4 Phasen Validation Nach Naomi Feil

Kennst du das Gefühl, wenn du versuchst, mit einem Menschen zu kommunizieren, der in seiner eigenen Welt zu leben scheint? Vielleicht ist es ein älterer Angehöriger, der an Demenz erkrankt ist und dessen Worte und Handlungen für dich keinen Sinn mehr ergeben. Es ist frustrierend und schmerzhaft, nicht wahr?
Die Validation nach Naomi Feil bietet hier einen Hoffnungsschimmer. Sie ist ein Ansatz, der uns hilft, die Welt aus den Augen des desorientierten Menschen zu sehen, seine Gefühle anzuerkennen und eine Brücke der Empathie zu bauen. Keine einfachen Patentrezepte, sondern eine tiefe Auseinandersetzung mit den individuellen Bedürfnissen.
Was ist Validation nach Naomi Feil?
Validation ist mehr als nur Zuhören. Es ist eine Methode, die darauf abzielt, die Gefühle und Bedürfnisse von desorientierten, meist älteren Menschen zu verstehen und anzuerkennen. Der Kern der Idee ist: Akzeptiere die Realität des anderen, auch wenn sie sich von deiner eigenen unterscheidet. Verurteile nicht, korrigiere nicht, sondern versuche, einzufühlen.
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Naomi Feil entwickelte diese Methode in den 1960er Jahren, als sie feststellte, dass traditionelle Pflegeansätze oft zu Frustration und Widerstand bei desorientierten Bewohnern führten. Sie erkannte, dass diese Menschen nicht einfach "verrückt" oder "unkooperativ" waren, sondern dass ihre Verhaltensweisen Ausdruck tieferliegender Bedürfnisse und Gefühle waren.
Die 4 Phasen der Desorientierung nach Feil
Feil identifiziert vier Phasen der Desorientierung, die jeweils spezifische Bedürfnisse und Verhaltensweisen aufweisen. Das Verständnis dieser Phasen ist entscheidend, um die Validation effektiv anzuwenden.
Phase 1: Die Orientierungslosigkeit
In dieser frühen Phase spüren die Betroffenen eine zunehmende Verwirrung und Gedächtnisverluste. Sie versuchen, sich an die Realität zu klammern, indem sie sich an vergangene Ereignisse erinnern oder nach vertrauten Personen und Orten suchen.

Wichtige Aspekte der Validation in dieser Phase:
- Ermutige die Erinnerung: Sprich über die Vergangenheit und betone positive Erlebnisse.
- Akzeptiere die Verwirrung: Versuche nicht, die Person zu korrigieren oder zu verbessern, sondern bestätige ihre Gefühle.
- Biete Sicherheit und Geborgenheit: Schaffe eine ruhige und vertraute Umgebung.
Phase 2: Die Zeitverwirrtheit
Hier beginnen die Betroffenen, sich in der Zeit zu verlieren. Sie verwechseln Vergangenheit und Gegenwart, leben in Erinnerungen und verlieren den Bezug zur aktuellen Realität.
Wichtige Aspekte der Validation in dieser Phase:

- Akzeptiere die "gelebte Zeit": Stelle die Realität des Betroffenen nicht in Frage, sondern akzeptiere seine Wahrnehmung.
- Verwende Sinnesreize: Musik, Gerüche oder Berührungen können Erinnerungen wecken und positive Emotionen auslösen.
- Biete Trost und Beruhigung: Körperlicher Kontakt, wie z.B. Händchen halten, kann ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.
Phase 3: Die sich wiederholende Bewegung
In dieser Phase wiederholen die Betroffenen oft bestimmte Bewegungen oder Handlungen, wie z.B. Nesteln, Trippeln oder Wippen. Diese Verhaltensweisen dienen oft dazu, innere Spannungen abzubauen oder ungelöste Konflikte zu verarbeiten.
Wichtige Aspekte der Validation in dieser Phase:
- Akzeptiere die Bewegung: Versuche nicht, die Person zu stoppen oder zu unterbrechen, solange sie sich oder andere nicht gefährdet.
- Versuche, die Ursache der Bewegung zu verstehen: Frage dich, welche Bedürfnisse oder Gefühle hinter der Bewegung stecken könnten.
- Biete alternative Möglichkeiten zur Spannungsableitung: Spaziergänge, sanfte Musik oder eine Massage können helfen, die innere Unruhe zu lindern.
Phase 4: Das vegetative Stadium
Dies ist die letzte Phase der Desorientierung, in der die Betroffenen sich immer mehr von der Außenwelt zurückziehen und in eine Art innere Versenkung geraten. Die verbale Kommunikation nimmt ab, und die Betroffenen reagieren oft nur noch auf einfache Reize wie Berührung oder Musik.

Wichtige Aspekte der Validation in dieser Phase:
- Biete Komfort und Geborgenheit: Schaffe eine ruhige und entspannende Umgebung.
- Verwende nonverbale Kommunikation: Berührung, Blickkontakt und eine sanfte Stimme können eine Verbindung herstellen.
- Akzeptiere die Stille: Manchmal ist es wichtiger, einfach nur da zu sein und präsent zu sein, ohne etwas zu sagen.
Warum ist Validation so wichtig?
Validation ist nicht nur eine Methode, um schwierige Verhaltensweisen zu bewältigen. Es ist eine Haltung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und seine Würde respektiert. Sie trägt dazu bei, das Selbstwertgefühl der Betroffenen zu stärken, Angst und Frustration zu reduzieren und eine tiefere Verbindung zwischen Pflegenden und Gepflegten aufzubauen. Es geht darum, eine Beziehung zu schaffen, die auf Empathie, Respekt und Akzeptanz basiert.
Indem wir die Welt aus den Augen des desorientierten Menschen sehen, können wir ihm helfen, sich verstanden, akzeptiert und wertgeschätzt zu fühlen. Das ist das Ziel der Validation nach Naomi Feil.

"Validation is not a technique; it is a way of being." - Naomi Feil
Wichtig: Validation ist kein Allheilmittel. Sie ist eine Methode, die in Kombination mit anderen Pflegeansätzen angewendet werden sollte. Es ist auch wichtig, sich selbst nicht zu überfordern und sich professionelle Unterstützung zu suchen, wenn man an seine Grenzen stößt.
Die Auseinandersetzung mit Validation kann eine Herausforderung sein, aber sie ist es wert. Sie ermöglicht es uns, die Bedürfnisse desorientierter Menschen besser zu verstehen und ihnen mit mehr Empathie und Respekt zu begegnen. Und letztendlich profitieren wir alle davon – die Betroffenen, die Pflegenden und die Gesellschaft als Ganzes.
