All Die Schönen Pferde Film

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr ein Buch lest, von dem alle schwärmen, und euch denkt: "Okay, krass, aber wann passiert denn was?" Genau dieses Gefühl hatte ich, als ich "All Die Schönen Pferde" von Cormac McCarthy gelesen hab. Und ja, der Film ist... sagen wir mal... ähnlich.
Ich mein, die Story ist ja an sich nicht verkehrt: Zwei junge Cowboys, John Grady Cole und Lacey Rawlins, machen sich in den 1950ern auf den Weg nach Mexiko, um ein neues Leben zu suchen. Klingt nach Abenteuer, Freiheit, staubigen Wegen und brennender Sonne, oder? So wie in einem Marlboro-Werbespot, nur ohne die tödlichen Nebenwirkungen.
Der Schönheit der Langsamkeit (oder auch: Die Qual der Geduld)
Aber der Film... puh. Er ist langsam. So langsam, dass Schneckenrennen daneben aussehen wie Formel 1. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob der Regisseur dachte, das Publikum sitzt in einer Zeitmaschine und hat unendlich viel Zeit. Es ist, als würde man jemandem beim Trocknen von Farbe zusehen, nur dass die Farbe ein Sonnenuntergang über einer mexikanischen Wüste ist und die Person, die sie trocknet, Viggo Mortensen ist (der übrigens auch eine kleine Rolle hat).
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Und wisst ihr was? Trotzdem, irgendwie, hat der Film auch was. Diese unglaublich langsamen, fast meditativen Aufnahmen der Landschaft. Diese Stille, die nur vom Knarzen des Leders und dem Hufschlag der Pferde unterbrochen wird. Das hat was von... ja, was eigentlich? Von einem Roadtrip, bei dem man versehentlich das Navi ausgeschaltet hat und sich jetzt einfach treiben lässt.
Die Pferde, ja, die Pferde sind wirklich schön. Wahrscheinlich die schönsten Pferde, die ich jemals auf einer Leinwand gesehen habe. Sie sind so majestätisch und anmutig, dass man fast vergisst, dass John Grady Cole (gespielt von Matt Damon) gerade versucht, ein wildes Pferd zuzureiten und dabei aussieht, als würde er versuchen, einen störrischen Staubsauger zu bändigen.

Die Liebe und die Sprachbarriere (oder: Wenn Gefühle nicht übersetzt werden können)
Dann ist da noch die Liebesgeschichte mit Alejandra, der Tochter des Ranchbesitzers. Die beiden verlieben sich natürlich unsterblich. Und die Chemie zwischen Matt Damon und Penélope Cruz stimmt auch. Aber die Dialoge... oh je. Viele Szenen sind auf Spanisch, ohne Untertitel. Und auch wenn ich ein bisschen Spanisch kann, habe ich mich trotzdem oft gefragt, ob ich gerade ein wichtiges Detail verpasse. Es ist, als würde man versuchen, einen Witz zu verstehen, von dem man nur die Hälfte kennt. Man lacht trotzdem, weil man nicht unhöflich sein will, aber eigentlich versteht man nur Bahnhof.
Das Ganze endet dann in einem Drama, das so unnötig und übertrieben ist, dass man sich fragt, ob Cormac McCarthy nicht einfach nur versucht hat, uns alle zu ärgern. Aber hey, immerhin hatten wir schöne Pferde und eine beeindruckende Landschaft.

Fazit: Anschauen oder lieber nicht?
Würde ich den Film empfehlen? Schwierige Frage. Wenn du einen actiongeladenen Western erwartest, dann lass die Finger davon. Wenn du aber Lust auf einen Film hast, der dich zum Nachdenken anregt (oder dich zumindest dazu bringt, über deine Lebensentscheidungen zu grübeln), und du kein Problem damit hast, dass wenig passiert, dann könnte "All Die Schönen Pferde" was für dich sein. Aber bring dir am besten Kaffee mit. Viel Kaffee.
Und denk dran: Manchmal ist der Weg das Ziel. Auch wenn der Weg verdammt lang und langweilig ist.

Ach ja, und falls du dich fragst, was "All die schönen Pferde" auf Englisch heißt: "All the Pretty Horses". Klingt doch gleich viel besser, oder?
Viel Spaß beim Filmabend (oder beim Nickerchen)!
