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Gestalt Aus Götz Von Berlichingen


Gestalt Aus Götz Von Berlichingen

Also, mal ehrlich. Götz von Berlichingen, der mit der eisernen Hand? Überbewertet! Ich weiß, ich weiß. Das ist ungefähr so, als würde man sagen, dass Schokolade nicht schmeckt oder Katzen blöd sind. Unpopulär. Aber hört mir zu.

Klar, er war ein Ritter. Cool! Mit einer eisernen Hand. Doppel-cool! Und er soll ein freier Reichsritter gewesen sein, der sich gegen die Obrigkeit aufgelehnt hat. Das klingt nach Robin Hood in Rüstung. Nur... war er das wirklich?

Ich habe da so meine Zweifel. Er war ja nicht gerade ein friedlicher Samariter. Raubrittertum war sein Hobby, quasi sein Nebenjob. Er hat Kaufleute überfallen, Burgen belagert und sich wahrscheinlich ins Fäustchen gelacht, wenn er mal wieder einen fetten Beutezug gelandet hat. Ist das wirklich so heldenhaft?

Versteht mich nicht falsch. Ich bewundere Leute, die für ihre Überzeugungen einstehen. Aber Götz' Überzeugungen schienen sich hauptsächlich um das Anhäufen von Reichtum zu drehen. Und darum, anderen Leuten das Leben schwer zu machen. Nicht so prickelnd.

Und dann kommt noch Goethe ins Spiel. Der hat Götz zu einer Art Nationalhelden hochstilisiert. Sein Drama "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" ist ja ganz nett, aber es hat mit der Realität wahrscheinlich so viel zu tun wie "Star Wars" mit der Raumfahrt. Goethe hat den Kerl einfach so umgeschrieben, dass er ins romantische Bild vom tapferen Rebellen passt. Marketing vom Feinsten, würde ich sagen. Aber eben auch: Falsch.

Gotz von Berlichingen. In dreifacher Gestalt - купить с доставкой по
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Okay, ich gebe zu, die Szene mit dem "Leck mich am Arsch" ist legendär. Wer hat das noch nicht zitiert? Aber macht das allein schon einen Helden? Ich kenne Leute, die wesentlich kreativere Beleidigungen draufhaben. Und die haben noch nie jemanden ausgeraubt. Nur mal so gesagt.

Was ich eigentlich sagen will: Lasst uns doch mal die rosarote Brille abnehmen und den Götz so sehen, wie er wahrscheinlich war: Ein ziemlicher Raubauz. Ein Mann seiner Zeit, klar. Aber eben kein strahlender Held, sondern eher ein Opportunist mit einer Vorliebe für Beute und einem losen Mundwerk.

Götz von Berlichingen. Begleitmaterial - Johann Wolfgang von Goethe
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Die Sache mit der "Gestalt"

Jetzt kommt der philosophische Teil. Die Gestalt. Was bedeutet das eigentlich im Zusammenhang mit Götz? Nun, die Gestaltpsychologie sagt ja, dass wir Dinge als Ganzes wahrnehmen und nicht nur als Summe ihrer Einzelteile. Wir konstruieren uns ein Bild. Und genau das ist mit Götz passiert.

Wir haben uns eine Gestalt von ihm geschaffen. Ein Bild vom tapferen Ritter, der für seine Freiheit kämpft. Obwohl die Einzelteile – Raubrittertum, Eigennutz, fragwürdige Moral – eigentlich ein ganz anderes Bild ergeben würden. Wir haben die Teile so zusammengefügt, dass sie in unsere Vorstellung von einem Helden passen.

"Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" online kaufen
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Das ist ja auch menschlich. Wir brauchen Helden. Wir brauchen Vorbilder. Aber müssen es unbedingt die falschen sein? Gibt es nicht genug echte Helden in der Geschichte, die wirklich etwas Gutes getan haben? Anstatt einen Raubritter zum Nationalheiligen zu erklären?

Ich sage nicht, dass wir Götz komplett vergessen sollen. Er ist Teil unserer Geschichte. Aber vielleicht sollten wir ihn mal kritisch hinterfragen. Ihn nicht einfach blindlings als Helden verehren, sondern uns bewusst machen, dass unsere Wahrnehmung von ihm vielleicht verzerrt ist. Dass die Gestalt, die wir uns von ihm geschaffen haben, nicht unbedingt der Realität entspricht.

Das Goethezeitportal: Goethes "Götz von Berlichingen" in Illustrationen
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Und vielleicht, nur vielleicht, finden wir dann Platz für echte Helden. Solche, die es wirklich verdient haben. Und die nicht nur eine eiserne Hand, sondern auch ein goldenes Herz hatten.

Also, wer stimmt mir zu? Oder bin ich jetzt komplett unten durch?

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