Das Innere Team Schulz Von Thun

Kennst du das? Du stehst vor dem Kühlschrank, willst eigentlich nur einen Apfel, aber eine innere Stimme flüstert: "Schokopudding! Mit Sahne! Los, trau dich!" Und dann gibt es noch diese Stimme, die mahnt: "Denk an deine Bikini-Figur! Und an deinen Cholesterinspiegel!" Willkommen im Kopf einer Durchschnittsperson – und mitten drin im Innere Team nach Schulz von Thun!
Stell dir vor, in deinem Kopf wohnt eine kleine WG. Diese WG besteht aus ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, die alle ihre eigenen Interessen und Macken haben. Der eine ist total der Sicherheitsfanatiker, der andere ein risikofreudiger Abenteurer, und wieder ein anderer möchte am liebsten nur auf dem Sofa liegen und Netflix schauen. Diese inneren Stimmen, diese unterschiedlichen Anteile in uns, das ist das, was Friedemann Schulz von Thun als das Innere Team bezeichnet.
Die bunte Truppe im Kopf
Jeder von uns hat so ein Team. Und je nachdem, in welcher Situation wir uns befinden, übernehmen unterschiedliche Mitglieder die Führung. Sagen wir mal, du sollst einen wichtigen Vortrag halten. Da meldet sich garantiert der "Perfektionist" zu Wort, der alles bis ins kleinste Detail planen will. Gleichzeitig macht sich vielleicht der "Angsthase" breit, der dir einflüstert, dass du dich blamieren wirst und alle dich auslachen werden. Und ganz hinten in der Ecke sitzt vielleicht der "Chaot", der am liebsten spontan improvisieren würde, aber sich nicht traut.
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Und jetzt kommt der Clou: Keiner dieser Teammitglieder ist "böse" oder "falsch". Sie alle haben ihre Berechtigung und wollen nur das Beste für dich – auch wenn ihre Methoden manchmal etwas ... naja, suboptimal sind. Der Perfektionist will dich vor Fehlern bewahren, der Angsthase dich vor Gefahren schützen, und der Chaot möchte, dass du Spaß hast und locker bleibst.
Wie funktioniert das Ganze in der Praxis?
Nehmen wir an, dein Chef bittet dich um ein Feedback zu einem neuen Projekt. Dein "Harmoniebedürftiger" in dir schreit: "Bloß nichts Negatives sagen! Sonst ist der Chef sauer!" Dein "Kritiker" hingegen drängt: "Sag ihm, dass das Projekt totaler Mist ist! Das kann man doch viel besser machen!" Und dein "Diplomat" versucht, zwischen den beiden zu vermitteln: "Vielleicht könntest du konstruktive Verbesserungsvorschläge machen, ohne den Chef zu verärgern?"

Genau in solchen Situationen ist es hilfreich, sich bewusst zu machen, welche inneren Stimmen gerade am lautesten schreien. Wenn du weißt, wer da in deinem Kopf rumgeistert, kannst du sie besser verstehen und ihre jeweiligen Perspektiven berücksichtigen. Stell dir vor, du setzt dich mit deinem Inneren Team an einen runden Tisch und gibst jedem die Möglichkeit, seine Meinung zu äußern. So kannst du eine Entscheidung treffen, die für alle (oder zumindest für die meisten) Teammitglieder akzeptabel ist.
Das heißt natürlich nicht, dass du jede Entscheidung mit deinem Inneren Team diskutieren musst. Stell dir vor, du stehst morgens vor dem Kleiderschrank und befragst erst mal alle deine inneren Stimmen, welches Outfit du anziehen sollst. Das würde wahrscheinlich den ganzen Tag dauern! Aber in wichtigen Situationen kann es sehr hilfreich sein, sich bewusst zu machen, welche inneren Kräfte da am Werk sind.

"Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion." - Viktor Frankl (frei interpretiert im Sinne des Inneren Teams)
Das Innere Team ist also kein fixes Gebilde, sondern ein dynamisches System, das sich ständig verändert und anpasst. Es ist wie eine bunte Zirkustruppe, die immer wieder neue Kunststücke einüben muss, um im Gleichgewicht zu bleiben. Und das Schöne ist: Du bist der Zirkusdirektor! Du hast die Fäden in der Hand und kannst entscheiden, wer wann auf die Bühne darf. Mit ein bisschen Übung und Selbstreflexion kannst du lernen, dein Inneres Team besser zu verstehen und zu lenken. Und wer weiß, vielleicht entdeckst du dabei sogar ganz neue Talente in deiner inneren WG!
Also, hör mal in dich hinein. Wer meldet sich gerade zu Wort? Und was möchte dieser innere Anteil dir eigentlich sagen?
