Sie Kommen Als Erster An Eine Unfallstelle Mit Verletzten.sie Sichern

Stell dir vor: Du bist unterwegs, vielleicht auf dem Weg zur Schule oder zum Sport, und plötzlich siehst du ein verunglücktes Auto am Straßenrand. Menschen sind verletzt. Was tust du? In solch einer Situation kann schnelles und richtiges Handeln Leben retten. Dieser Artikel richtet sich speziell an Schüler und junge Erwachsene wie dich und soll dir zeigen, wie du dich verhältst, wenn du als Erster an eine Unfallstelle kommst. Keine Panik, wir gehen es Schritt für Schritt durch!
Die Ruhe bewahren: Das A und O
Der erste Impuls ist oft Schock oder Angst. Aber: Tief durchatmen! Versuche, so ruhig wie möglich zu bleiben. Deine eigene Sicherheit hat oberste Priorität. Nur wenn du selbst in Sicherheit bist, kannst du anderen helfen. Denk daran, du bist ein Ersthelfer, keine Superheldin oder kein Superheld, der sich selbst in Gefahr bringt. Überlege kurz, bevor du handelst.
Schritt 1: Überblick verschaffen
Bevor du dich dem Unfallort näherst, verschaffe dir einen Überblick über die Situation. Was ist passiert? Wie viele Fahrzeuge sind beteiligt? Gibt es offensichtliche Gefahren, wie auslaufenden Treibstoff oder Rauchentwicklung? Wie viele Verletzte gibt es? Versuche, diese Fragen aus sicherer Entfernung zu beantworten. Je besser du informiert bist, desto besser kannst du helfen und den Notruf absetzen.
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Schritt 2: Die Unfallstelle absichern
Das Absichern der Unfallstelle ist extrem wichtig, um weitere Unfälle zu verhindern. Stelle dir vor, ein anderes Auto fährt ungebremst in die Unfallstelle hinein. Das muss verhindert werden! So gehst du vor:
- Warnweste anziehen: Bevor du die Straße betrittst, ziehe deine Warnweste an. Sie ist in jedem Auto Pflicht und sollte im Handschuhfach oder unter dem Fahrersitz zu finden sein.
- Warndreieck aufstellen: Das Warndreieck muss in ausreichender Entfernung zum Unfallort aufgestellt werden. Innerorts reichen 50 Meter, außerorts 100 Meter und auf Autobahnen sogar 200 Meter. Gehe am Straßenrand, niemals auf der Fahrbahn!
- Warnblinkanlage einschalten: Schalte die Warnblinkanlage deines Fahrzeugs ein, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen.
Denk daran: Die Absicherung dient deinem Schutz und dem der Unfallopfer!
Schritt 3: Notruf absetzen – Die 5 W-Fragen
Der Notruf ist lebensrettend. Wähle die 112 (europaweit gültig). Sprich ruhig und deutlich und beantworte die Fragen des Disponenten so präzise wie möglich. Merke dir die 5 W-Fragen:

- Wo ist der Unfallort? (Genaue Ortsangabe: Straße, Hausnummer, Kilometerangabe)
- Was ist passiert? (Unfallart: Verkehrsunfall, Brand, etc.)
- Wie viele Verletzte gibt es?
- Welche Art von Verletzungen liegen vor? (z.B. offene Wunden, Bewusstlosigkeit)
- Warten Sie auf Rückfragen! Beende das Gespräch erst, wenn der Disponent dies erlaubt.
Wichtig: Lege erst auf, wenn die Leitstelle keine weiteren Fragen mehr hat!
Schritt 4: Erste Hilfe leisten
Nachdem du den Notruf abgesetzt hast, beginnst du mit der Ersten Hilfe. Aber auch hier gilt: Eigene Sicherheit geht vor! Nähere dich den Verletzten vorsichtig. Sprich sie an, um herauszufinden, ob sie ansprechbar sind.
Hier sind einige grundlegende Maßnahmen der Ersten Hilfe:
- Bewusstlosigkeit: Überprüfe die Atmung. Wenn keine normale Atmung vorhanden ist, beginne mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW), falls du darin geschult bist. Andernfalls konzentriere dich auf die stabile Seitenlage, wenn die Person atmet.
- Starke Blutungen: Versuche, die Blutung zu stillen. Drücke mit einem sauberen Tuch oder Verband auf die Wunde. Wenn möglich, erhöhe die betroffene Extremität.
- Schock: Lagere die Beine des Verletzten hoch, sofern keine Verletzungen dagegen sprechen. Sprich beruhigend mit der Person und decke sie zu, um sie warm zu halten.
- Achte auf den Eigenschutz: Trage idealerweise Einmalhandschuhe, um dich vor Infektionen zu schützen.
Wichtig: Überfordere dich nicht! Leiste Erste Hilfe im Rahmen deiner Möglichkeiten. Es ist besser, etwas zu tun, als gar nichts. Auch beruhigende Worte können schon sehr hilfreich sein.

