4 Phasen Des Pflegeprozesses Nach Krohwinkel

Der Pflegeprozess ist ein systematischer Ansatz zur Planung und Durchführung von Pflege, der darauf abzielt, die individuellen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen zu erfüllen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Christel Bienstein und Monika Krohwinkel entwickelten gemeinsam ein Pflegemodell, welches das Konzept der Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des Lebens (AEDL) in den Mittelpunkt stellt. Dieses Modell wird häufig in der deutschsprachigen Pflegepraxis angewendet und dient als Grundlage für die Gestaltung des Pflegeprozesses. Vereinfacht kann man sagen, dass es 4 Phasen nach Krohwinkel gibt, die sich aus dem eigentlichen Pflegeprozess ableiten.
1. Informationssammlung (Assessment)
Die erste Phase des Pflegeprozesses nach Krohwinkel ist die Informationssammlung oder das Assessment. Hierbei geht es darum, ein umfassendes Bild der individuellen Situation des Pflegebedürftigen zu erhalten. Dies beinhaltet:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, aktueller Beschwerden und bisherigen Pflegeerfahrungen.
- Beobachtung: Sorgfältige Beobachtung des Pflegebedürftigen in Bezug auf seine körperlichen, psychischen und sozialen Bedürfnisse.
- Gespräche: Gespräche mit dem Pflegebedürftigen selbst, Angehörigen, Ärzten und anderen beteiligten Fachkräften.
- Dokumentensichtung: Einsicht in relevante Dokumente wie Arztberichte, Pflegegutachten und Medikamentenpläne.
Besonders wichtig ist es, die AEDL (Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des Lebens) zu berücksichtigen. Diese umfassen:
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- Kommunizieren: Wie kommuniziert der Pflegebedürftige? Gibt es Einschränkungen?
- Sich bewegen: Wie mobil ist der Pflegebedürftige? Benötigt er Unterstützung?
- Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten: Atmung, Kreislauf, Körpertemperatur.
- Sich pflegen: Wie selbstständig ist der Pflegebedürftige bei der Körperpflege?
- Essen und Trinken: Gibt es Schluckbeschwerden, Appetitlosigkeit oder andere Probleme?
- Ausscheiden: Ist der Pflegebedürftige inkontinent? Gibt es Verdauungsprobleme?
- Sich kleiden: Kann sich der Pflegebedürftige selbstständig an- und ausziehen?
- Ruhen und Schlafen: Hat der Pflegebedürftige Schlafstörungen?
- Sich beschäftigen: Welche Interessen und Hobbys hat der Pflegebedürftige?
- Sich als Mann/Frau fühlen und verhalten: Wie geht der Pflegebedürftige mit seiner Sexualität um?
- Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen: Ist die Umgebung sicher und anregend?
- Soziale Bereiche des Lebens sichern: Welche sozialen Kontakte hat der Pflegebedürftige?
- Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen: Umgang mit Krankheit, Verlust, Tod.
Die gesammelten Informationen bilden die Grundlage für die nächste Phase.
2. Zielsetzung
Auf Basis der Informationssammlung werden in der zweiten Phase des Pflegeprozesses die Pflegeziele festgelegt. Diese Ziele sollen realistisch, messbar, erreichbar, relevant und terminiert (SMART) sein. Sie orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen und Ressourcen des Pflegebedürftigen sowie an seinen Wünschen und Vorstellungen.

Es gibt sowohl kurzfristige als auch langfristige Ziele. Kurzfristige Ziele können beispielsweise die Schmerzlinderung oder die Förderung der Mobilität sein. Langfristige Ziele können die Erhaltung der Selbstständigkeit oder die Verbesserung der Lebensqualität umfassen.
Die Zielsetzung erfolgt in Absprache mit dem Pflegebedürftigen und gegebenenfalls seinen Angehörigen. Es ist wichtig, dass der Pflegebedürftige sich mit den Zielen identifizieren kann und aktiv an deren Erreichung mitwirkt.

3. Planung der Pflegemaßnahmen
In der dritten Phase werden die Pflegemaßnahmen geplant, die zur Erreichung der Pflegeziele erforderlich sind. Diese Maßnahmen leiten sich direkt aus den identifizierten Problemen und den formulierten Zielen ab. Die Planung umfasst:
- Festlegung der konkreten Pflegemaßnahmen: Welche konkreten Maßnahmen sind erforderlich, um die Pflegeziele zu erreichen? Zum Beispiel: Mobilisationsübungen, Medikamentengabe, Unterstützung bei der Körperpflege.
- Festlegung der Häufigkeit und Dauer der Maßnahmen: Wie oft und wie lange sollen die Maßnahmen durchgeführt werden?
- Festlegung der Verantwortlichkeiten: Wer ist für die Durchführung der Maßnahmen verantwortlich?
- Dokumentation der Maßnahmen: Die geplanten Maßnahmen werden detailliert dokumentiert, um eine transparente und nachvollziehbare Pflege zu gewährleisten.
Bei der Planung der Pflegemaßnahmen ist es wichtig, die Ressourcen des Pflegebedürftigen zu berücksichtigen und seine Selbstständigkeit so weit wie möglich zu fördern. Die Pflegemaßnahmen sollen sich an den AEDL orientieren und darauf abzielen, die Fähigkeiten des Pflegebedürftigen zu erhalten oder wiederherzustellen.

4. Evaluation
Die vierte und letzte Phase des Pflegeprozesses ist die Evaluation. Hierbei wird überprüft, ob die geplanten Pflegemaßnahmen die gewünschten Ergebnisse erzielen und die Pflegeziele erreicht werden. Die Evaluation erfolgt regelmäßig und systematisch. Es werden folgende Fragen beantwortet:
- Werden die Pflegeziele erreicht?
- Sind die Pflegemaßnahmen wirksam?
- Gibt es unerwünschte Nebenwirkungen?
- Ist der Pflegebedürftige zufrieden mit der Pflege?
Die Ergebnisse der Evaluation werden dokumentiert und dienen als Grundlage für die Anpassung des Pflegeplans. Wenn die Pflegeziele nicht erreicht werden oder unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, müssen die Pflegemaßnahmen überdacht und gegebenenfalls angepasst werden. Die Evaluation ist ein kontinuierlicher Prozess, der sicherstellt, dass die Pflege an die sich ändernden Bedürfnisse des Pflegebedürftigen angepasst wird. Die Ergebnisse der Evaluation fließen direkt zurück in die erste Phase des Pflegeprozesses, die Informationssammlung, um eine kontinuierliche Verbesserung der Pflegequalität zu gewährleisten. Die kontinuierliche Evaluation ist somit ein integraler Bestandteil des gesamten Pflegeprozesses nach Krohwinkel.
