Ein Jahr In Der Juilliard School Von New York

Okay, stellt euch vor: Ich stehe mitten in Manhattan, eine gefühlt tonnenschwere Geige unter dem Kinn, und versuche, den perfekten Pizzicato-Anschlag für Tschaikowsky's Violinkonzert zu finden. Der Blick schweift über die Lincoln Center Plaza, und ich denke: "Wow, hier bin ich also wirklich. Ein Jahr Juilliard. Krass." Es war ein Moment, der sich anfühlt, als hätte ihn ein Hollywood-Regisseur inszeniert. Nur, dass mein Regisseur wohl eher auf Indie-Filme steht, mit viel Realismus und noch mehr Schweiß.
Aber genau darum geht es ja: Ein Jahr an der Juilliard School in New York ist eben kein Hollywood-Dreh, sondern harte Arbeit, ungefilterte Emotionen und verdammt viel Üben. (Ja, ich habe gerade "verdammt" gesagt. Musste mal raus.) Und ich will euch heute ein bisschen mitnehmen auf diese Achterbahnfahrt, quasi mein ganz persönliches Juilliard-Tagebuch.
Die Audition – Oder: Wie werde ich überhaupt angenommen?
Fangen wir mal ganz von vorne an: Die Audition. Oh mein Gott, die Audition. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so viel Lampenfieber gehabt. Es fühlte sich an, als würde die gesamte Violin-Welt auf meinen Schultern lasten. Und dann diese Jury! Strenge Gesichter, perfekte Haltung, die Aura von: "Beeindruck uns!"
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Ich hatte mir geschworen, bloß nicht zu zittern. Hat natürlich super geklappt. (Ironie-Alarm!). Aber hey, ich habe es irgendwie durchgezogen. Und dann, Wochen später, kam diese E-Mail. "Congratulations…". Ich konnte es kaum glauben! Und ehrlich gesagt, glaube ich es manchmal immer noch nicht. Also, falls ihr euch jemals fragt, ob ihr gut genug seid: Traut euch! Schickt die Bewerbung ab. Was habt ihr zu verlieren?
Der Alltag – Mehr als nur Notenlesen
Das Leben an der Juilliard ist intensiv. Es ist nicht nur der Unterricht, die Ensembles und das ständige Üben (ja, wirklich ständig!). Es ist auch die Atmosphäre, die einen umgibt. Überall talentierte, leidenschaftliche Menschen, die für ihre Kunst brennen. Das ist unglaublich inspirierend, aber auch verdammt anstrengend. Man vergleicht sich ständig mit anderen, hinterfragt sich selbst und seine Fähigkeiten.

Man lernt aber auch, mit diesem Druck umzugehen. Man lernt, dass Perfektion eine Illusion ist, und dass es viel wichtiger ist, authentisch zu sein und seinen eigenen Weg zu finden. (Klingt kitschig? Ist es vielleicht auch ein bisschen. Aber trotzdem wahr!)
Und dann sind da natürlich noch die kleinen Momente: Die inspirierenden Gespräche mit Dozenten, die unvergesslichen Konzerte in der Alice Tully Hall, die spontanen Jam-Sessions in den Übungsräumen. Diese Momente, in denen man spürt, dass man Teil von etwas Besonderem ist.

New York – Die Stadt, die niemals schläft (und dich auch nicht)
Okay, wir reden hier von New York City! Die Kulturhauptstadt der Welt. Klar, die Juilliard ist ein abgeschlossenes Universum für sich, aber die Stadt ist immer präsent. Man geht in ein Konzert in der Carnegie Hall (Gänsehaut garantiert!), besucht eine Ausstellung im MoMA oder schlendert einfach nur durch den Central Park. Die Stadt ist eine endlose Quelle der Inspiration und Ablenkung. (Und manchmal ist die Ablenkung auch bitter nötig, um dem Übungsraum zu entfliehen.)
Das Leben in New York ist natürlich auch teuer. Sehr teuer. Da muss man kreativ werden, um über die Runden zu kommen. Aber irgendwie schafft man es immer. Und die Erfahrung ist jeden Cent wert.

Was bleibt – Mehr als nur eine Geige im Koffer
Ein Jahr Juilliard war mehr als nur ein Jahr Musikstudium. Es war eine Reise zu mir selbst. Ich habe gelernt, meine Grenzen zu überwinden, meine Stärken zu erkennen und meine Schwächen zu akzeptieren. Ich habe Freunde gefunden, die zu meiner Familie geworden sind. Und ich habe eine tiefe Wertschätzung für die Kunst und die Musik entwickelt.
Wenn mich jemand fragt, ob ich es nochmal machen würde, wäre meine Antwort ein klares Ja. Auch wenn es hart war, anstrengend und manchmal frustrierend. Es war die beste und prägendste Erfahrung meines Lebens. Also, falls ihr mit dem Gedanken spielt, euch zu bewerben: Tut es! Es könnte euer Leben verändern.
Und jetzt entschuldigt mich, ich muss üben. Tschaikowsky wartet schließlich nicht. 😉
