Die Kirschen Von Wolfgang Borchert

Kennt ihr das? Manchmal hängt man so richtig fest. Wie in einer Endlosschleife. Letztens wollte ich nur kurz zum Supermarkt, um Milch zu holen. Zack! War ich zwei Stunden weg. Irgendwie bin ich dann durch die halbe Stadt getingelt, hab mir 'nen Döner geholt, bin noch kurz in 'nen Buchladen... Milch? Komplett vergessen! So ähnlich geht's ja auch den Charakteren in Wolfgang Borcherts Geschichten. Die wollen auch nur irgendwas Einfaches, aber landen dann ganz woanders, meistens nicht so prickelnd. Kommt euch bekannt vor, oder? 😉
Und genau da kommen wir zu Wolfgang Borchert und seinen "Kirschen". Genauer gesagt, zur Kurzgeschichte "Die Kirschen". Ein kleines Meisterwerk, das aber 'ne ganz schön große Wucht hat.
Okay, worum geht's? Kurze Zusammenfassung: Ein Vater will seinem kleinen, kranken Sohn Kirschen besorgen. Ist ja auch total lieb, oder? Aaaaber... es ist Nachkriegsdeutschland. Alles ist kaputt, die Leute sind am Ende, und Kirschen sind ein Luxus. Der Vater klaut die Kirschen also. Weil er seinem Sohn eine Freude machen will. Und dann? Findet der Sohn die Kirschen eklig und will sie nicht essen. Bäm!
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Was ist die Message?
Tja, was ist die Message? Ist der Vater jetzt ein Held, weil er klaut? Oder ein Idiot, weil er sich so abmüht und am Ende alles umsonst ist? Borchert gibt uns keine einfache Antwort. Und das ist ja das Geniale an ihm. Er zeigt uns einfach die Realität, so wie sie ist: kompliziert, widersprüchlich und oft auch ziemlich scheiße. Die Nachkriegszeit war hart. Punkt.
Borchert war selbst Kriegsteilnehmer und hat viel Leid gesehen. Das spürt man in seinen Texten. Es geht um Schuld, Verantwortung, Hoffnungslosigkeit und die Frage, wie man überhaupt noch Mensch sein kann, wenn alles um einen herum zerbricht. Die Kirschen sind also mehr als nur Kirschen. Sie stehen für all die kleinen Gesten der Liebe und Menschlichkeit, die in einer kaputten Welt trotzdem möglich sind. Und für die Frage, ob diese Gesten überhaupt noch etwas bedeuten, wenn das Leid so groß ist.

Findet ihr das jetzt total deprimierend? Kann ich verstehen. Aber Borchert ist nicht nur ein Pessimist. Er zeigt uns auch, dass selbst in den dunkelsten Zeiten noch ein Funken Hoffnung glimmt. Die Tatsache, dass der Vater überhaupt versucht, seinem Sohn eine Freude zu machen, ist ja schon mal was, oder? Auch wenn's am Ende nicht klappt.
Und mal ehrlich: Wer von uns hat noch nie versucht, irgendwas "Gutes" zu tun, und ist dann grandios gescheitert? (Hand hoch! 😉) Das Leben ist halt nicht immer ein Ponyhof. Und Borchert scheut sich nicht, uns das ins Gesicht zu schleudern. Aber eben auf eine so ehrliche und berührende Art, dass man ihm einfach zuhören muss.

Warum ist Borchert wichtig?
Warum Borchert auch heute noch wichtig ist? Weil seine Themen zeitlos sind. Krieg, Armut, soziale Ungerechtigkeit – das gibt's ja leider immer noch. Und die Frage, wie wir als Menschen damit umgehen, ist aktueller denn je. Borchert zwingt uns, hinzuschauen. Er rüttelt uns wach. Und er zeigt uns, dass wir nicht allein sind mit unseren Ängsten und Zweifeln.
Außerdem ist Borchert ein Meister der Sprache. Seine Sätze sind kurz, prägnant und voller Kraft. Er braucht keine langen Erklärungen, um uns die Verzweiflung seiner Figuren spüren zu lassen. Lest "Die Kirschen" einfach mal laut vor. Ihr werdet merken, was ich meine.

Also, was lernen wir daraus? Vielleicht, dass wir öfter mal Kirschen klauen sollten? (Nein, natürlich nicht! Bitte nicht klauen! 😉) Sondern vielleicht eher, dass wir die kleinen Gesten der Menschlichkeit schätzen sollten. Auch wenn sie manchmal nicht so funktionieren, wie wir uns das vorstellen. Und dass wir nicht aufhören sollten, zu hoffen. Auch wenn's schwerfällt.
Und vielleicht, dass man sich beim Einkaufen besser 'nen Zettel schreibt, damit man nicht die Milch vergisst. Nur so 'ne Idee... 😉
