden wird. Und genau das ist ein ganz zentrales Motiv: Die Ablehnung der Vernunft und des Konventionellen zugunsten von individueller Erfahrung und authentischen Gefühlen.
Must Read
Denkt mal drüber nach: Im Barock und in der Aufklärung ging es vor allem um Ordnung, Struktur, Vernunft. Alles sollte kontrolliert und berechenbar sein. Und dann kommen diese jungen Wilden und sagen: "Nö! Wir wollen fühlen! Wir wollen uns ausleben! Und wenn uns danach ist, schreien wir die ganze Welt an!"
(Klingt irgendwie nach der Pubertät, oder? Vielleicht ist der Sturm und Drang einfach die literarische Pubertät Europas? Nur so eine Idee…)

Natur! Freiheit! Genie!
Es gibt noch mehr wichtige Stichworte. Natur zum Beispiel. Die Sturm-und-Drang-Dichter haben die Natur als Gegenentwurf zur verknöcherten höfischen Gesellschaft gesehen. In der Natur konnte man sich frei fühlen, seine Gefühle ausleben, sich selbst finden.
Und natürlich die Freiheit. Die Freiheit von allen Zwängen und Konventionen. Die Freiheit, das zu tun, was man will, die Freiheit, zu lieben, wen man will (auch wenn das nicht immer gut ausgeht, wie wir bei Werther sehen…).

Und dann wäre da noch das Genie. Das Genie war für die Stürmer und Dränger nicht einfach nur ein talentierter Künstler. Es war jemand, der über besondere Fähigkeiten verfügte, der seine eigenen Gesetze schuf, der sich nicht an Konventionen hielt. Ein Rebell, ein Revolutionär, ein… ja, ein Genie eben!
Die dunkle Seite der Macht (äh, des Gefühls)
Aber es gab auch eine dunkle Seite. Die Verehrung des Gefühls konnte auch zu Exzess und Selbstzerstörung führen. Werther ist ja das beste Beispiel dafür. Er hat sich so sehr in seine Gefühle hineingesteigert, dass er am Ende keinen anderen Ausweg mehr sah als den Selbstmord.

Und das ist vielleicht auch eine Warnung, die wir aus dem Sturm und Drang mitnehmen können: Ja, Gefühle sind wichtig. Aber man sollte sich nicht von ihnen überwältigen lassen. Man sollte nicht vergessen, dass es auch noch andere Werte gibt, wie Vernunft, Verantwortung, Mitgefühl.
(Moment mal, habe ich gerade gesagt, dass man nicht alles auf die Gefühle setzen sollte? Bin ich etwa doch ein bisschen zu sehr Aufklärer?)

Warum ist das heute noch relevant?
Warum sollte uns das Ganze heute noch interessieren? Weil die Themen, die der Sturm und Drang behandelt hat, immer noch aktuell sind. Individuelle Freiheit, Authentizität, der Kampf gegen Konventionen – das sind alles Themen, die uns auch heute noch beschäftigen.
Und vielleicht können wir vom Sturm und Drang auch lernen, unsere eigenen Gefühle besser zu verstehen und zu akzeptieren. Aber eben auch, sie zu reflektieren und sie nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Sonst enden wir am Ende noch wie Werther…
Also, das nächste Mal, wenn ihr jemanden seht, der sich leidenschaftlich über die Ungerechtigkeit der Welt aufregt, denkt daran: Das ist vielleicht kein Sturm und Drang, aber es hat vielleicht doch ein bisschen damit zu tun. Und vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht.
