Arbeitsblatt Beispiele Für Die Vier Seiten Einer Nachricht

Okay, mal ehrlich. Wer von euch erinnert sich noch an Friedemann Schulz von Thun? Der Mann mit dem Ohrenmodell! Ja, genau, der! Und sein Ding mit den vier Seiten einer Nachricht? Hört sich kompliziert an, ist es aber eigentlich gar nicht. Oder vielleicht doch? Unpopuläre Meinung: Ich glaube, wir überbewerten das Ganze manchmal.
Die Sachebene: Fakten, Fakten, Fakten!
Die Sachebene ist ja noch easy. Da geht's um die pure Information. "Die Ampel ist rot." Klingt klar, oder? Aber selbst hier fängt der Spaß schon an. Denn: Ist sie wirklich rot? Oder nur orange-rötlich wegen der tiefstehenden Sonne? Und: Weiß der Empfänger überhaupt, was eine Ampel ist? Ihr seht, selbst Fakten können tückisch sein.
Ich behaupte ja: Die meisten Missverständnisse entstehen gar nicht auf der Sachebene. Sondern woanders. Aber psst, nicht verraten!
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Die Selbstoffenbarung: Was sagt das über mich aus?
Jetzt wird's persönlich. Denn jede Nachricht verrät ja auch was über den Sender. "Mir ist kalt!" sagt nicht nur, dass einem kalt ist. Sondern auch, dass man vielleicht ein bisschen verfroren ist. Oder dass man gerne hätte, dass jemand einem die Jacke anbietet. Oder dass man einfach nur Aufmerksamkeit will.
Ich finde ja, wir Deutschen sind Meister darin, unsere Selbstoffenbarung zu verstecken. Wir jammern nicht direkt, sondern sagen: "Ist schon ganz schön frisch heute." Und erwarten dann, dass der andere Mitleid hat und uns eine Decke bringt. Clever, oder? (Manchmal aber auch anstrengend.)

Die Beziehungsseite: Wie stehe ich zu dir?
Oha, jetzt wird's heikel. Denn jede Nachricht sagt auch was darüber aus, wie wir den Empfänger sehen. "Kannst du mir bitte helfen?" ist anders als "Hilf mir jetzt!" Die erste Variante ist freundlich, die zweite... naja, weniger.
Ich glaube, hier liegt das größte Konfliktpotenzial. Denn oft hören wir in der Nachricht eine Beziehungsbotschaft, die gar nicht da ist. "Du hast schon wieder vergessen, den Müll rauszubringen!" Kann heißen: "Ich liebe dich, aber das nervt mich gerade." Kann aber auch heißen: "Ich finde dich unzuverlässig und respektlos." Ups.

Meine unpopuläre Meinung dazu: Wir sollten uns öfter fragen, ob wir da wirklich was Negatives reininterpretieren müssen. Vielleicht hat der andere einfach nur einen schlechten Tag.
Der Appell: Was will ich von dir?
Der Appell ist ja eigentlich ganz einfach: Was will der Sender erreichen? "Mach die Tür zu!" ist ein klarer Appell. Aber manchmal sind die Appelle versteckter. "Mir ist kalt!" (Appell: Gib mir deine Jacke!) "Der Müll stinkt!" (Appell: Bring ihn endlich raus!).
Ich finde ja, wir sind zu oft zu feige, unsere Appelle direkt zu formulieren. Statt zu sagen "Ich brauche deine Hilfe!" jammern wir lieber rum, bis der andere von selbst drauf kommt. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Und führt oft zu Frust auf beiden Seiten.

Also... Alles Quatsch?
Nein, natürlich nicht! Das Vier-Seiten-Modell ist schon ein hilfreiches Werkzeug, um Kommunikation besser zu verstehen. Aber ich glaube, wir sollten es nicht zu dogmatisch sehen. Nicht jede Nachricht MUSS auf allen vier Ebenen analysiert werden. Manchmal ist eine rote Ampel einfach nur eine rote Ampel.
Und manchmal ist ein "Mir ist kalt!" einfach nur ein "Mir ist kalt!". Ohne versteckten Appell, ohne Beziehungsbotschaft, ohne tiefere Bedeutung. Manchmal dürfen wir auch einfach mal zuhören und dem anderen glauben, was er sagt. Und ihm vielleicht einfach die Jacke anbieten.

Denn letztendlich geht es doch darum, miteinander zu reden. Und nicht darum, jede Nachricht auf Herz und Nieren zu prüfen. Oder was meint ihr?
Ach so, und noch was: Ich behaupte, dass der wichtigste Aspekt bei all dem oft vergessen wird: Humor! Mit einem Augenzwinkern und ein bisschen Selbstironie lassen sich viele Kommunikationsfallen elegant umschiffen. Probiert's mal aus! 😉
