Es Wird Gegessen Was Auf Den Tisch Kommt

Kennt ihr das? Man kommt hungrig nach Hause, freut sich auf das Abendessen, und dann steht da...Spinat. Oder Linsensuppe. Oder Rosenkohl. Seufz. Dann kommt einem dieser eine Satz in den Sinn, der sich wie ein Mantra durch deutsche Küchen zieht: "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!"
Die ungeschriebenen Gesetze des Esstisches
Dieser Satz ist mehr als nur eine Aufforderung. Er ist ein Versprechen. Eine Drohung. Ein kulturelles Erbe. Er ist das deutscheste aller deutschen Dinge, direkt nach dem Reinheitsgebot und dem Tatort. Er verkörpert Disziplin, Sparsamkeit, und die tiefe Überzeugung, dass Lebensmittelverschwendung eine Todsünde ist. Und ja, manchmal auch ein bisschen die Freude am Leid des Kindes, das lieber Pommes hätte.
Stellt euch vor: Sonntagmittag. Braten. Klöße. Rotkohl. Alles dampft und duftet. Aber plötzlich entdeckt Klein-Erika, dass der Rotkohl mit Kümmel gewürzt ist. Kümmel! Das absolute No-Go! Erika windet sich, weint fast. Aber Mama (oder Oma, noch schlimmer!) bleibt hart: "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!" Erika kämpft. Sie schiebt den Rotkohl unauffällig unter den Kloß. Sie versucht, ihn heimlich dem Hund zuzustecken. Aber nichts hilft. Der Rotkohl bleibt. Und Erika muss ihn essen. Oder zumindest so tun.
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Das Ganze ist natürlich leicht überspitzt, aber der Kern bleibt: Generationen von Kindern in Deutschland sind mit dieser Devise groß geworden. Und sie hat uns geprägt. Hat sie uns traumatisiert? Vielleicht ein bisschen. Aber hat sie uns auch widerstandsfähiger gemacht? Definitiv! Wir haben gelernt, dass man nicht immer alles haben kann, was man will. Und dass man auch mal etwas essen muss, das nicht unbedingt die Lieblingsspeise ist.
Die positiven Seiten des "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt"
Bevor ihr jetzt alle aufschreit und mich für unbarmherzig haltet: Es gibt auch gute Seiten an dieser Erziehungsmaßnahme. Erstens: Sie fördert die Wertschätzung für Lebensmittel. Wenn man weiß, dass es keine Alternative gibt, überlegt man sich zweimal, ob man wirklich etwas auf dem Teller liegen lässt. Zweitens: Sie kann dazu beitragen, dass man seinen Horizont erweitert und auch mal Gerichte probiert, die man sonst gemieden hätte. Wer weiß, vielleicht entdeckt man ja sogar eine neue Lieblingsspeise! (Okay, wahrscheinlich nicht Rosenkohl, aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.)

Und drittens: Sie stärkt den Familienzusammenhalt. Gemeinsames Essen am Tisch ist wichtig. Und wenn alle das Gleiche essen müssen, gibt es weniger Streit und Gezänk. Okay, es gibt immer noch Streit darüber, wer den letzten Kloß bekommt, aber das ist ja dann wieder eine andere Geschichte.
Also, was lernen wir daraus? "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt" ist vielleicht nicht die modernste Erziehungsmethode. Aber sie hat ihre Berechtigung. Und sie ist ein fester Bestandteil der deutschen Esskultur. Sie ist ein bisschen wie Sauerkraut – gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie auch unverzichtbar.

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss los. Meine Mutter hat Linsensuppe gekocht. Und ihr wisst ja, was das bedeutet...
Ein kleiner Trick für alle "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt"-Geschädigten:
Wenn es wirklich gar nicht geht: Kleine Mengen essen. Und ganz, ganz langsam kauen. Irgendwann ist es vorbei! Und denkt daran: Morgen gibt es vielleicht wieder Schnitzel mit Pommes!

Und noch ein Tipp für die Eltern: Zwingt eure Kinder nicht, alles aufzuessen. Eine kleine Portion genügt. Und versucht, gesunde Gerichte schmackhaft zuzubereiten. Mit ein bisschen Kreativität und Liebe zum Detail lässt sich fast jedes Gemüse in ein kulinarisches Highlight verwandeln. (Fast!)
Aber merkt euch: Manchmal muss es einfach Linsensuppe geben. Und manchmal muss man einfach sagen: "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!" (Aber bitte mit einem Augenzwinkern.) Denn am Ende des Tages geht es ja nicht nur ums Essen, sondern auch um die Liebe, die dahinter steckt. Die Liebe, die uns dazu bringt, für unsere Lieben zu kochen. Und die Liebe, die uns dazu bringt, auch mal etwas zu essen, das uns nicht ganz so gut schmeckt.
Guten Appetit!
