Schön Dich Kennengelernt Zu Haben

Manchmal hasse ich es, ehrlich gesagt. Dieses höfliche Gedöns.
"Schön dich kennengelernt zu haben!" – Die Lüge unseres Lebens?
Klar, es klingt nett. Es ist freundlich. Aber ist es wirklich wahr? Hand aufs Herz, Leute. Wie oft habt ihr das gesagt und gedacht: "Bloß weg hier!"?
Ich plädiere für Ehrlichkeit. Oder zumindest... mehr Ehrlichkeit. Vielleicht ein kleines Augenzwinkern dazu.
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Neulich auf einer Party. Laute Musik, stickige Luft, und ich unterhalte mich mit jemandem über... irgendwas mit Versicherungen, glaube ich. Nach gefühlten drei Stunden (waren wahrscheinlich nur fünf Minuten) sagt er: "Schön dich kennengelernt zu haben!". Ich grinse, sage das Gleiche zurück und denke: "Hoffentlich nie wieder!".
War er ein schlechter Mensch? Nein! War das Gespräch furchtbar? Nicht wirklich. War es aber denkwürdig genug, um in mein persönliches "Best of"-Album aufgenommen zu werden? Definitiv nicht. Warum also diese überschwängliche Höflichkeit?
Ich behaupte: Weil wir Angst haben, unhöflich zu sein. Weil wir gelernt haben, dass man so etwas sagt. Es ist die soziale Schmiere, die das Getriebe am Laufen hält. Aber manchmal, verdammt nochmal, möchte ich das Getriebe einfach mal anhalten!
Ich würde so gerne sagen: "Es war... interessant." Oder: "Ich bin froh, dass wir das hinter uns haben." Oder mein absoluter Favorit: "Okay, bis dann... vielleicht!".

Stellt euch vor, wie ehrlich das wäre! Wie befreiend! Keine falschen Versprechungen, keine erzwungene Begeisterung. Nur die reine, unverfälschte Wahrheit. Natürlich würden einige Leute schockiert sein. Aber andere würden es lieben. Sie würden diese Ehrlichkeit schätzen. Vielleicht würden wir sogar echte Verbindungen knüpfen, anstatt nur höfliche Floskeln auszutauschen.
Okay, okay, ich übertreibe vielleicht ein bisschen. Ich will ja nicht gleich eine Revolution auslösen. Aber ein bisschen mehr Realismus in unserem Alltag wäre doch schön, oder?
Ich stelle mir eine Welt vor, in der man nach einem Gespräch sagt: "War okay." Oder: "Ich habe nichts bereut." Oder, wenn man wirklich ehrlich sein will: "Das war... unerwartet."
Und wenn man jemanden wirklich, wirklich mochte? Dann würde man sagen: "Hey, das war super! Lass uns das wiederholen!". Und das meine ich dann auch so.

Vielleicht ist meine Meinung unpopulär. Vielleicht bin ich ein hoffnungsloser Zyniker. Aber ich glaube, dass ein bisschen mehr Ehrlichkeit unserem sozialen Umgang guttun würde. Weniger oberflächliche Höflichkeit, mehr authentische Begegnungen.
Also, das nächste Mal, wenn ihr jemanden kennenlernt, fragt euch: Meint ihr das wirklich ernst? Oder sagt ihr es nur, weil es von euch erwartet wird?
Und wenn ihr es nicht ernst meint... vielleicht findet ihr ja eine kreativere Art, euch zu verabschieden. Eine, die nicht so... abgedroschen ist.
Vielleicht: "Ich muss dann mal wieder..." und dann huscht ihr einfach weg.

Oder: "Ich gehe jetzt die Katze füttern!" (auch wenn ihr gar keine Katze habt).
Oder, meine persönliche Lieblingsvariante: Einfach wortlos weglächeln und in der Menge verschwinden. Wie ein Ninja der sozialen Interaktion.
Ich weiß, ich weiß. Ich bin ein bisschen verrückt. Aber hey, wenigstens bin ich ehrlich. (Zumindest meistens. Außer wenn ich sage: "Schön dich kennengelernt zu haben!"... ihr wisst schon.)
Und was Johann Wolfgang von Goethe wohl dazu gesagt hätte? Wahrscheinlich etwas viel Tiefsinnigeres. Aber ich bin mir sicher, er hätte zumindest geschmunzelt.

Also, was meint ihr? Bin ich ein hoffnungsloser Fall? Oder teilt ihr meine "unpopuläre" Meinung?
Ehrlich jetzt!
P.S. "Schön dich kennengelernt zu haben!" (Ironie-Modus aktiviert)
