Death Of The Author Barthes

Die "Der Tod des Autors" ist ein Essay des französischen Literaturkritikers und Theoretikers Roland Barthes, veröffentlicht im Jahr 1967. Es ist ein grundlegendes und kontroverses Werk der Literaturtheorie, das die traditionelle Vorstellung von der Autorität des Autors über sein Werk in Frage stellt.
Im Kern argumentiert Barthes, dass die Interpretation eines Textes nicht von der Intention des Autors abhängen sollte. Stattdessen sollte die Bedeutung im Text selbst gefunden werden, und zwar durch die Interaktion des Lesers mit dem Text.
Die Entthronung des Autors
Traditionell wurde der Autor als die Quelle und der Ursprung der Bedeutung eines Textes angesehen. Man ging davon aus, dass der Autor eine bestimmte Botschaft oder Intention hatte und dass der Leser diese entschlüsseln musste, um den Text richtig zu verstehen. Barthes lehnt diese Vorstellung jedoch ab.
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Er argumentiert, dass sobald ein Text veröffentlicht ist, er sich vom Autor löst und ein eigenständiges Leben beginnt. Der Autor hat keinen direkten Einfluss mehr darauf, wie der Text gelesen und interpretiert wird. Barthes schreibt: "Die Schrift ist die Zerstörung jeder Stimme, jeder Herkunft." Damit meint er, dass die Schrift, das Schreiben selbst, die Idee einer einzelnen, authentischen Stimme des Autors untergräbt.
Die Idee des "Todes des Autors" ist also kein wörtlicher Todesfall. Es ist vielmehr eine theoretische Konzeption, die besagt, dass die Autorschaft als zentrale Interpretationsinstanz irrelevant geworden ist.

Die Geburt des Lesers
Wenn der Autor stirbt, wer tritt dann an seine Stelle? Laut Barthes ist es der Leser. Der Leser wird zum aktiven Schöpfer der Bedeutung. Jeder Leser bringt seine eigenen Erfahrungen, sein eigenes Wissen und seine eigenen Perspektiven in den Text ein, und dies beeinflusst seine Interpretation.
Dies bedeutet nicht, dass jede Interpretation richtig ist. Es bedeutet aber, dass es keine endgültige, vom Autor vorgegebene Interpretation gibt. Der Text ist ein offenes Feld für Interpretationen, die von der Interaktion zwischen dem Text und dem Leser abhängen.
Barthes schreibt: "Die Einheit eines Textes liegt nicht in seinem Ursprung, sondern in seinem Ziel." Mit "Ziel" meint er den Leser, den Ort, an dem die verschiedenen Bedeutungsebenen des Textes zusammenlaufen.

Implikationen und Kritik
Die Theorie des "Todes des Autors" hatte einen enormen Einfluss auf die Literaturtheorie und die Geisteswissenschaften im Allgemeinen. Sie hat dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit auf die Rolle des Lesers zu lenken und die Vorstellung von der Subjektivität der Interpretation zu betonen.
Allerdings wurde sie auch kritisiert. Einige Kritiker argumentieren, dass die Theorie zu einem relativistischen Verständnis von Bedeutung führt, bei dem jede Interpretation gleichwertig ist. Dies könnte zu einer Auflösung jeglicher Standards für eine kritische Analyse führen.

Andere argumentieren, dass die Theorie die historischen und kulturellen Kontexte, in denen ein Text entstanden ist, vernachlässigt. Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass ein Text in einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort geschrieben wurde und dass dies seine Bedeutung beeinflussen kann.
Trotz dieser Kritik bleibt "Der Tod des Autors" ein wichtiges und anregendes Werk. Es hat uns dazu gezwungen, unsere Vorstellungen von Autorschaft, Bedeutung und Interpretation zu überdenken. Es lehrt uns, dass Lesen ein aktiver und kreativer Prozess ist, bei dem wir selbst eine wichtige Rolle spielen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Barthes' "Der Tod des Autors" nicht die physische Auslöschung eines Schriftstellers fordert, sondern vielmehr die Verschiebung der Aufmerksamkeit von der Autorintention zur vielschichtigen und dynamischen Beziehung zwischen Text und Leser. Es ist eine Aufforderung, die Polyphonie der Bedeutung zu akzeptieren und die kreative Kraft des Lesers anzuerkennen.
