Das Siebte Kreuz Von Anna Seghers

Das Siebte Kreuz, geschrieben von Anna Seghers im Exil und 1942 veröffentlicht, ist einer der bedeutendsten Antifaschismus-Romane der deutschen Literatur. Es schildert die Flucht sieben politischer Gefangener aus einem Konzentrationslager in Rheinhessen im Jahr 1937, und fokussiert insbesondere auf das Schicksal Georg Heislers und die Reaktionen der Bevölkerung auf die Verfolgung durch die Nationalsozialisten.
Der Roman ist weit mehr als eine bloße Abenteuergeschichte. Seghers gelingt es, ein komplexes und vielschichtiges Bild der deutschen Gesellschaft unter der NS-Diktatur zu zeichnen, indem sie unterschiedliche Perspektiven und Charaktere beleuchtet. Es geht um Widerstand, Opportunismus, Mitläufertum und die Frage nach der individuellen Verantwortung in einer Zeit politischer Repression.
Handlung im Überblick
Die Geschichte beginnt mit der Flucht sieben Gefangener aus dem Konzentrationslager Westhofen in Rheinhessen. Der Lagerkommandant Fahrenberg lässt daraufhin sieben Kreuze auf dem Appellplatz errichten, an denen die Geflüchteten bei Wiederergreifung gekreuzigt werden sollen. Georg Heisler, einer der Gefangenen und ein überzeugter Kommunist, gelingt es als einzigem, zu entkommen.
Must Read
Die darauffolgende Handlung konzentriert sich auf Heislers gefährliche Flucht durch verschiedene Städte und Dörfer der Region. Er ist ständig auf der Hut vor der Gestapo und muss sich auf die Hilfe und Unterstützung von Freunden und Sympathisanten verlassen. Gleichzeitig wird die Atmosphäre der Angst und des Misstrauens in der Bevölkerung deutlich spürbar.
Die Reaktionen der Menschen auf Heislers Flucht sind vielfältig. Einige riskieren ihr Leben, um ihm zu helfen, indem sie ihm Unterschlupf gewähren oder ihn mit Lebensmitteln versorgen. Andere sind aus Angst um ihre eigene Sicherheit nicht bereit, ihm zu helfen, oder verraten ihn sogar. Wieder andere sind gleichgültig oder befürworten die Verfolgung politischer Gegner.

Themen und Motive
Das Siebte Kreuz behandelt eine Vielzahl von zentralen Themen, die für das Verständnis der NS-Zeit von Bedeutung sind:
- Widerstand: Der Roman zeigt verschiedene Formen des Widerstands gegen das NS-Regime, von offenem Protest bis hin zu stillschweigender Unterstützung von Verfolgten. Heisler selbst verkörpert den aktiven Widerstand, während andere Charaktere durch kleine Akte der Menschlichkeit und Solidarität Widerstand leisten.
- Angst und Terror: Die allgegenwärtige Angst vor Verfolgung und Denunziation prägt das Leben der Menschen und führt zu Misstrauen und sozialer Isolation. Der Terror des NS-Regimes wird als ein Instrument der Macht dargestellt, das die Bevölkerung einschüchtern und unterdrücken soll.
- Moralische Verantwortung: Der Roman wirft die Frage auf, inwieweit der Einzelne für die Taten des Staates verantwortlich ist und welche Möglichkeiten er hat, sich dem Unrecht zu widersetzen. Die verschiedenen Charaktere werden mit moralischen Dilemmata konfrontiert und müssen Entscheidungen treffen, die weitreichende Konsequenzen haben.
- Solidarität und Menschlichkeit: Trotz der allgegenwärtigen Angst und des Misstrauens gibt es auch Beispiele für Solidarität und Menschlichkeit. Die Hilfsbereitschaft einiger Menschen gegenüber Heisler zeigt, dass auch in einer Zeit der Unterdrückung menschliche Werte noch von Bedeutung sind.
Das Motiv des Kreuzes spielt eine zentrale Rolle im Roman. Die sieben Kreuze symbolisieren nicht nur die Brutalität des NS-Regimes, sondern auch die Hoffnung auf Erlösung und Befreiung. Dass eines der Kreuze leer bleibt, unterstreicht die Möglichkeit des Widerstands und die Hoffnung auf ein Ende der Diktatur.

Sprache und Stil
Seghers verwendet eine einfache und präzise Sprache, um die Geschichte zu erzählen. Sie verzichtet auf pathetische Übertreibungen und konzentriert sich stattdessen auf die Darstellung der Fakten und die Schilderung der menschlichen Schicksale. Ihre realistische Erzählweise verleiht dem Roman eine hohe Glaubwürdigkeit und macht ihn zu einem eindringlichen Zeugnis der NS-Zeit.
Charakteristisch für Seghers' Stil ist die Verwendung von inneren Monologen und erlebter Rede, um die Gedanken und Gefühle der Charaktere zu verdeutlichen. Sie wechselt häufig die Perspektive, um ein umfassendes Bild der Situation zu zeichnen und die unterschiedlichen Standpunkte der Beteiligten zu beleuchten.

Bedeutung und Rezeption
Das Siebte Kreuz gilt als einer der wichtigsten Antifaschismus-Romane der deutschen Literatur und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Der Roman trug maßgeblich zur Aufklärung über die Verbrechen des NS-Regimes bei und hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.
Die Verfilmung des Romans im Jahr 1944 mit Spencer Tracy in der Hauptrolle trug zusätzlich zur Popularität des Werkes bei. Obwohl die Verfilmung einige inhaltliche Änderungen vornahm, vermittelte sie dennoch die zentrale Botschaft des Romans und erreichte ein breites Publikum.
Das Siebte Kreuz ist nicht nur ein historisches Dokument, sondern auch ein Appell an die Menschlichkeit und ein Mahnmal gegen jede Form von Unterdrückung und Gewalt. Der Roman erinnert daran, dass es wichtig ist, sich gegen Unrecht zu wehren und die Würde des Menschen zu verteidigen.
