Point Of View Of Lord Of The Flies

William Goldings Herr der Fliegen (Lord of the Flies) ist ein Klassiker der englischen Literatur, der oft im Schulunterricht behandelt wird. Ein Schlüsselelement für das Verständnis der Geschichte ist das Verständnis des Erzählstandpunkts. Der Roman wird nicht von einem der Charaktere erzählt, sondern von einem auktorialen Erzähler.
Das bedeutet, der Erzähler steht außerhalb der Geschichte und hat einen allwissenden Blick auf die Ereignisse. Er kann in die Gedanken und Gefühle aller Charaktere eintauchen und kommentiert die Handlung, ohne selbst Teil von ihr zu sein. Dies ermöglicht es Golding, die Themen des Romans auf einer breiteren Ebene zu erkunden, als es aus der Perspektive eines einzelnen Charakters möglich wäre.
Der auktoriale Erzähler in der Anwendung
Der auktoriale Erzähler in Herr der Fliegen ist jedoch kein neutraler Beobachter. Golding nutzt ihn, um Ironie und Vorahnungen einzusetzen. Der Erzähler gibt dem Leser oft Hinweise auf zukünftige Ereignisse und lässt durch seine Kommentare erkennen, dass er mehr weiß, als die Charaktere selbst. Dies erzeugt eine Spannung und ein Gefühl des Unheils, das sich durch den gesamten Roman zieht.
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Ein Beispiel dafür ist die Beschreibung von Piggy. Der Erzähler betont immer wieder Piggys Intelligenz und Vernunft, aber auch seine körperliche Gebrechlichkeit und soziale Unbeholfenheit. Dies deutet von Anfang an an, dass Piggy in der rauhen Umgebung der Insel Schwierigkeiten haben wird und dass seine Stimme der Vernunft nicht gehört werden wird. Die Betonung von Piggys Brille als Symbol für Vernunft und Wissenschaft und ihr allmählicher Verlust und letztendliche Zerstörung ist ein klares Beispiel für diese Vorahnung.
Der auktoriale Erzähler ermöglicht es Golding auch, die innere Welt der Charaktere zu beleuchten. Wir erfahren von den Ängsten und Sehnsüchten von Ralph, den Machtphantasien von Jack und der wachsenden Verzweiflung von Simon. Diese Einblicke in die Psyche der Jungen sind entscheidend für das Verständnis ihrer Handlungen und der allmählichen Zerstörung ihrer Zivilisation.

Allerdings ist der Erzähler nicht immer eindeutig. Obwohl er allwissend ist, interpretiert er die Ereignisse nicht immer für den Leser. Oft überlässt er es dem Leser, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Dies macht den Roman zu einem herausfordernden und vielschichtigen Werk, das zu unterschiedlichen Interpretationen einlädt.
Warum dieser Standpunkt gewählt wurde
Die Wahl des auktorialen Erzählers ist für Goldings Absichten von entscheidender Bedeutung. Er wollte nicht nur eine Geschichte über eine Gruppe von Jungen erzählen, die auf einer Insel gestrandet sind. Er wollte eine Allegorie über die menschliche Natur und die Gefahren der Zivilisation schaffen. Durch den allwissenden Blickwinkel kann er universelle Themen wie die Natur des Bösen, die Bedeutung von Regeln und Ordnung und die Zerbrechlichkeit der menschlichen Zivilisation untersuchen.

Hätte Golding die Geschichte aus der Perspektive eines einzelnen Charakters erzählt, wäre der Fokus auf dessen persönliche Erfahrungen und Gefühle gerichtet gewesen. Der auktoriale Erzähler ermöglicht es ihm jedoch, einen Schritt zurückzutreten und die Ereignisse in einem breiteren Kontext zu betrachten. Er kann die Interaktionen zwischen den Jungen als Mikrokosmos der Gesellschaft darstellen und die dunklen Seiten der menschlichen Natur aufzeigen, die in jedem von uns lauern.
Ein weiterer Vorteil des auktorialen Erzählers ist die Möglichkeit, symbolische Bedeutung zu vermitteln. Der Erzähler kann bestimmte Gegenstände, Orte oder Ereignisse hervorheben und ihnen eine tiefere Bedeutung verleihen. Die Insel selbst wird zu einem Symbol für die menschliche Psyche, der Wald für das Unbewusste und das Feuer für die Hoffnung und die Verbindung zur Zivilisation.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Erzählstandpunkt in Herr der Fliegen ein wesentlicher Bestandteil des Romans ist. Der auktoriale Erzähler ermöglicht es Golding, eine komplexe und vielschichtige Geschichte zu erzählen, die weit über die Abenteuer einer Gruppe von Jungen auf einer Insel hinausgeht. Er nutzt den allwissenden Blickwinkel, um die Leser zu fesseln, sie zum Nachdenken anzuregen und ihnen eine düstere Vision der menschlichen Natur vor Augen zu führen.
