Seehr Geehrte Damen Und Herren

Kennen Sie das? Sie sitzen in einem stickigen Konferenzraum, die Overheadfolien flimmern vor Ihren Augen und eine Stimme, so trocken wie ein Keks in der Sahara, eröffnet das Meeting mit den Worten: "Sehr geehrte Damen und Herren..."
Oh ja, diese magischen Worte. Sie sind das deutsche Äquivalent zum Trommelwirbel vor dem Zirkusdirektor, nur dass statt eines brüllenden Löwen meistens Herr Meier aus der Buchhaltung die Manege betritt, um uns mit seinen Exceltabellen zu begeistern. (Mit Betonung auf begeistern.)
Was bedeutet das eigentlich?
Wörtlich übersetzt bedeutet "Sehr geehrte Damen und Herren" so viel wie "Sehr geehrte Damen und Herren". Überraschung! Aber es steckt natürlich mehr dahinter. Es ist die Standard-Grußformel, wenn man eine gemischte Gruppe von Leuten anspricht, deren Namen man nicht kennt oder bei formellen Anlässen. Stellen Sie sich vor, Sie schreiben eine E-Mail an eine Firma, wo Sie nur die Abteilung kennen, aber nicht den konkreten Ansprechpartner. Bingo! "Sehr geehrte Damen und Herren" ist Ihr bester Freund.
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Früher, zu Zeiten von Federkiel und Tintenfass, war das Ganze noch viel komplizierter. Da gab es "Hochwohlgeboren" und "Exzellenz" und all möglichen anderen Titeln, die man auswendig lernen musste, um nicht als unhöflich zu gelten. Zum Glück sind wir da etwas entspannter geworden. "Sehr geehrte Damen und Herren" ist quasi die abgespeckte Version für das 21. Jahrhundert. Man könnte es auch als das Basic-Abo der deutschen Höflichkeit bezeichnen.
Die Tücken des Alltags
Manchmal stolpert man trotzdem über diese Formulierung. Zum Beispiel, wenn man versehentlich eine E-Mail mit "Sehr geehrte Damen und Herren" an seinen besten Kumpel schickt, der garantiert mit "Alter, was ist los mit dir?" antwortet. Oder wenn man im Chat mit einer Gruppe von Freunden anfängt: "Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe eine wichtige Ankündigung zu machen..." Das sorgt garantiert für Lacher.

Und dann gibt es da noch die Momente, in denen man sich fragt: "Muss das wirklich sein?" Bei einer internen E-Mail an die Kollegen, mit denen man jeden Tag Kaffee trinkt und über die neuesten Netflix-Serien quatscht, wirkt "Sehr geehrte Damen und Herren" irgendwie... übertrieben. Da reicht ein lockeres "Hallo zusammen!" vollkommen aus.
Alternativen und Auswege
Aber was tun, wenn man "Sehr geehrte Damen und Herren" vermeiden möchte? Keine Panik! Es gibt Alternativen. Wenn Sie den Namen des Ansprechpartners kennen, nutzen Sie ihn! "Sehr geehrte Frau Müller," oder "Sehr geehrter Herr Schmidt," klingt viel persönlicher. Und wenn Sie eine gemischte Gruppe ansprechen und es etwas lockerer sein darf, probieren Sie es mal mit "Guten Tag zusammen," oder "Hallo allerseits!".

Oder Sie machen es wie der Radiomoderator, der einmal sagte: "Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, und alle anderen, die auch zuhören!". Kreativität ist erlaubt! Hauptsache, es kommt von Herzen.
Letztendlich ist "Sehr geehrte Damen und Herren" nur eine Floskel, ein Relikt aus einer anderen Zeit. Aber es ist auch ein Zeichen von Respekt und Höflichkeit. Und solange wir uns alle gegenseitig respektvoll behandeln, ist es doch egal, ob wir mit "Sehr geehrte Damen und Herren" oder "Hallo Leute!" anfangen. Wichtig ist, was danach kommt.

Also, das nächste Mal, wenn Sie diese Worte hören oder schreiben, denken Sie daran: Es ist nur der Keks in der Sahara, bevor der eigentliche Kuchen kommt. Und vielleicht, nur vielleicht, ist der Kuchen ja gar nicht so trocken, wie man befürchtet.
In diesem Sinne: Einen schönen Tag, und möge Ihr nächstes Meeting weniger "Sehr geehrte Damen und Herren" und mehr "Ah, das ist ja interessant!" beinhalten.
