Kant Was Ist Aufklärung

Stell dir vor, du stehst am Rande eines Schwimmbeckens. Kristallklares Wasser, die Sonne scheint... aber du hast Angst zu springen. Jemand ruft dir zu: "Komm schon! Ist doch ganz einfach! Ich hab dir doch gesagt, wie man schwimmt!" Aber du zögerst. Du bist dir nicht sicher, ob du es wirklich kannst. Irgendwie ist es bequemer, am Beckenrand zu bleiben, oder? Kennst du das?
Genau das ist im Grunde die Frage, die sich Immanuel Kant mit seiner berühmten Schrift "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" gestellt hat. Es geht ums Selbst-Denken, ums Überwinden der eigenen Angst und Bequemlichkeit.
Faulheit und Feigheit: Die Hauptschuldigen
Kant argumentiert, dass die meisten Menschen nicht aufgeklärt sind, nicht weil es ihnen an Verstand mangelt, sondern weil sie zu faul und zu feige sind, ihren eigenen Verstand zu gebrauchen. Stell dir vor, es ist viel einfacher, sich auf andere zu verlassen, die einem sagen, was man denken soll. "Der Doktor weiß es besser", "Der Priester hat Recht", "Die Regierung kümmert sich schon". Ist ja auch bequem, oder? Man muss sich keine Gedanken machen, keine Verantwortung übernehmen.
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Aber Kant sagt: Nö! Das ist nicht der Weg! Er nennt diese Bequemlichkeit "Unmündigkeit". Und zwar eine selbstverschuldete Unmündigkeit! Das ist schon ein harter Vorwurf, oder? Selbstverschuldet. Das heißt, wir sind selbst schuld, wenn wir uns nicht trauen, selbst zu denken.
Der Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen!
Der Kernsatz der Aufklärung ist laut Kant: "Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!". Das ist wie der Anruf am Beckenrand: "Trau dich! Spring! Du schaffst das!". Aber diesmal geht es nicht ums Schwimmen, sondern ums Denken. Und das ist vielleicht noch ein bisschen gruseliger.

Aber warum ist das so wichtig? Weil nur wenn wir selbst denken, können wir wirklich frei sein. Wenn wir uns immer nur auf andere verlassen, sind wir wie Marionetten, die von anderen gelenkt werden. Und wer will das schon?
Kant glaubte nicht, dass jeder sofort alles hinterfragen muss. Er war kein Revolutionär im Sinne von "Stürzt alle Autoritäten!". Er sagte nur, dass es wichtig ist, dass jeder die Möglichkeit hat, seinen eigenen Verstand zu gebrauchen. Und dass es wichtig ist, dass wir uns nicht von Vorurteilen und Dogmen blenden lassen.

Öffentlicher und privater Vernunftgebrauch
Kant unterscheidet zwischen dem öffentlichen und dem privaten Vernunftgebrauch. Was zum Henker soll das bedeuten, fragst du dich jetzt vielleicht.
Ganz einfach: Der öffentliche Vernunftgebrauch ist das, was wir tun, wenn wir als Gelehrte oder Intellektuelle öffentlich über etwas diskutieren. Zum Beispiel, wenn ein Professor einen Artikel über ein bestimmtes Thema veröffentlicht und ihn zur Diskussion stellt. Hier muss es vollständige Freiheit geben. Wir dürfen alles hinterfragen, alles kritisieren.

Der private Vernunftgebrauch ist das, was wir tun, wenn wir in einer bestimmten Funktion arbeiten. Zum Beispiel, wenn ein Soldat einen Befehl erhält. Hier muss es eine gewisse Einschränkung geben. Der Soldat kann den Befehl vielleicht nicht gut finden, aber er muss ihn trotzdem ausführen (zumindest solange er im Dienst ist).
Kant argumentiert, dass es wichtig ist, dass der öffentliche Vernunftgebrauch immer frei sein muss, damit sich die Aufklärung ausbreiten kann. Denn nur durch die freie Diskussion können wir neue Erkenntnisse gewinnen und uns weiterentwickeln.

Ist die Aufklärung abgeschlossen?
Kant meinte: Nein! Wir leben in einer Zeit der Aufklärung, aber noch nicht in einem aufgeklärten Zeitalter. Das heißt, wir haben zwar die Möglichkeit, uns aufzuklären, aber wir sind noch lange nicht am Ziel.
Und, ganz ehrlich, ist das nicht auch heute noch relevant? Wie oft lassen wir uns von Meinungen in sozialen Medien beeinflussen, ohne sie zu hinterfragen? Wie oft glauben wir blindlings, was uns Politiker oder Influencer erzählen? Kant würde wahrscheinlich sagen: "Leute, wacht auf! Benutzt euren Verstand!".
Also, was lernen wir daraus? Hab Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Spring ins kalte Wasser! Es ist vielleicht ein bisschen beängstigend, aber es lohnt sich. Denn nur so kannst du wirklich du selbst sein. Und wer will das nicht?