Schritt 5: Betreuung der Verletzten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
Bleibe bei den Verletzten, bis der Rettungsdienst eintrifft. Sprich mit ihnen, beruhige sie und informiere sie über die Situation. Erkläre ihnen, dass Hilfe unterwegs ist. Halte sie warm und achte auf Veränderungen ihres Zustands. Notiere dir wichtige Informationen, die du dem Rettungsdienst weitergeben kannst, z.B. Medikamente, die der Verletzte einnimmt, oder Allergien.
Denk daran: Deine Anwesenheit und deine beruhigenden Worte können für die Verletzten sehr wertvoll sein.
Was du nicht tun solltest
Neben den Dingen, die du tun solltest, gibt es auch einige Dinge, die du unbedingt vermeiden solltest:

- Keine unnötigen Bewegungen: Bewege Verletzte nur, wenn es unbedingt notwendig ist, z.B. um sie aus einem brennenden Fahrzeug zu retten. Andernfalls könnten Verletzungen verschlimmert werden.
- Keine eigenen Medikamente verabreichen: Gib Verletzten niemals Medikamente, auch wenn sie danach fragen.
- Keine Spekulationen: Äußere dich nicht zu den Unfallursachen. Das ist Sache der Polizei.
- Schaulustige: Werde nicht zum Schaulustigen. Hilf lieber mit oder gehe weiter. Schaulustige behindern die Rettungsarbeiten und können die Situation zusätzlich belasten.
Erste Hilfe Kurs – Investition in die Zukunft
Das Wichtigste, was du tun kannst, um dich auf eine solche Situation vorzubereiten, ist die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs. Dort lernst du die Grundlagen der Ersten Hilfe und kannst das Gelernte in praktischen Übungen anwenden. Viele Schulen bieten Erste-Hilfe-Kurse an. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Johanniter-Unfall-Hilfe oder der Malteser Hilfsdienst bieten regelmäßig Kurse an. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist nicht nur für den Führerschein wichtig, sondern auch für das Leben!
Wichtig: Frische dein Wissen regelmäßig auf. Die meisten Erste-Hilfe-Kurse sollten alle paar Jahre wiederholt werden.
Rechtliche Aspekte
In Deutschland ist jeder gesetzlich verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten, wenn er Zeuge eines Unfalls wird. Unterlassene Hilfeleistung ist eine Straftat und kann mit einer Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Keine Angst, du musst kein Experte sein. Es reicht, wenn du im Rahmen deiner Möglichkeiten hilfst. Wer nach bestem Wissen und Gewissen handelt, hat in der Regel nichts zu befürchten.
Merke: Es ist besser, etwas zu tun, als gar nichts!

Psychologische Nachbereitung
Ein Unfall kann eine traumatische Erfahrung sein. Es ist wichtig, die Erlebnisse zu verarbeiten. Sprich mit Freunden, Familie oder Lehrern über das, was du erlebt hast. Wenn du dich überfordert fühlst, scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Viele Hilfsorganisationen bieten psychologische Unterstützung für Ersthelfer an.
Denk daran: Deine psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie deine körperliche Gesundheit!
Fazit: Du kannst helfen!
Du siehst, auch als Schüler oder junger Erwachsener kannst du im Notfall wichtige Hilfe leisten. Indem du die Ruhe bewahrst, die Unfallstelle absicherst, den Notruf absetzt, Erste Hilfe leistest und die Verletzten betreust, kannst du Leben retten. Ein Erste-Hilfe-Kurs bereitet dich optimal auf solche Situationen vor und gibt dir das nötige Selbstvertrauen. Sei mutig, sei hilfsbereit und werde zum Lebensretter! Du hast das Zeug dazu!
Dieser Artikel soll dir eine erste Orientierung geben. Er ersetzt jedoch keinen Erste-Hilfe-Kurs. Nimm an einem Kurs teil und lerne, wie du im Notfall richtig handelst. Du wirst überrascht sein, wie viel du bewirken kannst!
